http://www.br-online.de/bayerisches-fernsehen/gesundheit/gesundheit-medizin-schilddruese-hormone-ID12124125537.xmlSchilddrüse Ein kleines, aber wichtiges Organ Die Schilddrüse steuert viele Funktionen in unserem Körper,
zum Beispiel den Energiehaushalt und den Knochenbau. Nach strengen und ausgeklügelten Regeln produziert sie Hormone,
doch bei vielen Menschen gerät das System irgendwann aus dem Takt.
Die Schilddrüse ist ein kleines, zehn bis zwanzig Gramm schweres, hormonproduzierendes Organ. Neben Allgemeinmedizinern und Internisten bemühen sich vor allem Nuklearmediziner und Endokrinologen um die Diagnostik und Therapie der verschiedenen Schilddrüsenkrankheiten. Die Schilddrüse liegt unterhalb des Schildknorpels vor der Luftröhre. Neben den beiden Schilddrüsenlappen gibt es noch einen Ausläufer nach oben, den Schilddrüsenisthmus. Hinter der Schilddrüse verlaufen die beiden Stimmbandnerven, die im Falle einer Operation gefährdet sind und bei Verletzung oder Zerrung in ihrer Funktion soweit gestört werden können, dass Heiserkeit auftritt. In den Händen geübter Chirurgen kommt dies glücklicherweise jedoch nur in circa einem Prozent der Fälle vor. Im Ultraschallbild kann man die Größe und Struktur sehr genau abbilden und die Beziehung zu den Halsgefäßen darstellen.
Jod für die Schilddrüsenhormone
Ein wichtiger Baustein für die Bildung von Schilddrüsenhormonen ist Jod, das aus der Nahrung aufgenommen wird und über die Blutbahn zur Schilddrüse gelangt. Entsprechend dem Hormonbedarf werden dann die Schilddrüsenhormone aus dem zentralen Speicher herausgelöst. In der Blutbahn wird dann durch spezielle Enzyme aus dem Vorhormon T 4 das aktive Hormon T 3. Die Hormonbildung unterliegt einem sehr feinen physiologischen Regelkreis und zwar über die Hirnanhangdrüse. Das dort gebildete Steuerhormon TSH sorgt in einem fein abgestimmten Regelkreis dafür, dass immer ausreichend Schilddrüsenhormon vorliegt. Bei zu niedrigen T 3-/T 4-Spiegeln steigt der TSH-Spiegel an, und es kommt dann zu einer vermehrten Aufnahme von Jod in die Schilddrüse und zu einer vermehrten T 3- und T 4-Bildung in der Schilddrüse. Bei zu hoher T 3- und T 4-Ausschüttung wird TSH heruntergeregelt, und es wird so die Hormonbildung unterdrückt.
Warum wächst die Schilddrüse?
Auch das Wachstum der Schilddrüse steht unter der Kontrolle von TSH. Wichtig sind jedoch auch bestimmte Wachstumsfaktoren in der Schilddrüse. Sie werden in Abhängigkeit von der Jodkonzentration in der Schilddrüse in ihrer Aktivität angeregt oder unterdrückt.
In den letzten Jahren hat sich die Jodversorgung in der Bevölkerung erfreulicherweise wesentlich verbessert, so dass jetzt kaum noch Jodmangel besteht, und hierdurch ist auch die Häufigkeit des Kropfes (das sogenannte diffuse Struma), insbesondere bei Jugendlichen, stark zurückgegangen. Es finden sich heute bei den Jugendlichen nur noch circa fünf Prozent Kröpfe, vor 20 Jahren waren es noch circa 20 Prozent. Der Jodmangelkropf wandelt sich über viele Jahre häufig zu einer Knotenstruma, die dann besondere diagnostische und therapeutische Anforderungen stellt.
Struma nodosa - Schilddrüsenknoten
Mit Struma bezeichnet man die vergrößerte Schilddrüse. Nodus ist lateinisch und heißt Knoten. Hinter der Diagnose Struma nodosa verbirgt sich daher eine knotige Schilddrüsenveränderung. Schilddrüsenknoten sind in Deutschland sehr häufig, wobei Frauen etwas häufiger als Männer betroffen sind. Man unterscheidet die Schilddrüsenknoten in Abhängigkeit von ihrer Fähigkeit, Schilddrüsenhormon zu bilden, in heiße und kalte Knoten. Die schilddrüsenhormonbildenden heißen Knoten werden auch autonome Adenome genannt. Auch Schilddrüsenkarzinome stellen sich als Schilddrüsenknoten dar, wobei jedoch die Mehrzahl der Schilddrüsenknoten gutartig ist.
Schilddrüsenknoten können durch Beschwerden im Halsbereich auffallen. Oft werden sie auch als Zufallsbefund bei einer Schilddrüsen-Ultraschalluntersuchung entdeckt.
Jodmangel erhöht Risiko
Schilddrüsenknoten entstehen in der Regel durch ein überschießendes Wachstum einiger Schilddrüsenzellen, wobei die Ursache für das vermehrte Wachstum nicht im Einzelfall festzustellen ist. Grundsätzlich ist bei Jodmangel die Wahrscheinlichkeit, dass eine knotige Veränderung im Bereich der Schilddrüse entsteht, deutlich höher als bei ausreichender Jodversorgung. Mit Sicherheit ist jedoch auch von einer erblichen Veranlagung zur Bildung von Schilddrüsenknoten auszugehen, da sich Schilddrüsenknoten oft familiär gehäuft zeigen. Es sind jedoch bisher nur wenige Gene bekannt, die zu einer Schilddrüsenvergrößerung führen und eine genetische Untersuchung ist deshalb heutzutage nicht sinnvoll. Als Sonderform der Schilddrüsenknoten können die Schilddrüsenzysten aufgefasst werden. Hierbei handelt es sich um eine Ansammlung von Flüssigkeit in der Schilddrüse, die sich auch oft als Knoten tasten lässt.
Autoimmunthyreoiditis
Die Autoimmunthyreoiditis ist eine Schilddrüsenerkrankung, die durch eine Vermehrung von Entzündungszellen in der Schilddrüse charakterisiert ist. Dabei kann die Schilddrüse durch die Ansammlung von Entzündungszellen wachsen, dann spricht man von der sogenannten Hashimoto-Thyreoiditis, auch hypertrophe Autoimmunthyreoiditis genannt. In Deutschland ist die atrophe Autoimmunthyreoiditis wesentlich häufiger. Hierbei führt die Entzündung zu einem Untergang von Schilddrüsenzellen, so dass die Schilddrüse immer kleiner wird und gelegentlich nach längerem Verlauf vollständig verschwindet.
Zu Beginn der Erkrankung kann in einigen Fällen eine milde Schilddrüsenüberfunktion vorliegen, diese ist durch die Freisetzung von Schilddrüsenhormon aus untergehendem Schilddrüsengewebe erklärt. Im weiteren Verlauf kommt es typischerweise zu einer Unterfunktion der Schilddrüse, wenn nicht mehr genügend schilddrüsenhormonbildende Zellen erhalten sind. Oft verläuft die Erkrankung unbemerkt über Jahre, insbesondere wenn noch keine oder nur eine milde Schilddrüsenunterfunktion besteht.
Der Autoimmunthyreoiditis liegt eine Fehlreaktion des Immunsystems zugrunde, welches sich gegen die Schilddrüse richtet und diese im Verlauf zerstören kann. Die Ursache für diese Fehlfunktion des Immunsystems ist trotz intensiver Forschung noch nicht in allen Einzelheiten verstanden. Auf Grund der familiären Häufung ist von einer gewissen erblichen Veranlagung auszugehen.
Weitere Faktoren, die als mögliche Ursache einer Autoimmunthyreoiditis diskutiert werden, sind Virusinfekte, Stress und Störungen im weiblichen Sexualhormon-Stoffwechsel.
Schilddrüsenkrebs
Knotige Schilddrüsenveränderungen sind in Deutschland sehr häufig, nur in wenigen Fällen verbirgt sich dahinter eine bösartige Erkrankung. Für den betroffenen Patienten ist die Diagnose Schilddrüsenkrebs jedoch immer ein Schicksalsschlag. Ohne die Erkrankung verharmlosen zu wollen, ist jedoch festzustellen, dass es sich bei der Mehrzahl der Patienten, die an Schilddrüsenkrebs leiden, heutzutage um eine heilbare Erkrankung handelt. Zur Einschätzung ist jedoch die genaue Diagnose-Stellung unerlässlich, da es verschiedene Formen von Schilddrüsenkrebs gibt, die auch unterschiedlicher Behandlung bedürfen.
Quelle: Nach einem Manuskript von Barbara Schulte, Vorsitzende der Schilddrüsen-Liga
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