Autor Thema: Muskelinvasiver Blasenkrebs, Allg.  (Gelesen 1352 mal)

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admin

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Muskelinvasiver Blasenkrebs, Allg.
« am: 17. März 2007, 00:04 »

Vom muskelinvasiven Blasenkrebs spricht man dann,
wenn der Harnblasentumor bereits bis in die Muskelschicht - nach außen hin - vorgedrungen ist.

In diesem Stadium kommt es meist zur Entfernung der Blase und - wenn möglich - zu einer Ersatzblase (Neoblase),
ansonsten zu einem seitlichen Ausgang der Harnableitung.
« Letzte Änderung: 19. Februar 2008, 11:35 von admin »

Dietmar E.

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Blasenkrebs, Blasenentfernung
« Antwort #1 am: 23. Juli 2007, 23:05 »

Bei Blasenkrebs kommt es öfters zu einer Operation mit einer Ersatzblase, Neoblase.

Manchmal ist es aber auch notwendig, den Krebs durch eine Totaloperation (Entfernung der Blase) auszuräumen.

Gute Informationen zur dann notwendigen Harnableitung findet man unter:

http://www.klinik.uni-mainz.de/Urologie/hrnabl.htm


Weiters:

Wenn die Blase entfernt werden muss
Künstliche Harnableitungen und Ersatzblasen
Neoblase, Pouch und Co.

Wenn der Krebs schon tief in das Blasengewebe eingedrungen ist, man nennt das muskelinvasiv, muss nahezu immer die Harnblase entfernt werden. Dabei werden beim Mann üblicherweise auch die Prostata und die Samenbläschen mit entfernt, bei der Frau auch die Gebärmutter sowie die Eierstöcke und Eileiter. Diese Zystektomie, also Entfernung der Harnblase erfordert die Konstruktion einer neuen Harnableitung.
Im Folgenden werden hier die geläufigsten Harnableitungen vorgestellt:

Ersatzblasen
Eigentlich sind alle Ersatzblasen ein Pouch: Pouch ist englisch und heißt Beutel. Die Ersatzblasen sind also alle Beutel aus eigenem Darm, entweder Dick- und Dünndarm oder nur Dünndarm, die die Funktion der Zwischenlagerung von Urin wahrnehmen. Der Unterschied zwischen Pouch und Neoblase ist der Anschluss und die Lage.

Neoblase
Eine Neoblase wird an der Stelle eingebaut, wo die ursprüngliche Blase war, mit den Harnleitern antirefluxiv vernäht und an die Harnröhre angeschlossen. Somit ist eine Entleerung auf dem von Mutter Natur vorgesehenen Weg möglich. Voraussetzung ist, dass sowohl die Harnröhre als auch das sie umgebende Gewebe nicht vom Krebs befallen sind. Der Unterschied zwischen Männlein und Weiblein liegt in der Natur: es wird fast immer die Prostata mitentfernt; da diese aber Schließmuskelfunktion hat, sind fast alle Männer mit Neoblase zunächst inkontinent und müssen durch Beckenbodengymnastik ihre Beckenmuskulatur so trainieren, dass sie Urin halten können. Das ist willkürlich, sodass nachts bei Erschlaffung der Beckenbodenmuskulatur wieder die Inkontinenz da ist. Da Frauen keine Prostata haben, sind sie mit Neoblase fast immer sofort kontinent.
Bei Befall der Harnröhre mit Krebs ist der Anschluss einer Neoblase nicht möglich. Dann bieten sich drei Alternativen an :
Pouch, Urostoma und Sigma-Pouch.

Pouch
Ein Pouch ist eine Neoblase mit Bauchdeckenanschluss. Er besteht zumeist aus 2/3 Dünn- und 1/3 Dickdarm. Man schneidet diese Darmteile längs auf und näht sie beutelförmig wieder zusammen (wegen der Darmperistaltik, um diese möglichst auszuschalten). An einer Stelle dieses Beutels werden die Harnleiter so angeschlossen, dass kein Rückstau des Urins in die Niere möglich ist. Unten am Beutel näht man ein "Röhrchen" aus Darm an, das aufwärts zum Bauchnabel und durch diesen nach draußen führt. Füllt sich nun der Pouch mit Urin, wird das Röhrchen zugequetscht - der Urin kann nicht raus. Der Pouch wird entleert, indem man von oben durch den Nabel einen Einmalkatheter bis in den Beutel einschiebt und der Urin abfließen kann. Dieses Röhrchen aus Darm wirkt also quasi wie ein Ventil.

Urostoma
Hierbei werden die Harnleiter in ein Stückchen Darm genäht und dieses Stückchen Darm durch die Bauchdecke nach außen geführt. Diese Öffnung nennt man Stoma; weil es sich hier um eine Öffnung für Urin handelt "Urostoma". Der Patient ist ständig inkontinent, d.h. bei ihm läuft ständig Urin aus der Öffnung im Bauch. Den Urin sammelt er in einem Plastikbeutel außerhalb seines Körpers, welcher auf die Bauchdecke aufgeklebt wird. Ein Urostoma ist auch die einzige mögliche Harnableitung, wenn noch Bestrahlungen erforderlich sind, da diese eine Neoblase zerstören.

Sigma-Pouch
Ein Sigma-Pouch sitzt im Dickdarm. Dabei werden die Harnleiter in ein Stück Dickdarm
eingenäht und mit jedem Stuhlgang geht der Urin weg. Ein Sigma-Pouch erfordert
einen absolut gut funktionierenden Schließmuskel; zudem muss immer mit dünnem Stuhl
gerechnet werden. Auch ist nicht auszuschließen, dass bei Abgang von Winden auch Urin
entweicht.

Nebenwirkungen bei Pouch und Neoblase
Da alle Ersatzblasen aus Darmschleimhaut bestehen und diese ihre physiologischen Eigenschaften behält, ergeben sich auch bei allen die selben Komplikationen. Es besteht die Gefahr einer metabolischen Azidose, d.h. die Blase resorbiert aus dem Urin Stoffe, die von der Niere zur Ausscheidung vorgesehen sind. Ein weiteres Problem ist die Schleimbildung, denn wie der Name schon sagt, ist die Blase aus Schleimhaut. Den Schleim muss man dünn halten, damit er mit herausgespült werden kann und nicht den Ausgang verstopft. Zudem besteht durch mögliche Restharnbildung die Gefahr, dass in der Neoblase/Pouch schneller Harnsteine entstehen.
Diese diversen Nebenwirkungen lassen sich durch regelmäßige Kontrollen, wie Blutuntersuchungen, Blutgasanalyse, Sonographie und Blasenspiegelung erkennen. Azidose und Schleimbildung lassen sich mit einfachen Mitteln behandeln, Harnsteine sind bei frühzeitiger Erkennung entsprechend klein und daher leicht zu entfernen.
Ein Stoma, d.h. ein Urostoma, bzw. der Nabelanschluss des Pouch verändern sich mit der Zeit. Das bedeutet für Patienten mit Urostoma, dass die Öffnungen der Urinauffang-beutel bzw. Basisplatten entsprechend neu angepasst werden müssen. Beim Nabelstoma des Pouch kann es zu Verengungen kommen, sodass Katheter mit kleinerem Durchmesser gewählt werden müssen. Ist diese Stenose zu stark, kann mittels Schlitzung das Nabelstoma erweitert werden.
Beim Sigma-Pouch sind regelmäßige Kontrollen der entsprechenden Darmabschnitte erforderlich, um bösartige Veränderungen, die sich durch den permanenten Kontakt des Darmes mit dem Urin ergeben können, rechtzeitig zu erkennen.
In sehr seltenen Fällen wurden auch an den Anschlussstellen der Harnleiter an die Darmschleimhaut bösartige Neubildungen beobachtet.
"Zu meiner Zeit gab es Dinge, die tat man, und Dinge, die man nicht tat, ja, es gab sogar eine korrekte Art, Dinge zu tun, die man nicht tat." (Sir Peter Ustinov)

Jutta

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Kombinationstherapie Bestrahlung und Hyperthermie

Eine kombinierte Behandlung bestehend aus Strahlentherapie und Hyperthermie kann besonders Patientinnen mit Blasenkrebs Nutzen bringen. Dies ist das Ergebnis einer prospektiven, randomisierten, multizentrischen Studie, bei der die Standardstrahlentherapie und die Kombinationsbehandlung miteinander verglichen wurden. In die Untersuchung einbezogen wurden insgesamt 358 Patienten aus niederländischen Krebszentren, bei denen zuvor entweder ein ausgedehnter Blasenkrebs, ein Zervixkarzinom (Becken) oder ein fortgeschrittenes Rektumkarzinom diagnostiziert worden war.

Die Teilnehmer der Kontrollgruppe erhielten eine Strahlentherapie mit einer mittleren Gesamtdosis von 65 Gray (relativ hohe Dosis); die anderen Patienten wurden zusätzlich zu den Bestrahlungen noch einmal pro Woche mit lokaler Hyperthermie (42 Grad Celsius in der Tumorregion über mindestens 60 Minuten) behandelt.

Bei der Kombinationsbehandlung aus Strahlentherapie und Hyperthermie waren sowohl die Raten der Vollremission (55 Prozent gegenüber 39 Prozent) signifikant höher als auch die Raten der Remissionsdauer (nach drei Jahren 38 Prozent gegenüber 26 Prozent). Signifikant höher waren zudem die Überlebensraten zu diesem Zeitpunkt (51 Prozent gegenüber 27 Prozent). Die Vorteile der Kombinationsbehandlung zeigten sich am deutlichsten für Patienten mit Blasenkrebs.

Kombinationsmethoden mit Einschluss von Hyperthermie scheinen äusserst erfolgsversprechend zu sein. Man sollte nicht warten, bis ein solches Therapieschema in irgenwelchen Leitlinien veröffentlicht wird.