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admin

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« am: 16. März 2007, 23:47 »



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Josef

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Blasenkrebs, FISH-Test, UroVysion
« Antwort #1 am: 15. Dezember 2007, 01:14 »
FISH-Test, UroVysion, was steckt da dahinter?

Bubendorf L, Sauter G, Simon R, 2003

Die Diagnose von Urothelkarzinomen und die Nachsorge zur frühzeitigen Entdeckung von Rezidiven stellt eine große Herausforderung für Urologen und Pathologen dar. Die mit 70 % überwiegenden, nichtinvasiven und niedriggradigen Urotheltumoren (pTa G1/2) verlaufen nur ausnahmsweise progredient, rezidivieren aber häufig. Die Urothelkarzinome mit einer oberflächlichen Invasion (pT 1) stellen die größte Herausforderung dar, da sie einen lebensbedrohlichen Verlauf mit Infiltration in die tiefe Harnblasenwand nehmen können. Patienten mit Urotheltumoren benötigen deshalb eine jahrelange Tumornachsorge mittels regelmäßiger Zystoskopien in Kombination mit zytologischen Urinuntersuchungen. Die Zytologie besitzt jedoch eine ungenügende Sensitivität für den Nachweis von Tumorzellen im Urin, weshalb ein großer Bedarf an zusätzlichen Markern besteht. Da Urotheltumoren im Gegensatz zu normalen Urothelien zahlreiche chromosomale Aberrationen aufweisen, wurde kürzlich ein Test zum Nachweis solcher Veränderungen in der Urinzytologie entwickelt (UroVysion, Vysis, Inc.). Mittels Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung (FISH) werden bei diesem Test die Chromsomen 3, 7, 17 und 9p21 gleichzeitig untersucht. UroVysion führt zu einer markanten Verbesserung der Sensitivität der Zytologie bei einer Spezifität von über 90 %. Besonders die gefährlichen invasiv wachsenden Tumoren (pT 1-4) lassen sich mittels FISH mit großer Zuverlässigkeit im Urin nachweisen. Außerdem ist der UroVysion FISH-Test in der Lage, Patienten mit bevorstehenden Rezidiven auch bei negativer Zystoskopie frühzeitig zu identifizieren. Patienten mit negativer Zystoskopie, aber positivem FISH-Test haben im Vergleich zu Patienten mit einem negativen FISH-Test ein mehrfach erhöhtes Rezidivrisiko. UroVysion FISH kann somit auch zur individuellen Abschätzung des Rezidivrisikos verwendet werden und so dazu beitragen, bei Patienten mit niedrigem Risiko die Anzahl der unangenehmen Kontrollzystoskopien zu verringern. UroVysion FISH stellt ein wertvolles Hilfsmittel zur verbesserten Diagnose von Urotheltumoren und genaueren Abschätzung des Rezidivrisikos dar.
Bei negativem postoperativem FISH-Befund kann eine Reduktion der Zystoskopiehäufigkeit erwogen werden.


Weiters:
Die FISH-Technik lässt sich auch in der zytologischen Diagnostik einsetzen. Viele Tumorzellen weisen typische Chromosomenanomalien auf. Es sind dies Trisomien, Polysomien, Deletionen und Duplikationen, die mit den entsprechenden FISH-Sonden in einem frühen Stadium festgestellt und quantifiziert werden können. Ein Beispiel sind bösartig veränderte Blasenzellen, in welchen häufig Trisomien oder Polysomien der Chromosomen 3, 7 und 17 und eine Deletion im Chromosom 9 auftreten. Liefert die konventionelle zytologische Diagnostik Hinweise auf das Vorliegen eines Blasenkarzinoms, so kann der Verdacht mit einer FISH-Untersuchung (Urovysion) untermauert werden.
Im Labor Genetica wird der Urovysion-Test in Zusammenarbeit mit dem Institut für Pathologie des Universitätsspitals Zürich angeboten.


Neue WHO Klassifikation von Harntrakttumoren
Mitarbeiter vom Institut des Kantonsspital Basel haben bei der Revision
der WHO Klassifikation urogenitaler Tumoren (2004)
eine tragende Rolle gespielt. Die wesentlichsten
Veränderungen betreffen das Harnblasenkarzinom,
wo mehr Augenmerk auf die Unterscheidung nichtinvasiver
und invasiv wachsender Tumoren gelegt,
und die Gradierung von Urotheldysplasien vereinfacht
wird.

Neu eingeführt wurde der Begriff "Nichtinvasives
papilläres Urothelkarzinom". Die neue Nomenklatur
wird an unserem Institut ab Mai 2004 verwendet.
Urin FISH-Test (UroVysion™, Vysis):

Urotheltumoren neigen zu häufigen Rezidiven.
Die
zytologische Untersuchung am Urin allein reicht nicht
aus, um solche Rezidive zuverlässig zu erkennen, weshalb
regelmässige Nachkontrollen mittels Harnblasenspiegelungen
erforderlich sind.

Der UroVysion FISH Test

erlaubt die gleichzeitige Analyse der vier Chromosomen
3, 7, 17 und 9p21 an zytologischem Material.
Diese Chromosomen sind bei Urotheltumoren häufig
verändert. Der UroVysion™ FISH-Test am Urin besitzt
eine hohe Empfindlichkeit für den Nachweis von Urotheltumoren
und erlaubt eine verbesserte Vorhersage
des Rezidivrisikos. Dieser Test wird ergänzend

http://www.kup.at/journals/abbildungen/1483.html

Siehe auch:
http://www.uro-innsbruck.at/uroonkologie/material/homepage_patienten_blasenca_screening.pdf



Bitte kann wer diese Ergebnisse ins Deutsche übersetzen? Danke!


Abstract.
Bladder Cancer is the fifth most common Cancer in adults. Because of the high recurrence rate (up to 70%) new tumor markers for urine are necessary for monitoring patients. In this study, we investigated the value of M-FISH on cells from urine for the detection of Bladder Cancer. Urine samples from 141 patients suspicious of Bladder Cancer were analyzed in this study. Cells were isolated from urine before surgical therapy. For FISH analysis, a commercial kit (UroVysion) containing hybridization probes for chromosomes 3, 7, 9p21 and 17, was used. Twenty-five cells were analyzed in each case by two observers. A FISH result was obtained in 121 cases. Overall, sensitivity was 60% and specificity reached 82.6%. Sensitivity and specificity by cytology were 24.1% and 90.5%, respectively. Analyzing results concerning T-category, sensitivity of FISH and cytology was 36.1% and 15% in pTa, 65.2 and 25.7% in pT1, 100% and 66.7% in pT2-3 tumors, respectively. Concerning tumor grade, similar results were obtained: sensitivity was 37% and 14% in G1, 65.4% and 40% in G2, 91.7% and 50% in G3 tumors, for FISH and cytology, respectively. In conclusion, FISH on cells from urine has been shown in all studies to be highly sensitive and specific for detection of Bladder Cancer. Sensitivity of FISH is higher than conventional cytology and can be used in routine diagnosis additionally to conventional cytology especially in doubtful or negative cases. FISH can detect recurrence earlier than other methods like cytology, cystoscopy or biopsy histological examination.
« Letzte Änderung: 15. Dezember 2007, 01:52 von Josef »
Alles, was wir uns in der Vergangenheit schwer erkämpfen mussten,
hinterlässt gewisse Spuren auf unserer „zerbrechlichen“ Seele,
doch sollten wir deshalb die Hoffnung auf eine bessere Zukunft nicht verlieren.
Carola-Elke

Josef

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Blasenkrebs? FISH!
« Antwort #2 am: 26. Juni 2009, 20:59 »


Prospektive Nachsorgestudie des Harnblasenkarzinoms
mittels M-FISH (Urovysion®) in der urologischen
Praxis: Sensitive Detektion von CIS und Progression
zum High-grade-Karzinom

H.-M. Fritsche1, E. Bach2, W. Dietmaier3, S. Denzinger1, W. Otto1, M. Burger1,
W. F. Wieland1, A. Hartmann4
1Urologie, Universität Regensburg, 2Praxis für Urologie, Moosburg/Isar, 3Institut für
Pathologie, Universität Regensburg, 4Institut für Pathologie, Universität Erlangen,
Deutschland

http://www.kup.at/kup/pdf/7974.pdf      S.50

Einleitung
Die diagnostische Nützlichkeit des Multicolour-FISHTests
Urovysion® (Abbott) in die Nachsorge des Urothelkarzinoms
der Harnblase wird kontrovers diskutiert. Wir evaluierten die prognostische
Wertigkeit bezüglich der Vorhersage eines CIS-Befundes
in einer prospektiven Studie in einer urologischen Praxis.
Methode Über einen Zeitraum von 2 Jahren wurden 70 Patienten
einer Nachsorge nach Resektion eines nicht-muskelinvasiven
Urothelkarzinoms durch Zystoskopie, Urinzytologie und FISH-Diagnostik
unterzogen. Es erfolgten 362 FISH-Untersuchungen. Nach
Standardisierung von Entnahme, Einsendung und Fixierung des
Materials zeigte sich damit eine Erfolgsquote des FISH in der urologischen
Praxis von 84 %.

Resultate
Bei 13 Patienten waren im Verlauf insgesamt 19 Rezidive
zu verzeichnen. In 6 Fällen wurde ein CIS-Befund festgestellt.
Bei 3 Patienten war eine Progression zu verzeichnen, bei einem Patienten
eine Muskelinvasion des Tumors. Die Sensitivität der FISHUntersuchung
in der Vorhersage des Vorliegens eines CIS betrug
97 %, die Sensitivität der Zytologie 66 %. Es zeigte sich bei allen
CIS-Rezidiven mindestens ein positiver FISH-Test im Rahmen der
vorhergehenden Vorstellungstermine (2–13 Monate).

Schlussfolgerung
Der Urovysion-Assay scheint insbesondere für
die Suche nach zystoskopisch noch nicht detektierbaren Vorläuferläsionen
des Urothelkarzinoms geeignet zu sein. Zur Verbesserung
der Detektion bei negativem zystoskopischem Befund, aber positivem
FISH-Test könnte die speziell für CIS-Befunde geeignete
Photodynamische Diagnostik zum Einsatz kommen. Wir konnten
zeigen, dass der Urovysion-Test gut standardisierbar und in der
urologischen Niederlassung für die Nachsorge des Urothelkarzinoms
eingesetzt werden kann.

Alles, was wir uns in der Vergangenheit schwer erkämpfen mussten,
hinterlässt gewisse Spuren auf unserer „zerbrechlichen“ Seele,
doch sollten wir deshalb die Hoffnung auf eine bessere Zukunft nicht verlieren.
Carola-Elke

hilde

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Fortsetzung ......


ausreichten (siehe Folie 3). Die wenig differenzierten Tumoren (G3 bis G4) machen in
der Regel weniger Schwierigkeiten – vorausgesetzt der Urin ist ausreichend
zellhaltig und die Zellen sind gut erhalten. Diagnostische Schwierigkeiten machen in
der Regel die G1- und z.T. auch die G2-Tumoren. Histologisch sind diese Tumoren
sehr gut bzw. gut differenziert. Die geringfügige Kern- und Zellpolymorphie oder die
nur geringfügig oder gar nicht ausgeprägten zytologischen Malignitätskriterien
lassen sich aus den histologischen Bildern (siehe Folie 4-6) sehr gut ableiten.
Die relativ geringe Sensitivität und - weniger stark – die Spezifität von gut
differenzierten Tumorzellen lassen sich vor allem durch molekulare
Nachweismethoden erhöhen. Da stehen uns seit längerer Zeit die von Herrn
Machtens bereits erwähnten sog. Onkoproteine zur Verfügung. U. a. hatten wir seit
vielen Jahren das Onkoprotein 486p3/12 in der Verlaufskontrolle von
Urothelkarzinomen eingesetzt. In der Zwischenzeit aber haben sich wesentlich
bessere und validere molekularpathologische Methoden etabliert:
So z. B. ist die Fluoreszenz in situ-Typisierung (FISH bzw. Multicolor-Urovysion-
Test) eine Methode, mit deren Hilfe genetische Aberrationen auf verschiedenen
Chromosomen nachgewiesen werden können.
Die Sensitivität des zytologischen Nachweises von Urotheltumoren in Abhängigkeit
von der unterschiedlichen Differenzierung beträgt in den aufgeführten Tabellen für
G1-Tumoren lediglich ca. 50 % (siehe Folie 7). Die Angaben über die Sensitivität der
Urinzytologie schwanken in der Literatur sehr und sind vor allem vom dem
zytologisch tätigen Untersucher geprägt. Mit Zunahme der Entdifferenzierung erhöht
sich naturgemäß die Aussagekraft. G3-Tumoren machen unter den oben genannten
Voraussetzungen diagnostisch in der Regel keine oder wenig Probleme.
Auf der Folie 8 sind die Neuerkrankungen verschiedener maligner Tumoren in
Europa aufgelistet. Das Harnblasenkarzinom ist mit 45100 Neuerkrankungen in
Europa vertreten. In Deutschland (Folie 9) werden jährlich ca. 13000
Neuerkrankungen an Harnblasenkarzinomen diagnostiziert. Damit ist das
Harnblasenkarzinom in Deutschland der fünfthäufigste Tumor.
In der Folie 10 sind die malignen Abkömmlinge des normalen Urothels demonstriert.
Dabei sind zwei Gruppen zu verzeichnen.
Die eine Gruppe besteht aus den oberflächlichen Harnblasenkarzinomen pTaG1/G2.
Diese Tumore besitzen eine genetische Stabilität, zeichnen sich durch eine geringe
Progredienz und geringe Rezidivrate sowie langsames Wachstum aus. Sie
rezidivieren in der Regel als ein pTaG1/G2-Tumor. Wenn überhaupt, gehen max. 5%
in weniger differenzierte und invasive Tumore über.
Die zweite Gruppe besitzt ein von vornhinein größeres Malignitätspotential, ist
schlechter differenziert (G3/G4) und wächst nach einer relativ kurzen Latenz invasiv
Die Ursache für dieses unterschiedliche biologische Verhalten dieser zwei
Tumorgruppen dürfte in einem unterschiedlichen genetischen Hintergrund liegen.
Harnblasenkarzinome sind – wie auch andere Malignome – chromosomale
Erkrankungen (Deregulierung des normalen Zellzyklus; Deregulierung von
Proliferation und Apoptose usw. Siehe Folie 11).
Vor Besprechung der molekularbiologischen Grundlagen des Urovysion-Testes
müssen wir einen „Abstecher“ in die normale Zellbiologie und Zellgenetik
unternehmen, da gewisse Kenntnisse des normalen Zellzyklus Voraussetzungen
dafür sind, genetische Aberrationen zu verstehen.
- 3 -
Die Regulation des normalen Zellzyklus ist ein multifaktorielles, komplexes und
recht kompliziertes Geschehen :
Der normale Zellzyklus ist auf den Folien 12-17 dargestellt. Der Zellzyklus unterliegt
einem sehr spezialisierten und vielschichtigen „Regelmechanismus“, wobei
zahlreiche aufeinander abgestimmte Interaktionen zwischen Kompartimenten des
Kernes, des Zytoplasmas, der Zellmembran und des extrazellulären Raumes
erforderlich sind.
Der Zellzyklus wird in eine G0-Phase, G1-Phase, S-Phase (Synthesephase), G2-
Phase und M-Phase (Mitosephase) unterteilt. Dieser Zyklus besitzt drei markante
Punkte, an denen jeweils die einzelnen Phasen ineinander übergehen und die
Angriffspunkte der Regulationsmechanismen darstellen. Das sind im einzelnen der
G1/S-Kontrollpunkt, der Restriktionspunkt, der G2/M-Kontrollpunkt und der
Spindelkontrollpunkt.
Dieser seit langem bekannte Zyklus wird von zahlreichen Gliedern (Genen bzw.
Regulatorgenen, Regulatorproteinen, Onkoproteinen usw.) reguliert bzw. beeinflusst.
Die wichtigsten Regulatoren sind die Zykline (D-Zykline, E-Zykline, A-Zykline und
AB-Zykline). Diese jedoch sind wiederum abhängig von übergeordneten
Regulationsmechanismen.
In allen Phasen spielt das sog. Retinoblastom-Gen (RB-Gen) in Verbindung mit
Phosphorylierungen in allen Aktivitätsabschnitten des Zellzyklus eine wesentliche
Rolle.
Die Zykline werden wiederum übergeordnet reguliert durch die Zyklin-dependend-
Kinasen (CDK), die wiederum von den Zyklin-dependend-Kinase-Inhibitors (CDKInhibitors)
bzw. Onkoproteinen p18, p15, p19, p21, p16, p27 usw. beeinflusst
werden. Diese Regulationsmechanismen finden vorwiegend in der G1-Phase des
Zellzyklus statt.
Eine Störung dieser Regulationsmechanismen, z. B. der einzelnen Onkoproteine (z.
B. p14, p16 usw.), kann entweder zu einer Überregulation führen, wenn die
Suppressormechanismen versagen oder zu einer Unterregulation, wenn es zu einer
Aktivitätsanreicherung kommt. Ob diese Störung dann zu einer Reparatur führt, an
der u.a. das Onkoprotein p53 wesentlich beteiligt ist, oder zum ungeregelten Zelltod
(Nekrose), zum geregelten Zelltod (Apoptose) oder zum ungebremsten –autonomen,
tumorösen - Wachstum führt, hängt von dem Ergebnis des
Gesamtregulationsgefüges des Zellzyklus ab.
Im Kontext heißt das, dass genetische Aberrationen auf verschiedenen Ebenen in
der Tumorigenese von Karzinomen eine entscheidende Rolle spielen können.
Beim Harnblasenkarzinom sind dies insbesondere vier Chromosomen beteiligt :
1. Chromosom 3 (insbesondere locus 3q )
2. Chromosom 7 (insbesondere locus 7p )
3. Chromosom 17 ( 17p13 ist der locus für p53 )
4. locus 9p21 (kodiert p14 und p16 und beeinflußt damit Rb )
Die genetischen Aberrationen dieser vom Normalen abweichenden DNA-Sequenzen
lassen sich durch die Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung, die wir vorhin erwähnten,
sichtbar machen.
Wie sieht dieses nun im einzelnen aus?
Seit Crick und Watson im Jahr 1953 ist uns der spiralenförmige Aufbau von
Chromosomen - die Doppelhelixstruktur der DNA - bekannt. Eine DNA oder
- 4 -
Desoxyribonucleinsäure setzt sich aus Nukleotiden zusammen, die zu
verschiedenen Sequenzen zusammengefasst werden bzw. die sich in einem
gesetzmäßigen Rhythmus wiederholen. Eine Störung dieser DNA-Sequenzen kann
man insofern sichtbar machen, als man ein Pendant zu diesen DNA-Sequenzen
„andockt“ und diese „andockende“ DNA-Sequenz mit Fluoreszenzfarben markiert.
Wenn man nun die verschiedenen Genaberrationen mit verschiedenen
Fluoreszenzfarbstoffen markiert, bekommt man für jedes einzelne aberrierte Gen ein
unterschiedliches Farbsignal. Bei der Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung wurden für
das Chromosom C3 rot, für C7 grün, für C17 blau und für 9p21 gold (gelb) benutzt.
Da jede normale Zelle jeweils über zwei identische Chromosomensätze verfügt, muß
also jede Zelle für jedes Chromosom zwei Signale aufweisen. Das kann man durch
die Multicolorfluoreszenz-in situ-Hybridisierung – kurz durch die FISH – sehr gut
demonstrieren. Kommt es nun zu einer Überamplifikation dieses Gens, ist also das
Gen mehrfach in der Zelle vorhanden, dann haben wir entsprechend mehr Signale
(Amplifikation) als normal. Oder - im Gegenteil – bei weniger als zwei Signalen wird
von einer Deletion gesprochen.
Der FISH-Test weist also nach, ob ein Gen normal exprimiert, amplifiziert oder
deletiert ist.
Diese Veränderungen bilden die Grundlagen für den molekularbiologischen
Nachweis von chromosomalen Veränderungen in den Urothelien und damit auch für
den UroVysion-Test (Folie 18). Auf den Folien 19-25 sind Einzelheiten der FISHTechnik
beschrieben. Durch kurze fluoreszenzmarkierte DNA-Sequenzen werden
komplementäre Abschnitte in bekannten Zielsequenzen gesucht. Somit können
genetische Veränderungen an bestimmten Abschnitten der Gene durch
verschiedene Fluoreszenzfarben (z.B. rot, grün, blau und gold) sichtbar gemacht
werden. Dabei wird das Zentromer des Chromosomen 3 mit einem roten, das
Zentromer des Chromosomen 7 mit einem grünen, das Zentromer des
Chromosomen 17 mit einem blauen und der Locus 9p21 des Chromosomens 9 mit
einem gelben bzw. goldfarbenen Fluoreszenzfarbstoff markiert. Da jedes Gen mit
zwei Allelen in einem normalen Kern enthalten ist, müssen entsprechend auch
normalerweise zwei rote, zwei grüne, zwei gelbe und zwei blaue Signale in einem
Zellkern aufleuchten. Abweichungen von diesem Normalbefund werden als
Zunahme (Amplifikationen /Polyploidien) oder als Verlust (Deletionen) sichtbar
gemacht.
Der kurz gefaßte Arbeitsablauf des Urovysion-Testes geht aus der Folie 24 hervor :
1. Zellen aus dem Urin auf einem Objektträger fixieren
¥ z.B. über Cytospin-Zentrifuge
2. Vorbehandlung und Hybridisierung
¥ Proteaseverdau und Dehydrieren (Alkoholreihe)
¥ DNA-Sondenmix zugeben und inkubieren
¥ DAPI Gegenfärbung
3. Interpretation der Ergebnisse
¥ Auswertung von 25 malignen Zellen
¥ Laut Kriterien gelten z.B. > 5 Zellen mit mehr als einem zusätzlichen
Chromosom als FISH +
In der Folie 25 sind sowohl normale Zellkerne mit einem diploiden
Chromosomensatz der dargestellten Centromere (also jeweils zwei gleichfarbene
- 5 -
Signale für C3, C7, C17 und für 9p21) auch Tumorzellkerne mit chromosomalen
Aberrationen (in diesen Zellkernen mehr als nur zwei Signale pro Centromer bzw.
Polyploidie oder weniger als zwei Signale,d.h. Deletion) enthalten.
Die Folien 26 und 27 zeigen, wie durch den Urovysion-Test zytologischdifferentialdiagnostisch
schwierige Urinsedimente besser charakterisiert und
diagnostiziert werden können.
Wie bereits in der Folie 10 beschrieben, zeigt die Folie 28 – etwas abstrahiert –
molekularpathologische Befunde bei Oberflächenkarzinomen und invasiven
Karzinomen. In Oberflächenkarzinomen wird zumeist eine Aberration bzw. Deletion
des Locus 9p/21 und in invasiven Karzinomen Aberrationen im Bereich der
Chromosomen 3, 7 und 17 beobachtet. Dieser Sachverhalt ist in den Folien 29 und
30 ausgewiesen.
In den Folien 31 und 32 sind die Zuwächse vor allem der Sensitivität der
Urinzytologie durch den hinzugekommenen FISH-Test (Urovysion-Test) anhand von
drei Studien aufgeschlüsselt. In allen untersuchten Kategorien der verschieden
differenzierten Urothelkarzinome bzw. in jedem Fall erhöht der Urovysion-Test die
Sensitivität der konventionellen Urinzytologie.
Mit dem Urovysion-Test sollen in der Nachsorge von Tumorpatienten/innen frühe
Stadien von Harnblasentumoren (vorwiegend Verlust von Chromosomen 9p21
einerseits und andererseits aggressive Tumore herausgefunden werden, wobei sich
letztere zumeist durch polyploide Veränderungen der untersuchten Genabschnitte
auszeichnen.
In der Folie 34 ist ein Algorhythmus aufgezeichnet, aus dem die Weichenstellung
hervorgeht, die dem Urovysion-Test (sog. Multicolor-Urovysion-Test bzw. FISHTest)
zukommen kann:
Bei Zustand nach Harnblasenkarzinom können mittels des FISH-Testes – etwas
überzeichnet dargestellt – die Befunde bzw. die Tumore in zwei Kategorien eingeteilt
werden. Einerseits in die bereits mehrfach angesprochene Low-risk-Gruppe, die sich
durch eine mehr oder weniger stabile Genetik , guten Differenzierungsgrad,
langsames Tumorwachstum und niedrigere Rezidivrate auszeichnet.
Die andere Gruppe, d.h. die High-risk-Gruppe zeichnet sich durch hochmalignes
Tumorwachstum (pTaG3) und durch das Carcinoma in situ aus, das in der Regel als
TisG3-Tumor diagnostiziert wird. Die Tumoren dieser Gruppe gehen in der Regel
relativ früh in invasives Wachstum und letztlich in muskelinvasive Tumore über.
Diese Tumore zeichnen sich durch eine genetische Instabilität aus.
Zusammenfassung ( Folie 35) :
An der Karzinogenese von Blasentumoren können eine ganze Reihe von Onkogenen
und Tumorsuppressorgenen beteiligt sein. Das Zusammenspiel dieser Faktoren führt
zu Tumorentstehung, Fortschreiten des Tumors und schließlich zur Metastasierung:
1. Chromosomale Aberrationen führen zur Initiation der Karzinogenese
2. Verlust der Zellzyklusregulation führt zur Zell- bzw.Tumorproliferation
3. Verlust der Zelladhäsion führt zur Metastasierung
- 6 -
Zu den Onkogenen, die am Blasenkarzinom beteiligt sind, zählen u. a. das cH-ras,
c-myc und zahlreiche Regulatorgene der Gruppe der Cycline, der Cyclin-Inhibitoren
und deren übergeordete Regulatorgene. Das Gen 13q14 – auch Retinoblastom
genannt – spielt in fast allen Phasen des Zellzyklus und der Tumorigenese eine
Schlüsselrolle.
In vorausgegangenen Studien (u.a. Bubendorf et al 2001) ließen sich mit Hilfe des
Urovysion-Testes dreimal mehr pTa-Tumoren - verglichen mit der Zytologie -
nachweisen. Im Vergleich der Sensitivitäten von Blasenspülflüssigkeiten und
Urinzytologien (Spontanurin) erwiesen sich die Blasenspülflüssigkeiten als sensitiver.
Es konnte eine Steigerung der Sensitivität für alle invasiven Tumoren (pT1-4) auf 100
% festgestellt werden, während die konventionelle Zytologie nur ca. 2/3 dieser
Tumore erfasste. Hier ist der FISH-Test der Zytologie weit überlegen, da in der
reinen Zytologie von Urin- oder Blasenspülflüssigkeiten reaktive urotheliale
Veränderungen sehr oft nicht von gut differenzierten neoplastischen Urothelien
abgegrenzt werden können.
Bei Patienten mit negativen Nachsorgezytologien, die jedoch in dem FISH-Test
positiv reagierten, konnte ein Tumorrezidiv wahrscheinlich gemacht werden, das in
der Regel frühestens ca. nach sechs bis neun Monaten entstehen kann.
Demgegenüber ist in Nachsorgezytologien von FISH-negativen Fällen auch noch
nach sechzehn bis neunzehn Monaten kein Rezidiv aufgetreten.
Mit Hilfe des Urovysion-Testes können Hinweise auf „low grade“ und „high grade“-
Tumoren insofern gezogen werden, als ein Verlust von 9p21 ohne weitere
Polyploidie für ein low grade-papilläres Karzinom (pTaG1/G2) spricht, während die
Vermehrung von CEP3, 7 und 17 eher auf die „high grade-Tumoren“ (pT1-4)
hinweist.
Facit für die Klinik:
In der Nachsorge von Harnblasentumoren bei negativer Zytologie entscheidet
der FISH-Test über das weitere Procedere:
FISH-negative Kontrollen werden in die low risk-Gruppe mit längeren
Zystoskopien-Intervallen eingruppiert.
FISH-positive Fälle werden als high risk-Gruppe eingeordnet und kürzerfristig
zystoskopiert.
Vor allem die relativ geringe Sensitivität und Spezifität der zytologischen Diagnostik von
Harnblasenkarzinomen lässt sich durch die oben genannte Methode der molekularen
Nachweismethode (UroVysion) deutlich erhöhen.
Anmerkung (Folie 36 – 37) :
Den Mitarbeiterinnen der Firma Abbott – insbesondere den Damen Frau Dr.med. Dipl.
biochem. Patricia Geller und Frau Spauke danke ich sehr für die freundliche Überlassung
der Vorlagen zu den Folien 7 - 10, 18 – 23, 25 – 27, 29 – 33 und zu der Folie 35. Frau
Dr.med.vet. Katrin Henneicke danke ich sehr für die molekularpathologischen
Untersuchungen, ihre Hilfsbereitschaft, vertrauensvolle Zusammenarbeit und
uneingeschränkte Kooperation (s.auch Folie 36 der Präsentation).
- 7 -
.


Aus der Urologischen Klinik und Poliklinik
der Ludwig-Maximilians-Universität München
Direktor: Prof. Dr. med. C. Stief
http://edoc.ub.uni-muenchen.de/12679/1/Will_Armin.pdf
Untersuchungen zur Fluoreszenz – in – situ –
Hybridisierung (FISH) beim Urothelkarzinom des oberen
Harntrakts
Dissertation
zum Erwerb des Doktorgrades der Medizin
an der Medizinischen Fakultät der
Ludwigs-Maximilians-Universität München

hilde

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Blasenkrebs - FISH-Test,  Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung,  Urovysion

Die Diagnose von Urothelkarzinomen und die Nachsorge zur frühzeitigen Entdeckung von Rezidiven stellt eine große Herausforderung für Urologen und Pathologen dar. Die mit 70 % überwiegenden, nichtinvasiven und niedriggradigen Urotheltumoren (pTa G1/2) verlaufen nur ausnahmsweise progredient, rezidivieren aber häufig. Die Urothelkarzinome mit einer oberflächlichen Invasion (pT 1) stellen die größte Herausforderung dar, da sie einen lebensbedrohlichen Verlauf mit Infiltration in die tiefe Harnblasenwand nehmen können. Patienten mit Urotheltumoren benötigen deshalb eine jahrelange Tumornachsorge mittels regelmäßiger Zystoskopien in Kombination mit zytologischen Urinuntersuchungen. Die Zytologie besitzt jedoch eine ungenügende Sensitivität für den Nachweis von Tumorzellen im Urin, weshalb ein großer Bedarf an zusätzlichen Markern besteht. Da Urotheltumoren im Gegensatz zu normalen Urothelien zahlreiche chromosomale Aberrationen aufweisen, wurde kürzlich ein Test zum Nachweis solcher Veränderungen in der Urinzytologie entwickelt (UroVysion, Vysis, Inc.). Mittels Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung (FISH) werden bei diesem Test die Chromsomen 3, 7, 17 und 9p21 gleichzeitig untersucht. UroVysion führt zu einer markanten Verbesserung der Sensitivität der Zytologie bei einer Spezifität von über 90 %. Besonders die gefährlichen invasiv wachsenden Tumoren (pT 1-4) lassen sich mittels FISH mit großer Zuverlässigkeit im Urin nachweisen. Außerdem ist der UroVysion FISH-Test in der Lage, Patienten mit bevorstehenden Rezidiven auch bei negativer Zystoskopie frühzeitig zu identifizieren. Patienten mit negativer Zystoskopie, aber positivem FISH-Test haben im Vergleich zu Patienten mit einem negativen FISH-Test ein mehrfach erhöhtes Rezidivrisiko. UroVysion FISH kann somit auch zur individuellen Abschätzung des Rezidivrisikos verwendet werden und so dazu beitragen, bei Patienten mit niedrigem Risiko die Anzahl der unangenehmen Kontrollzystoskopien zu verringern. UroVysion FISH stellt ein wertvolles Hilfsmittel zur verbesserten Diagnose von Urotheltumoren und genaueren Abschätzung des Rezidivrisikos dar.
 
Nachweis des Blasenkarzinom-Rezidivs
Einführung Die hohe Rezidiv- und Progressionsrate der Urothelkarzinome bedingt die Notwendigkeit einer konsequenten und engmaschigen Nachsorge, die in definierten Zeitabständen lebenslang durchgeführt werden muss. Zur Erkennung von Tumorrezidiven werden vorrangig Zystoskopie und Urinzytologie herangezogen. Beide Methoden ergänzen einander im Hinblick auf Sensitivität und Spezifität und gelten in ihrer Kombination als Goldstandard.

Die Zystoskopie erlaubt eine visuelle Beurteilung der gesamten Blasenoberfläche, findet auch kleine papilläre Karzinome, doch können vor allem kleine flache Karzinome (CIS) dem Nachweis entgehen. Die Sensitivität dieser Methode allein liegt bei 74%, die Spezifität um 51%.
Bei der konventionellen Urinzytologie werden abgeschilferte Urothelzellen aus dem Urinsediment mikroskopisch anhand morphologischer Kriterien beurteilt. Die Spezifität der Zytologie ist mit bis zu 96% sehr hoch. Die Sensitivität liegt bei niedriggradigen Tumoren im Frühstadium allerdings nur um 20% und erreicht auch bei hochgradigen Urothelkarzinomen in fortgeschrittenen Stadien nur Werte von > 70%.

Der neue UroVysion- Test nutzt wie die konventionelle Zytologie Urothelzellen aus dem Urinsediment des Patienten als Untersuchungsmaterial, die Beurteilung erfolgt jedoch auf molekularer Ebene anhand chromosomaler Veränderungen. Der Test nutzt das Prinzip der Fluoreszenz- in situ- Hybridisierung (FISH) und bietet mit dieser Technik eine
höhere Sensitivität als die Zytologie bei vergleichbar hoher Spezifität.

Testprinzip: Tumorzellen zeigen allgemein eine chromosomale Instabilität. Untersuchungen haben gezeigt, dass bei Urothelkarzinomen besonders häufig Vermehrungen (Polysomie) der Chromosomen 3, 7 und 17 beobachtet werden, und dass bereits in der Frühphase der Tumorentstehung Verluste von Chromosom 9 und des 9p21-Locus gefunden werden können, der das p16-Tumorsuppressor-Gen enthält. Diese Merkmale der Urothelkarzinomzelle werden diagnostisch genutzt mit Hilfe der Fluoreszenz- in situ- Hybridisierung (FISH), die eine Visualisierung und Quantifizierung von Chromosomen oder spezifischen Genloci an Interphase-Zellkernen mit Hilfe von fluoreszenzmarkierten DNA-Sonden ermöglicht.

Der UroVysion- Test beruht auf dem direkten Nachweis karzinomassoziierter Chromosomenaberrationen mit Hilfe von fluoreszenzmarkierten DNA-Sonden. In Urinproben von Patienten mit Urothelkarzinom erkennt der Test Aneuploidien der Chromosomen 3, 7 und 17 und den Verlust des 9p21-Locus.

Der UroVysion- Test zeichnet sich durch hohe Spezifität aus und ist in der Sensitivität konventionellen zytologischen Methoden überlegen.
In Studien zeigte der Test bei der Erkennung von Urothelkarzinomen unabhängig von Grad oder Stadium sowohl für oberflächliche als auch für invasive Karzinome bei vergleichbarer hoher Spezifität (96% vs. 98%) eine signifikant höhere Sensitivität als die Zytologie (Sensitivität gesamt 81% vs. 58%):
Überdies erwies sich der UroVysion- Test in vergleichenden Untersuchungen als weniger störanfällig bei Proben, die in der Zytologie erfahrungsgemäß schwierig zu beurteilen sind, etwa bei Hämaturie oder BCG- Therapie.
In Studien wurde belegt, dass die Kombination von Zystoskopie + UroVysion (FISH)-Test eine Sensitivität von 97% erreicht.
UroVysion-Test
UroVysion-Test - die molekularcytogenetische FISH-Untersuchung aus dem Urinsediment bietet in Ergänzung der Zystoskopie neben der Zytologie eine zuverlässige nicht invasive Methode für die Routinediagnostik zum verbesserten Nachweis von Tumorzellen in Urinproben bei der Nachsorge von Blasenkarzinompatienten. 
Indikation: Bei folgenden Fragestellungen wird der UroVysion- Test in der Literatur als hilfreich diskutiert:
Abklärung von unklaren zytologischen Atypien
Bestätigung zytologisch positiver Befunde bei fehlendem zystoskopischen Korrelat
Frühzeitige Diagnose von Rezidiven in der Tumornachsorge
Bessere Abschätzung des Rezidivrisikos nach Resektion eines Urotheltumors
Literatur: senden wir Ihnen auf Wunsch gern zu.
Anforderung: UroVysion-Test - Bitte speziellen Untersuchungsauftrag ausfüllen
Material: ca. 50 ml frischer, in der Praxis gelassener Spontan- MS- Urin (nicht Morgenurin)
 
Präanalytik Hinweise zur Uringewinnung
Am Morgen des Untersuchungstages Blase entleeren; diesen Urin verwerfen.
In der Praxis reichlich Flüssigkeit trinken. Zur Erhöhung der Zellzahl im Urin vor der Uringewinnung möglichst körperlich bewegen (Spazierengehen, Treppensteigen etc.).
Danach Mittelstrahlurin in bereitgestelltes Probengefäß mit Konservierungsflüssigkeit entleeren.
Erfolgt die Uringewinnung in einem normalen Auffangbehälter, Urin sofort in bereitgestelltes Probengefäß mit Konservierungsflüssigkeit umfüllen. Bei Verzögerung den Urin vor dem Umfüllen nochmals gut durchmischen, um abgesetzte Zellen zu resuspendieren.
Um bei weiblichen Patienten eine Beimengung von Plattenepithelzellen aus dem Bereich der kleinen Labien zu vermeiden, sollten diese vor der Blasenentleerung mit einem nassen Tuch ohne Zusatz von Seife o.dgl. abgetupft und während der Miktion gespreizt werden.
Versand

Urin umgehend zur Verarbeitung ins Labor senden (mit Kurierfahrer nach telefonischer Anmeldung der Probe: 0221-9 40 505 424), vor Wärme schützen, Lagerung über Nacht im Kühlschrank.

Abrechnungsinformation

Anmerkung UroVysion ist der erste in den USA von der FDA (Food and Drug Administration) zugelassene molekularcytogenetische Urin-Test: 2001 Zulassung für die Nachsorgeuntersuchung zur Detektion von Blasenkarzinom-Rezidiven und 2005 zusätzlich für die Diagnostik bei Patienten mit Hämaturie.
Die CE-Zertifizierung bezieht sich auf die Erkennung von Blasenkarzinom-Rezidiven in der Nachsorge, die Daten zum Zulassungsantrag für die Diagnostik von Hämaturie-Patienten sind eingereicht.

 
© 2010 laboratoriumsmedizin köln - Dres. med. Wisplinghoff und Kollegen

Blasenkrebs-Früherkennungsprogramm: Erste Ergebnisse aus Innsbruck
http://www.medizin-medien.at/dynasite.cfm?dsmid=78203&dspaid=682787
Die Daten des Blasenkrebs-Früherkennungsprogramms an der Innsbrucker Universitätsklinik für Urologie wurden in einer ersten Analyse ausgewertet.
Das Urothelkarzinom ist die zweithäufigste urologische und sechsthäufigste bösartige Erkrankung weltweit. 2002 erkrankten in Österreich 1.648 Menschen an Harnblasenkarzinom, davon waren 461 Frauen und 1.187 Männer. Zum Vergleich: Tirol registrierte im Jahr 2003 49 Neuerkrankungen bei Frauen und 161 bei Männern, 14 Tirolerinnen und 23 Tiroler starben an Blasenkrebs. Obwohl Männer bis zu fünfmal häufiger daran erkranken als Frauen, ist die Sterblichkeit bei Frauen etwa doppelt so hoch. Das liegt zum Teil daran, dass mehr Frauen mit Blasentumor in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert werden als Männer. Aufgrund der relativ geringen Inzidenz in der Gesamtbevölkerung sind bis jetzt nur vereinzelt Screening-Studien beim Blasentumor durchgeführt worden. Mikrohämaturie-basiertes Screening wurde unter anderem von der Gruppe um E.M. Messing evaluiert, und es zeigte sich eine nicht unerhebliche Anzahl an Tumorerkrankungen. Besonders interessant an diesen Studien sind Hinweise, dass gescreente Personen einen deutlich geringeren Anteil an muskelinvasiven Tumoren aufwiesen und zudem im Langzeitvergleich zur ungescreenten Bevölkerung eine herabgesetzte tumorspezifische Mortalität zeigten. Kürzlich wurde nun publiziert, dass Urin-basierte Blasentumormarker nicht generell, aber in Hochrisikogruppen kosteneffektiv sind.
Risikogruppen
Die Hauptrisikogruppe für Blasenkrebs sind einmal mehr starke Raucher. So haben Zigarettenraucher im Vergleich mit Nichtrauchern ein bis zu siebenfach erhöhtes Risiko, im Lauf ihres Lebens an Blasenkrebs zu erkranken. Zusätzlich steigt das Risiko mit der Anzahl der gerauchten Zigaretten pro Tag und der Anzahl der Jahre als Raucher. Im Vergleich zu Rauchern haben ehemalige Raucher zwar ein niedrigeres Erkrankungsrisiko, jedoch immer noch ein deutlich erhöhtes Risiko im Vergleich mit Personen, die niemals geraucht haben. Sogar nach zehn Jahren Nikotinabstinenz besteht im Vergleich zu Nichtrauchern immer noch ein dop- pelt so hohes Risiko, an einem Blasentumor zu erkranken. Über welche verschiedenen molekularen Mechanismen der Blasenkrebs durch Rauchen induziert wird, ist noch nicht eindeutig geklärt. Im Jahr 2001 waren zirka 30 Prozent der österreichischen Bevölkerung chronische Raucher: 39 Prozent der Männer und 28 Prozent der Frauen. Zehn Prozent der Raucher rauchen 40 Zigaretten oder mehr am Tag. Genau an diese Zielgruppe der starken Raucher richtet sich nun das Früherkennungsprojekt der Innsbrucker Universitätsklinik für Urologie (in Zusammenarbeit mit dem Pathologischen Institut). Über Medien und Briefe an die niedergelassenen Urologen wurde ausschließlich die Zielgruppe der Raucher mit einer „Raucherkarriere“ von ≥40 pack/years (Einschlusskriterium) zur Teilnahme aufgerufen: Das sind jene Raucher, die über 40 Jahre täglich eine Packung Zigaretten oder über 20 Jahre je zwei Packungen am Tag rauchen (oder über dreizehn Jahre drei Packungen am Tag etc). Legt man die österreichische Raucherstatistik auf Tirol um, so dürften in Tirol zirka 20.000 Personen in diese Zielgruppe fallen. Ein bereits bekanntes Urothelkarzinom in der Anamnese stellt offensichtlicherweise ein Ausschlusskriterium dar.
Vorgehensweise
Personen mit dem entsprechenden Risikoprofil wurden aufgefordert, nach telefonischer Terminvereinbarung direkt vor Ort an der Ambulanz der Urologischen Universitätsklinik (nach Ausfüllen eines Fragebogens zur Risikoprofilbeurteilung) die zweite Urinportion des Tages, also die erste Urinprobe nach dem Morgenurin, zu miktionieren. Anhand dieser Mittelstrahlprobe wurden die weiteren Untersuchungen (NMP22-BladderChek®, FISH Test Uro Vysion®, Zytologie, Harnteststreifen auf Mikrohämaturie) durchgeführt. War zumindest ein Test pathologisch, so wurden dem Patienten zur genauen Abklärung weitere Untersuchungen (Cystoskopie, CT-Urographie, eventuell photodynamische Diagnostik, eventuell Histologiegewinnung) empfohlen. Im Falle durchwegs unauffälliger Befunde sollte die Urinuntersuchung im Jahresabstand wiederholt werden.
Ergebnisse
Bis Juli 2007 wurden Urinproben von 183 Patienten untersucht; Rauchgewohnheiten und andere Risikofaktoren der Teilnehmer, Testresultate und Ergebnisse des Screening bzw. Follow-up wurden in einer Datenbank gesammelt und nun in einer ersten Analyse ausgewertet. Die durchschnittliche Anzahl an pack/years betrug 58 (range 40–152,5). 108 (59,0 Prozent) der untersuchten Personen zeigten keinen auffälligen Urinbefund und wurden zum erneuten Screening im Jahresabstand eingeladen. Von den übrigen 75 Patienten hatten 18 (24 Prozent der 75 zystoskopierten, 9,8 Prozent der ursprünglichen 183 Patienten) histologisch auffällige Befunde, davon 15 in der Harnblase: pTaG1 (n=1), CIS (n=2), Dysplasien (n=11) und invertiertes Papillom (n=1). Im oberen Harntrakt wurden zwei Urothelkarzinome (pTaG1 und pTxG3N2) und ein Nierenzellkarzinom (pT1G2) entdeckt. Insgesamt konnten bei sechs von 183 Patienten (3,3 Prozent) maligne Läsionen histologisch bestätigt werden, bei zwölf weiteren Patienten (6,6 Prozent) wurde eine mögliche Präkanzerose des Harntrakts diagnostiziert. Bezüglich eventueller zusätzlicher Risikofaktoren konnte aufgrund der geringen Probandenzahl noch keine sinnvolle Aussage getätigt werden. Interessanterweise zeigte sich kein statistisch relevanter Unterschied in pack/years zwischen Patienten mit histologischer Auffälligkeit (durchschnittlich 55,6 pack/ years) und Patienten ohne Tumorverdacht (durchschnittlich 56,5 pack/years). Ein Gescreenter ohne auffälliges Testergebnis (negativer Harnstreifentest, negativer NMP22®-Bladder- Chek™, ungültige Zytologie und UroVysion™ aufgrund ungenügender Zellen im Urin-Zentrifugat) wurde sieben Wochen später aufgrund von schmerzloser Makrohämaturie evaluiert und ein oberflächliches, niedrig malignes, papilläres Urothelkarzinom wurde im Rahmen der transurethralen Resektion diagnostiziert. Die vier Methoden Harnstreifentest, NMP22, Zytologie und UroVysion™ erkannten (d.h. waren richtig positiv in) neun (50 Prozent), einer (5,6 Prozent), sieben (38,9 Prozent) und elf (61,1 Prozent) von 18 zytologisch bestätigten Läsionen, während sie bei neun (50 Prozent), 17 (94,4 Prozent), elf (61,1 Prozent) und sieben (38,9 Prozent) jeweils falsch negativ waren. Richtig negative Ergebnisse konnten bei neun (15,8 Prozent), 47 (82,5 Prozent), 54 (94,7 Prozent) und 54 (94,7 Prozent) von den 57 Personen mit unauffälliger Abklärung erzielt werden, falsch positive Befunde bei 48 (84,2 Prozent), zehn (17,5 Prozent), drei (5,3 Prozent) und drei (5,3 Prozent) von diesen 57 Personen mit unauffälliger Abklärung. Wäre die Screeninguntersuchung ohne Harnstreifentest, NMP22®BladderChek™, Zytologie oder UroVysion™ durchgeführt worden, so hätte in 40, fünf, zwei bzw. einem Teilnehmer eine unnötige weitere Abklärung vermieden werden können; andererseits wären drei, null, zwei bzw. sechs Läsionen übersehen worden. Dies bedeutet insbesondere, dass in dieser Testanordnung der NMP22®BladderChek™ keine zusätzliche Information geliefert hat. Die Anzahl der positiven einzelnen Testergebnisse pro Person korrelierte positiv mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für eine (prä-)maligne Läsion.
Schlussfolgerungen
Im Zuge des Screenings der Risikogruppe mit einer Raucheranamnese von mindestens 40 pack/years wurde bei einer signifikanten Patientenzahl eine maligne Erkrankung entdeckt. Diese ersten Ergebnisse sind vielversprechend und rechtfertigen somit die Fortsetzung des Screeningprogramms. In der vorliegenden Serie war die Kombination aus FISH, Zytologie und Harnstreifentests die effizienteste Methode, der NMP22-Test trug keine zusätzliche Information bei. Zwischen der steigenden Anzahl an positiven Screeningtests pro Person und der Wahrscheinlichkeit für Malignität wurde ein direkter Zusammenhang beobachtet. Von speziellem wissenschaftlichem Interesse wird die weitere Beobachtung jener Patienten sein, bei denen man eine mögliche Präkanzerose gefunden hat.
 
Priv.-Doz. Dr. Hannes Steiner
Abteilung für Urologie,
Medizinische Universität Innsbruck


© MMA, CliniCum urologie 1/2008

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Vortrag über
Harnblasenkarzinom
– Neue Aspekte in Diagnostik und Therapie (Oberarzt Dr.med.
Machtens)
- Neue molekularpathologische Untersuchungen zur Früherkennung
und Verlaufskontrolle des Harnblasenkarzinom – UroVysion
(Prof.Dr.med.Richter und Dr.med.vet. Katrin Henneicke)
am 19.02.2003 im Großen Vortragssaal des Ärztehauses der Ärztekammer
Niedersachsen, Hamburger Allee 20, 30175 Hannover
Sehr geehrte Damen und Herren,
von Herrn OA Machtens haben wir eine sehr gute Präsentation über die Klinik des
Harnblasenkarzinoms, über Nachweismethoden, Therapie und klinische Diagnostik
gehört.
Vor die Therapie aber haben die Götter bekanntlicherweise die Diagnose gestellt.
Wo stehen wir heute in der morphologischen Diagnostik der
Harnblasenkarzinome einschließlich der Früherkennung von Harnblasenkarzinomen
und deren Verlaufskontrolle?
Historisch (siehe Folie 2) gesehen umfaßt die morphologische Diagnostik
verschiedene Methoden, die einmal gegeben sind durch die:
1. Makroskopie
2. Histologie
3. Zytologie
konventionell
sog. Dünnschichtzytologie bzw. flüssigkeitsgestütze Zytologie
4. Immunhistologie/Immunzytologie
5. DNA-Zytometrie
6. Molekulare Nachweismethoden (FISH/Urovysion).
Bzgl. der molekularen Diagnostik hat Herr Oberarzt Dr. Machtens bereits auf
einige klinisch relevante Onkoproteine hingewiesen, die uns in der Diagnostik
hilfreich sein können.
Die gebräuchlichste morphologische Methode ist der zytologische Nachweis von
suspekten Urothelien im Urin - und damit beginnt bereits ein diagnostisches
Dilemma; denn die zytologischen Malignitätskriterien der unterschiedlich
differenzierten Urotheltumoren - also G1 bis G3 - sind nicht immer so deutlich
ausgeprägt, als dass in jedem Falle zweifelsfrei eine entsprechende Typisierung
vorgenommen werden könnte oder sie für eine valide zytologische Interpretation

Fortsetzung ......