Beim oberflächlichen Blasenkrebs wird öfters die Therapie mit BCG-Instillationen durchgeführt.
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ImmuCyst® wird für die Behandlung des oberflächlichen Harnblasenkarzinoms eingesetzt.
ImmuCyst®, BCG-Stamm Connaught wird in Kultur hergestellt aus einem Stamm des abgeschwächten, lebenden bovinen Tuberkulosebacillus Mykobakterium bovis. Das Mykobakterium wird gefriergetrocknet und ist aktiv bis zum Ende der 2 jährigen Laufzeit. Nach Aufbringung auf ein Kulturmedium, wird der Vorläufer jeder Kolonie als colony-forming-unit (CFU) bezeichnet. Jede colony forming unit enthält zumindest ein lebendes Bacillus und kann mehrere Bacilli umfassen, von denen einige aktiv und einige inaktiv sind. Jede Ampulle enthält 81 mg (Trockengewicht) BCG und 5% Gewicht/Volumen Monosodium Glutamat. ImmuCyst® enthält kein Konservierungsmittel. Eine Instillationsdosis enthält 81 mg BCG, welches dann in 50 ml steriler Kochsalzlösung (ebenfalls frei von Konservierungsmitteln) rekonstituiert wird. Diese Dosis enthält 10.5+8.7 x 108 colony-forming-units (CFU) über den gesamten Zeitraum der Haltbarkeitsdauer von 2 Jahren.
Die Patienten
Tumorprogression (>T2) in den Risikogruppen 1-3
Gruppe Patientenzahl Progression %
1 218 20 7,1
2 218 38 17,4
3 36 15 41,6
Gesamt 535 73 13,6
Die Indikation für eine intravesikale Rezidivprophylaxe oberflächlicher Harnblasentumoren kann nach den aufgeführten Prognosedaten nach transurethraler Resektion festgelegt werden.
Indikationen für eine intravesikale Rezidivprophylaxe/Patientenprofil
Stadium Differenzierungsgrad Primär-/Rezidivtumor Therapieempfehlung
pTa G1 Primär keine Prophylaxe, evtl. einmalig postop.
G1 Rezidiv intravesikale Prophylaxe
G2 Primär/Rezidiv intravesikale Prophylaxe
G3 Primär/Rezidiv intravesikale Prophylaxe
CIS G3 Primär intravesikale Prophylaxe
Rezidiv intravesikale Prophylaxe, radikale OP
pT1 G1 Primär/Rezidiv intravesikale Prophylaxe
G2 Primär/Rezidiv intravesikale Prophylaxe
G3 Primär intravesikale Prophylaxe, radikale OP
G3 Rezidiv radikale OP
Bei monofokalen Primärtumoren (Stadium pTaG1) ist aufgrund des niedrigen Rezidiv- und Progressionsrisikos keine Prophylaxe notwendig, allenfalls sinnvoll ist die unmittelbare postoperative Einmalinstillation von Zytostatika zur Verminderung der Adhäsion freigesetzter Tumorzellen (Bouffioux et al. 1995). Patienten mit pT1G3-Tumoren sind wegen der hohen Progressionsneigung und Metastasierungsgefahr als Risikogruppe zu betrachten. Insbesondere beim Primärtumor besteht derzeit kein Konsens (Herr und Jakse, 1991; Stöckle et al. 1986). Für alle anderen zwischen diesen Ausprägungen liegenden Tumorentitäten ist die intravesikale Rezidivprophylaxe sinnvoll, zumindest zur Verlängerung der Zei zum nächsten Rezidiv nach transurethraler Resektion.
Die Therapie
Die intravesikale Tumortherapie mit BCG führt zu einer lokalen akuten inflammatorischen Entzündung und einer subakuten granulomatösen Reaktion mit Infiltration von Histiozyten und Leukozyten in das Urothel und die Lamina propria der Harnblase. Die lokale inflammatorische Entzündung wird von einer Elimination oder Reduktion der oberflächlichen kanzerösen Läsionen der Harnblase begleitet. Der Antitumoreffekt schein T-Lymphozyten abhängig zu sein.1) Der genaue Mechanismus ist nicht vollständig bekannt, man geht jedoch davon aus, daß die Expression von HLA-DR Antigenen auf dem Blasenurothel und die spezifische Zellimmunität mit Expression von HLA-DR und BCG Antigenen auf der Zelloberfläche2) eine Rolle spielen.
Ergebnisse
In einer Vielzahl von Publikationen einschließlich zweier multizentrischer, kontrollierter, randomisierter Studien konnte die Wirksamkeit von ImmuCyst® bei Patienten mit oberflächlichem Harnblasenkarzinom der Stadien CIS, Ta und T1 nachgewiesen werden.
In der ersten Studie wurde ImmuCyst® mit Doxorubicinhydorchlorid (Adriamycin® ), in einer Patientengruppe verglichen, die entweder CIS oder rezidivierende papilläre Tumore oder beides aufwies3). ImmuCyst® wurde intravesikal verabreicht, während eines Basiskurses von 6 Wochen wöchentlich, mit je einer zusätzlichen Instillation nach 3, 6, 12, 18 und 24 Monaten (insgesamt 11 Instillationen).
Doxorubicin wurde über einen Zeitraum von 5 Wochen wöchentlich verabreicht, danach erfolgten 11 monatliche Einzelinstillationen. Bei Patienten mit CIS betrug die complete response Rate (negative Biopsie und Urinzytologie) innerhalb von 6 Monaten nach Beginn der Behandlung bei Therapie mit ImmuCyst® 70%, jedoch bei Therapie mit Doxorubicin nur 34% (p<0.001). Die Wahrscheinlichkeit der Patienten krankheitsfrei zu bleiben (Harnblasenkarzinom ist nicht mehr nachweisbar) über einen Nachbeobachtungszeitraum von 5 Jahren betrug bei Therapie mit ImmuCyst® 45% vs. 18% bei Therapie mit Doxorubicin (p<0.001). Bei den Patienten, die complete response aufwiesen, betrug die mediane Zeit bis zum Auftreten eines Rezidivs nach ImmuCyst® Therapie 39 Monate vs. 5.1 Monate nach Doxorubicin Therapie. Bei Patienten mit papillären Tumoren (Ta oder T1) ohne CIS beträgt die Wahrscheinlichkeit der Patienten krankheitsfrei zu bleiben über einen Nachbeobachtungszeit-raum von 5 Jahren 37% nach ImmuCyst®-Therapie vs. 17% nach Doxorubicin Therapie (p= 0.015).
In einer zweiten multizentrischen kontrollierten Studie, wurden zwei Therapieschemata von ImmuCyst® verglichen, das Patientenkollektiv war identisch mit dem der ersten Studie 4). Es wurde eine sechswöchige Basistherapie mit jeweils einer Instillation im wöchentlichen Abstand durchgeführt, gefolgt von einer Erhaltungstherapie über drei Wochen mit jeweils einer Instillation im wöchentlichen Abstand in den Behandlungsmonaten 4, 7, 13, 19, 25, 31 und 37 (insgesamt 27 Instillationen). In der Gruppe mit dem Erhaltungstherapieregime wurden im Vergleich zu der Gruppe mit dem Basiskurstherapieregime folgende Ergebnisse festgestellt: Bei den CIS Patienten betrug die complete response Rate (definiert als Abwesenheit von Krankheitsanzeichen, erhoben 3 und 6 Monate nach der ersten Instillation) 87% nach Erhaltungstherapie vs. 73% nach alleinigem Basiskurs. (p=0.016). Die rezidivfreie Zeit war bei allen Patienten nach Erhaltungstherapie signifikant erhöht (p<0.0001), sowohl bei den Patienten mit CIS (p=0.04) als auch bei den Patienten mit papillären Tumoren ohne CIS (p<0.0001). Das Überleben war bei den Patienten nach Erhaltungstherapie signifikant erhöht (p=0.04).
Ergänzung:
Die BCG-Therapie ist indiziert bei allen Patienten bei oberflächlichen Blasenkarzinomen mit hohem oder mittlerem Risiko für Rezidive und Progression. Hierzu gehören Cis, alle G3- Tumore, T1G2, sowie alle multifokale, schnell (d.h. 2x-jährlich oder häufiger) rezidivierende Tumore unabhängig vom Stadium und Grad.