TOPISCHE CHEMOTHERAPIE BEIM
OBERFLÄCHLICHEN HARNBLASENKARZINOMBeim oberflächlichen Harnblasenkarzinom
handelt es sich um ein Urothelkarzinom
vom Stadium Ta bis T1, Malignitätsgrad
I–III sowie um ein Carcinoma in
situ, d.i. ein sich in der Blasenschleimhaut
ausbreitendes Grad III-Karzinom.
Weitere wichtige Kriterien in der Tumoreinschätzung
– hinsichtlich Morbidität,
Nachsorge, Behandlungsregime – sind
Tumorgröße, single-Tumor und Multifokalität,
Ersttumor oder Rezidivgeschehen
und soziale Faktoren wie Karnofsky-
Index, soziales Umfeld, Compliance,
Lebensalter und psychische Situation.
Allein von den sog. harten Tumorkriterien
erfordern fast alle oberflächlichen
Harnblasentumoren eine topische Therapie;
lediglich der l
ow risk-Tumor ist trotz
neuerer Literatur noch diskutabel. Nach
den Richtlinien der ÖGU und den EAUGuidelines
richten sich Prophylaxe und
Therapie dieses Tumors nach der histologischen
Einteilung „low risk, intermediate
risk und high risk“. Es muß hier angemerkt
werden, daß der Erfolg der topischen
Therapie wesentlich von der Qualität
der transurethralen Resektion abhängt.
Vor Beginn der Therapie müssen Zystoskopie
und Harnzytologie einen negativen
Befund ergeben! Die Frage der begleitenden
Biopsien zum Ausschluß
eines Carcinoma in situ – primär, sekundär
oder begleitend – wird nach wie vor
kontroversiell diskutiert, hat aber Einfluß
auf das notwendige Procedere.
Die Frage, ob eine topische Therapie
heute eine Immuntherapie oder eine
Chemotherapie sein sollte, wird insofern
beantwortet, als beim Carcinoma in situ
die Immuntherapie mit BCG der Chemotherapie
deutlich überlegen ist. Beim
intermediate risk-Tumor wird neben der
BCG-Therapie die topische Chemotherapie
mit Mitomycin oder Epirubicin verwendet,
ähnlich ist es bei der sog. „Single
shot-Therapie“ beim low risk-Tumor.
Weiters gibt es wissenschaftliche Stellungnahmen
zur sequentiellen Chemo-
Immunprophylaxe.
Beim T1 Grad III Tumor ± Carcinoma in
situ scheiden sich die Geister überhaupt
zwischen topischer Therapie und primärer
Zystektomie. Nach den EAU-Guidelines
und den Richtlinien der ÖGU jedoch ist
auch hier die primäre topische Therapie
angezeigt, empfohlen wird hier eindeutig
die Immuntherapie mit BCG.
Insgesamt handelt es sich nach dem aktuellen
Wissensstand bei der topischen
Chemotherapie-Indikation immer um ein
prophylaktisches Vorgehen, wiewohl
auch der abrasive Effekt eines topisch
verwendeten Zytostatikums (marker
lesion) bekannt ist.
Literatur: bei der Verfasserin.
Korrespondenzadresse:
Univ.- Doz. Dr. Doris Mack
Landesklinik für Urologie und
Andrologie
Private Medizinische Universität Salzburg
A-5020 Salzburg, Müllner Hauptstraße 48
E-mail:
d.mack@lks.at