Autor Thema: Multi-Detektor-CT (MDCT) bei Blasenkrebs  (Gelesen 1198 mal)

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Edi

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Multi-Detektor-CT (MDCT) bei Blasenkrebs
« am: 20. Januar 2008, 15:55 »
Multi-Detektor-CT (MDCT)

Park SB, et al. Hematuria: portal venous phase multi detector row CT of the bladder - a prospective study. Radiology 2007;245:798-805.

In der koreanischen Studie an 118 Patienten mit Makro- oder Mikrohämaturie (sichtbares oder unsichtbares Blut im Urin) zwischen 15 und 87 Jahren (91 Männer, 27 Frauen, Durchschnittsalter 62 Jahre +/-14 Standardabweichung) wurde konventionelle Zystoskopie mit der Aufnahme von Mehrschicht-Multidetektor-Computertomogammen verglichen.
Die MDCTs stimmten hervorragend mit den zystoskopischen Tumorbefunden überein.
Sensitivität und Spezifität betrugen
89-92% bzw. 88-97% in der "pro-Läsion*-Analyse" und
95% bzw. 91-93% in der "pro-Patient-Analyse".
*mit "Läsion" (auch: Verletzung, Schädigung) ist hier STÖRUNG gemeint: gestörte Zellen = Tumorzellen.

Aus dieser hohen Genauigkeit der MDCT-Methode bei der Entdeckung von Blasentumoren schlußfolgern die Autoren, daß sich MDCT als Erstuntersuchung bei Patienten mit schmerzloser Makro- und Mikrohämaturie eignet.


Schon etwas früher erschien folgender Artikel in der Ärztewoche:


Niere und Harntrakt im Multidetektor-CT
Exakte Darstellung von vaskulären und parenchymalen Läsionen der Niere und der ableitenden Harnwege

Die Multidetektor-CT (MDCT) erweitert durch Verbesserung der longitudinalen Auflösung und der Akquisitionsgeschwindigkeit die Anwendungsmöglichkeiten der Computertomographie. Unter Berücksichtigung spezieller Akquisitionstechniken und Zirkulationscharakteristika kann die Aufdeckung und Zuordnung von Läsionen im Bereich der Niere und im Harntrakt wesentlich genauer erfolgen als mit älteren „single slice“-Techniken.

„Mit Hilfe der MDCT ist es möglich, die Zeitintervalle der Enhancement-Phasen so günstig einzustellen, dass vaskuläre und parenchymale Läsionen dargestellt werden können“, berichtete Prof. Dr. Gertraud Heinz-Peer, Abt. für Radiologie, Medizinuniversität Wien, beim Satelliten-Symposium „Two Decades of Partnership in CT“ der Fa. Schering im Rahmen des ECR 2005. Dabei können mit der MDCT-Technologie von ein und demselben Akquisitions-Datenset Schichtbilder unterschiedlicher Dicke erzeugt werden. Dünnschichtaufnahmen in Kombination mit multiplanaren Bildern und virtueller Endoskopietechnik werden für die Darstellung kleiner fokaler Läsionen durch Tumore im Harntrakt und in der Harnblase benützt. Die MDCT erlaubt im Vergleich zu früheren Methoden eine signifikant schnellere Datenerfassung, wesentlich dünnere Schichtdicken, ein geringeres Partialvolumen, 2D- und 3D-Rekonstruktionen sowie eine hohe MPR-Qualität. Der gesamte Harntrakt kann in dünnen axialen Schichten aufgenommen werden, während der Patient einmal den Atem anhält. Die einzelnen Perfusionsphasen der Nieren können zeitlich präzise dargestellt werden. Die MDCT-Aufnahmen während der urographischen Phase erlauben die Auswertung als MDCT-Urographie. 3D-Rekonstruktionen ermöglichen eine virtuelle Zystoskopie. Das Protokoll bezüglich Kontrastmittelgabe, Schichtdicke, Kontrastmittelmenge und Flussrate sowie zeitliche Abfolge der Scans hängen von der zugrunde liegenden Erkrankung ab. Das renale Enhancement kann in vier Phasen unterteilt werden. Die vaskuläre Phase wird nach 20 bis 40 Sekunden erreicht, die kortikomedulläre Phase (CMP) nach 25 bis 80 Sekunden, die nephrographische Phase (NP) nach 85 bis 120 Sekunden und die exkretorische Phase (EP) nach 3 bis 5 Minuten. Die nicht durch Kontrastmittel verstärkte Phase der MDCT der Nieren wird für die Diagnostik von Stein-Erkrankungen und für die Gewinnung von Basisinformationen zur Charakterisierung von renalen Läsionen benutzt. In der MDCT sind alle Steine sichtbar. Die Untersuchungszeit ist sehr kurz. Die exakte Bestimmung der Größe und Lokalisation der Steine und die Möglichkeit der 3D-Rekonstruktion hat großen Einfluss auf die Auswahl der Behandlungsmethode und auf die präoperative Planung.

Phasen-spezifische Ergebnisse

Für die vaskuläre Phase, entsprechend einer CT-Angiographie, injiziert man in der Regel 120 ml Kontrastmittel intravenös mit einer Flussrate von 4 ml pro Sekunde. Die vaskuläre Phase zeigt renale Arterienstenosen, Embolie und Trauma. Zusätzlich dient diese Methode der Evaluation von potentiellen Nierenspendern und der präoperativen Planung für eine Nephron-sparende Operation. In der nephrographischen Phase der MDCT können renale Tumore charakterisiert, zystische und solide Läsionen der Nieren differenziert und entzündliche Nierenerkrankungen, z.B. akute Pyelonephritis und Abszess, diagnostiziert werden. Die MDCT gestattet eine signifikante Verbesserung der Darstellung der Tumorkapsel, des Tumorparenchyms und der Nekroseareale von Tumoren der Nieren. Nierenzellkarzinome weisen im Vergleich zu urothelialen Neoplasien eine signifikant unterschiedliche Kontrastmitteldynamik auf, wodurch eine sichere Differenzierung mit entsprechender operativer Planung ermöglicht wird. Die MDCT der Harnblase und die virtuelle Zystographie ermöglichen ein exaktes Staging von Karzinomen und anderen Läsionen der Harnblase. Die technischen Aspekte, die bei dieser speziellen Untersuchung zu berücksichtigen sind, umfassen bei unterschiedlichen Protokollen die Möglichkeiten einer Kompression, Hydration, der niedrig dosierten Furosemid-Gabe, die Verabreichung von 100 bis 120 ml intravenösen Kontrastmittels (300 bis 400 mg/dl Jod) und mehrzeitige Bolus-Gaben. Im Vergleich zur Single-slice-CT liegen die Vorteile der Multidetektor Row-CT in der schnelleren Datenakquisition mit deutlicher Reduktion von respiratorischen Artefakten und in der Akquisition von dünneren Schichten mit einer deutlichen Verbesserung der räumlichen Auflösung. Alles zusammen ergibt eine entscheidende Steigerung der diagnostischen Performance.

MDCT-Urographie

Die MDCT-Urographie ist eine Ausscheidungsurographie, wobei die Kombination mit niedrig dosiertem Furosemid eine verbesserte Kontrastmittelverteilung ohne Notwendigkeit einer abdominellen Kompression gewährleistet. Scan 1 und 2 werden für das lokale Staging und das Lymphknoten-Staging an einer mit Flüssigkeit gefüllten Blase durchgeführt, Scan 3 und 4 im Rahmen der virtuellen Zystoskopie an einer mit Luft gefüllten Blase. Durch die Verfügbarkeit von Befundungsstationen mit 3D-Rekonstruktion und durch die rasche Entwicklung von unterstützender Software konnte die Bearbeitungszeit der virtuellen MDCT-Zystographie von sechs bis acht Stunden auf wenige Minuten verkürzt werden. Die hohe Sensitivität ermöglicht die Darstellung von Harnblasen-Läsionen mit einem Durchmesser von weniger als 5 mm. All diese Fortschritte ermöglichen die Anwendung der virtuellen MDCT-Zystographie in der täglichen Routine.





 

« Letzte Änderung: 20. Januar 2008, 17:09 von Edi »

Josef

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Aussagekraft der Computertomographie im präoperativen
Staging vor Zystektomie

S. Tritschler, C. Mosler, J. Straub, A. Karl, D. Tilki, A. Graser, P. Bastian, C. Stief
Ludwig-Maximilians-Universität, Klinikum Grosshadern, München, Deutschland

http://www.kup.at/kup/pdf/7974.pdf    S.50

Grundlagen
Die Standard-Staginguntersuchung vor der radikalen
Zystektomie ist die Computertomographie (CT). Durch sie soll die
lokale Tumorausbreitung und der lokoregionäre Lymphknotenstatus
präoperativ bestimmt werden. Über die tatsächliche Genauigkeit
dieser Untersuchung in einem Kollektiv der klinischen Routine gibt
es jedoch nur wenig Daten. Wir haben retrospektiv die präoperativ
erhobenen CT-Befunde mit dem tatsächlichen histologischen Ergebnis
korreliert.

Methode
Retrospektive Analyse der präoperativen CT-Befunde
von Patienten, die zwischen 2004 und 2008 zystektomiert worden
sind und Korrelation mit Histologie am pathologischen Präparat.

Ergebnisse
n = 150 Patienten gingen in die Untersuchung ein. Die
endgültige Histologie bei diesen Patienen war pT0 (n = 4; 2,4 %),
pTis (n = 13; 7,8 %), pT1 (n = 13; 7,8 %), pT2 (n = 38; 22,9 %), pT3
(n = 60; 36,2 %), pT4 (n = 34; 20,5 %) und pTx (n = 3; 1,8 %).
Lymphknotenmetastasen wurden bei n = 17 (10,2 %; pN1), n = 29
(17,5 %; pN2) bzw. n = 1 (0,6 %; pN3) gefunden. Bei der Vorhersage
eines extravesikalen Tumorwachstums hatte die CT bei den n =
85 Patienten mit T3/4-Tumor eine Sensitivität von 50,6 %, aber bei
36,2 % der n = 58 Patienten mit organbegrenztem Wachstum (≤ pT2)
wurde eine Organüberschreitung prognostiziert. n = 24 hatten keine
Muskelinfiltration (≤ pT1), doch auch bei diesen Patienten wurde
bei 29,2 % ein wandüberschreitendes Wachstum vorhergesagt. Nur
bei 16,3 % der Patienten mit Lymphknotenmetastasenwurden die
Lymphknoten in der CT als suspekt gewertet.

Schlussfolgerung
Der Vorhersagewert derzeitiger CT-Untersuchungen
in Bezug auf die lokale Tumorausbreitung ist in der klinischen
Routine bei Patienten vor Zystektomie sehr eingeschränkt.

Alles, was wir uns in der Vergangenheit schwer erkämpfen mussten,
hinterlässt gewisse Spuren auf unserer „zerbrechlichen“ Seele,
doch sollten wir deshalb die Hoffnung auf eine bessere Zukunft nicht verlieren.
Carola-Elke