Krebs bei Kindern und Jugendlichen
Was ist Krebs?
Krebs ist die allgemeine Bezeichnung für alle bösartigen Erkrankungen, die durch eine unkontrollierte
Vermehrung von veränderten Zellen gekennzeichnet sind. Diese Zellen nennt
man auch Geschwulst oder Tumor. Sie sind deswegen gefährlich, da sie das umliegende
Gewebe zerstören und Tochtergeschwülste ausbilden. Diese Tochtergeschwülste nennt man
Metastasen. In den meisten Fällen stammt der Krebs von einer einzigen entarteten Zelle mit
bösartigen Eigenschaften ab. Die Ursachen der Krebserkrankung sind vielfältig und noch
nicht vollkommen geklärt. Häufig begünstigen jedoch eine erbliche Disposition sowie Ernährungs-
und Umweltfaktoren die Entstehung von Krebs.
Krebs bei Kindern und Jugendlichen
Es gibt seltene vererbte Gendefekte sowie vererbte und angeborene Mutationen, die mit einem
erhöhten Risiko, bereits im frühen Kindesalter an einem Tumor bzw. an Krebs zu erkranken,
einhergehen (vererbbare Krebssyndrome). Aber der Krebs selbst ist keine Erbkrankheit.
Äußere Einflüsse wie UV- oder Röntgenstrahlen, bestimmte chemische Substanzen,
Gifte oder Infektionen können die spontane Entstehung von Mutationen begünstigen.
Sie spielen allerdings für die Krebsentstehung bei Kindern und Jugendlichen eine untergeordnete,
möglicherweise jedoch in der Schwangerschaft eine maßgeblichere Rolle.
Allgemein muss zwischen Krebs bei Kindern und Krebs bei Erwachsenen unterschieden
werden. Im Kindes- und Jugendalter kommt Krebs sehr selten vor. Von etwa 1.000.000 Neugeborenen
erkranken etwa 1.500 später an Krebs. Die Heilungschancen bei Kindern sind
sehr hoch, denn inzwischen können 75% aller Kinder-Patienten mit bösartigen Tumoren oder
Leukämien geheilt werden. Die Krebsarten, an denen Kinder und Jugendliche vor allem leiden
sind mit 33,2 % verschiedene Formen der Leukämie. Zu weiteren häufigen Diagnosegruppen
zählen Hirntumoren (21,1 %) und Lymphome (12,4 %). Im Film leiden die Jungen
an Osteosarkum, das überwiegend von den langen Röhrenknochen des Oberarms oder des
Beines ausgeht. Es tritt vor allem im Teenageralter auf. Männliche Jugendliche erkranken
häufiger an dieser Form des Knochenkrebses als weibliche.
In den ersten fünf Lebensjahren ist das Risiko, an Krebs zu erkranken, etwa doppelt so groß
wie im späteren Kindesalter. Dies weist unter anderem darauf hin, dass ein großer Teil von
Tumoren im Kindesalter vorgeburtlich angelegt wird. Diese Tumore bezeichnet man als
embryonaleTumoren (zum Beispiel Neuroblastom, Nephroblastom, Medulloblastom, Retinoblastom,
Rhabdomyosarkom, Keimzelltumoren, Hepatoblastom). Bei Jugendlichen treten
dagegen eher Knochentumoren und Hodgkin-Lymphome auf.
Die Tschernobyl-Kinder
Als in der Folge des katastrophalen Atomreaktorunfalls in Tschernobyl am 26. April 1986
Radioaktivität entwich, wurde das umliegende Territorium verseucht. Dieser Unfall hat unauslöschliche
Spuren hinterlassen: Die Bewohner Weißrusslands und der Ukraine leben
heute auf verseuchtem Boden, essen Fleisch von Vieh, das radioaktives Gras gefressen hat,
ernten Obst und Gemüse, das in kontaminierter Erde gewachsen ist. Eine der Folgen ist eine
hohe Krebserkrankung, vor allem auch bei Kinder und Jugendlichen. Durch die chronische
Strahlenbelastung sollen die bösartigen Tumorerkrankungen um 56 Prozent zugenommen
haben. Hunderttausende von Kindern leiden an einem schwachen Immunsystem, an Hirntumoren,
Schilddrüsen-, Blut- und Knochenkrebs.
Wie kann Krebs erkannt und behandelt werden?
Dadurch, dass das medizinische Wissen über Krebs immer höher wird, kann man auch im
Erwachsenenalter viele Krebsarten heilen. Wichtig ist hier die Früherkennung durch Vorsorgeuntersuchungen
wie auch durch wirksame Behandlungsmöglichkeiten (z.B. beim Darmkrebs,
bei Lymphomen oder Leukämien auch im Erwachsenenalter). Diese Zahlen verweisen
auch darauf, dass man eigentlich in jeder Familie Menschen mit Krebserkrankungen vorfinden
müsste. Rein statistisch gesehen müsste jeder fünfte in einer Familie von Krebs betroffen
sein. Es gibt auch einzelne Familien, in denen bestimmte Krebsarten immer wieder vorkommen,
z.B. bestimmte Darmkrebsarten. Nur in solchen Fällen muss man davon ausgehen,
dass es auch für andere Familienmitglieder ein wirklich erhöhtes Risiko gibt.
Die Behandlung erfolgt je nach Stadium und Indikation meist durch Chemotherapie, Strahlentherapie,
durch die operative Entfernung der eigentlichen Geschwulst oder Immuntherapie.
Durch die Kombination von zwei oder mehreren Therapieformen kann die Wirkung verbessert
und das Nebenwirkungspotential verringert werden. Unbehandelt führt Krebs zum
Tode.
Was ist das Ziel der Behandlung für den Patienten?
Die Ziele einer Krebsbehandlung sind jeweils abhängig von der aktuellen Gesamtsituation,
also von der Art der Erkrankung, ihrer Ausdehnung, dem Ausmaß an Metastasen, in manchen
Fällen auch vom Alter des Patienten und davon, ob der Betroffene zum ersten oder
zum wiederholten Mal erkrankt ist.
Das erste Behandlungsziel ist die Heilung, das heißt die vollständige und dauerhafte Vernichtung
aller Krebszellen. Trotz sehr wirksamer Behandlungsmöglichkeiten ist eine Heilung
leider nicht immer möglich. Bei den meisten Patienten gelingt es zwar, die Leukämie- oder
Tumorzellen so weit zurückzudrängen, dass sie mit dem Mikroskop oder mit bildgebenden
Untersuchungsverfahren nicht mehr nachweisbar sind. Bei einem Teil von ihnen kommt es
jedoch zum Wiederauftreten der Krebserkrankung. Es kann ein weiterer Behandlungsversuch
unternommen werden. Möglich ist aber auch, dass sich die Therapie dann auf eine
Wachstumsverzögerung und die Linderung der tumorbedingten Beschwerden beschränken
muss. Im Prinzip kann jede Krebserkrankung trotz einmal erreichter erfolgreicher Behandlung
nach der Erstbehandlung jederzeit wieder auftreten, da möglicherweise vereinzelte
Krebszellen die Behandlung überlebt haben und plötzlich wieder angefangen haben sich zu
teilen.
Wie können Familie, Freunde und Bekannte helfen?
Es gibt heutzutage fast niemanden mehr, der nicht mindestens einmal im Leben im Familienoder
Bekanntenkreis mit dem Thema Krebs konfrontiert wird. Doch die wenigsten sind darauf
vorbereitet. Angst und Ablehnung sind die natürlichen Reaktionen von Kindern. Hier sollten
Eltern, Lehrer oder der Bekanntenkreis helfen.
Die Hauptlast der psychischen und sozialen Betreuung krebskranker Kinder und Jugendlicher
tragen die Familienangehörigen. Gleichzeitig sind Familien sowohl in der Pflege als
auch in der Betreuung bis an ihre Grenzen belastet. Diese Einsatzbereitschaft betroffener
Familien führt jedoch vielfach zu Überforderungen und Erschöpfung. Veränderte Familienstrukturen-
und Rollenerwartungen einer modernen Kleinfamilie, die Zunahme allein erziehender
Eltern, Berufstätigkeit der Frau, hohe Scheidungsraten, Arbeitslosigkeit usw. stellen
Familien oft vor unlösbare Situationen und bringen neue schwerwiegende Probleme mit sich.
So hängt die Art der Krankheitsbewältigung wesentlich von der Familiengröße und dem familiären
Zusammenhalt ab; insbesondere unvollständige Familien haben die größten Schwierigkeiten,
sich auf die Bedürfnisse kranker Familienmitglieder einzustellen.
Wichtig ist, dass die Betroffenen nicht allein gelassen werden. Auch wenn Freunde und Bekannte
anfangs unsicher sind und Angst haben etwas falsch zu machen, ist es wichtig, immer
wieder den Kontakt zu suchen und Unterstützung anzubieten. Befreundete Kinder und
Jugendliche sollten von ihren Eltern über die Krankheit aufgeklärt werden. Beratungsstellen,
Informationen im Internet oder örtliche Veranstaltungen bieten ein wichtiges Forum für
grundlegende Informationen und Tipps, wie man sich hilfreich verhalten kann.
Die Möglichkeiten für Lehrer/innen sind vielfältig: Gespräche und Aufklärung im Unterricht,
die Organisation von Solidaritätsaktionen zu Gunsten krebskranker Kinder oder ein
Brieffreundschafts-Projekt mit krebskranken Kindern.
Quellen:
http://www.kinderkrebsinfo.de/e1664/e1812/e1816/e1826/index_ger.html ( Dr. med. Gesche Tallen,
Redakteur: Prof. Dr. med. Dr. h.c. G. Henze, Stand 26.04.06)
http://www.onkokids.de/infos/arzt_neu.htm (Stand 26.04.06)
------------------------------------------------------------------------------------------
Krebs bei Kindern
Beitrag von Univ.-Doz. Dr. Andreas Zoubek und Univ.-Prof. Dr. Helmut Gadner,
St. Anna Kinderspital
Die Ursachen der Krebsentstehung im
Kindesalter sind noch weitgehend
unbekannt. Die Häufigkeit von
Krebserkrankungen im Kindes- und
Jugendalter blieb in den letzten
Jahrzehnten relativ konstant. Allerdings
konnten die Behandlungsmethoden
während der vergangenen 20 Jahre
laufend verbessert sowie eine Zunahme
der Heilungsraten beobachtet werden.
Insgesamt nehmen unter den bereits bei
Kindern und Jugendlichen auftretenden
Krebserkrankungen Leukämien den
ersten Rang ein, gefolgt von bösartigen
Gehirntumoren, Hodgkin-Lymphomen
und Hodenkrebs.
Zu den Krebsarten, welche bereits in sehr
frühem Alter auftreten, zählen vor allem
Leukämien, Erkrankungen der Niere und
der sonstigen Harnorgane sowie bösartige
Neubildungen im Gehirn. Letztere werden
insbesondere bei Kleinkindern unter 5
Jahren gehäuft diagnostiziert.
Bei den Jugendlichen und jungen
Erwachsenen treten hingegen
Erkrankungen der Hoden, das Hodgkin-
Lymphom sowie bösartige Neubildungen
des Darms, der Knochen und Gelenke
gehäuft auf.
Ursachen der Krebsentstehung
Die Ursachen der Krebsentstehung im Kindesalter sind noch weitgehend unbekannt, wenngleich
große Fortschritte im Verständnis von Vorgängen auf zellulärem Niveau erarbeitet worden sind,
die die Entstehung einer krebsartigen Entartung plausibel machen. Auf Grund der besonderen
Krebserkrankungen und der Tatsache, daß etwa die Hälfte aller Krebserkrankungen im Kindesalter
in den ersten 5 Lebensjahren manifest werden, kann davon ausgegangen werden, daß die Ursache
dieser Erkrankungen wohl eher auf eine konstitutionelle, genetische Prädisposition zurückzuführen
ist, als auf den Einfluß von Umweltnoxen. Eine Ausnahme stellt allerdings die Einwirkung von
Strahlen dar, von denen durch Untersuchungen in Gegenden verstärkter radioaktiver Belastung
nachgewiesen ist, daß sie für den Menschen (und damit auch für Kinder) ein höheres Risiko
darstellen, an Blutkrebs oder an einem Schilddrüsenkrebs zu erkranken.
Inzidenz und Spektrum bösartiger Erkrankungen
Die Häufigkeit von Krebserkrankungen im Kindes- und Jugendalter hat in Mitteleuropa in den
vergangenen Jahrzehnten nicht zugenommen. Allerdings ist zehn Jahre nach dem
Atomreaktorunfall von Tschernobyl in den angrenzenden Regionen ein signifikanter Zuwachs von
Schilddrüsenkarzinomen bei Kindern zu beobachten. Die allgegenwärtige Sorge, daß es nach
dieser Katastrophe zu einer Erhöhung der Inzidenz von bösartigen Erkrankungen (insbesondere
Leukämie) in Österreich und in Wien kommen könnte, war sicherlich berechtigt, bisher konnte
jedoch keine Zunahme der Erkrankungen bei Kindern beobachtet werden. Auch von seiten der
Belastung des kindlichen Organismus durch andere Arten der Umweltbelastung ist wegen der
frühzeitigen Inzidenz kindlicher bösartiger Erkrankungen eine Zunahme von Krebs vorerst nicht
abzuleiten.
In Westeuropa und in den USA wird die Inzidenz von Malignomen während der ersten 14
Lebensjahre mit 12 bis 14 Erkrankungen pro 100 000 Kinder und Jahr angegeben. Berücksichtigt
man auch die Jugendlichen bis zum vollendeten 18. Lebensjahr, ergibt das z.B. für Österreich eine
errechnete Größe von 180 bis 220 Neuerkrankungen pro Jahr. Die höchste Erkrankungsrate
findet sich im Säuglingsalter mit 24 Erkrankungen pro 100.000 und Jahr. Die Häufigkeit
nimmt - besonders bis zum 5. Lebensjahr, aber auch in den folgenden Jahren - kontinuierlich ab
und erreicht bei 10- bis 14jährigen ca. 10 Erkrankungen pro Jahr. In allen Altersgruppen erkranken
Knaben häufiger als Mädchen.
Auch das Spektrum der malignen Erkrankungen hat sich in den vergangenen Jahrzehnten nicht
verändert. Im Jahresbericht 1994 des Deutschen Kinderkrebsregisters in Mainz werden für die
Altersgruppe von 0 bis 15 Jahren 34,3 Prozent Leukämien angegeben, gefolgt von ZNS-Tumoren
(16,5 Prozent), Lymphomen (11,4 Prozent), Tumoren des sympathischen Nervensystems (7,6
Prozent), Weichteiltumoren (insbesondere Rhabdomyosarkome, 6,6 Prozent), Nephroblastomen
(6,4 Prozent), Knochentumoren (5,1 Prozent), Keimzelltumoren (3,9 Prozent),
retikuloendothelialen Neubildungen (3,4 Prozent) und sonstigen Diagnosen (4,8 Prozent).
Krebs: Häufigste Diagnosegruppen1)
Diagnosegruppen Häufigkeit
Leukämien 34,9 %
ZNS-Tumoren 16,0 %
Lymphome 10,9 %
Tumoren d. sympath. Nervensystems 7,7 %
Weichteiltumoren 6,9 %
Nierentumoren 6,4 %
Knochentumoren 5,2 %
Keimzelltumoren 3,6 %
Retikuloendotheliale 3,5 %
Sonstige Diagnosengruppen 4,9 %
Total 100,0 %
1) Relative Häufigkeit der 1980-1990 gemeldeten PatientInnen nach den häufigsten
Diagnosegruppen (nur PatientInnen unter 15 Jahre).
Jenseits des 10. Lebensjahres sind die relativen Häufigkeiten der Diagnosegruppen gegenüber dem
Kleinkindesalter deutlich verändert. Die in den ersten 5 Lebensjahren am häufigsten
diagnostizierten akuten lymphoblastischen Leukämien nehmen ab. Das Neuroblastom und die
Nephroblastome, die nächsthäufigsten Erkrankungen und somit häufigsten soliden Tumoren im
Kindesalter, stellen nur mehr eine Rarität dar. Dafür präsentieren sich stärker die Tumoren des
Skelett- und Muskelsystems, die malignen Lymphome und Keimzelltumoren.
Im Alter von 15 bis 19 Jahren wird dieser Trend fortgesetzt. In einer vom National Cancer Institut
in Bethesda veröffentlichten Statistik werden maligne Lymphome am häufigsten diagnostiziert,
gefolgt von akuten Leukämien, Keimdrüsentumoren und ZNS-Tumoren. Schilddrüsentumoren und
Melanome erreichen in dieser Altersgruppe bereits Inzidenzen von 8 bzw. 6 Prozent. Während in
der Altersgruppe unter 15 Jahren die nicht-epithelialen Krebsformen 92 Prozent aller
Krebserkrankungen einnehmen, kommt es in den folgenden 5 Jahren zu einer deutlichen Zunahme
der epithelialen Karzinome, mit Überschneidung der Inzidenzlinien bei ca. 15 Jahren.
Bedingt durch die Fortschritte in der Therapie ist es zu einer stetigen
Verbesserung der Behandlungserfolge für die meisten Diagnosen gekommen.