http://www.pressetext.at/pte.mc?pte=090309007 Besserer Sex als Nebeneffekt einer Psychotherapie
Großteil von Depressions-Patienten leidet unter sexuellen Dysfunktionen Dresden (pte/09.03.2009/10:05) - Ein Forscherteam der TU Dresden hat
festgestellt, dass eine erfolgreiche Psychotherapie auch zu einer
Verminderung sexueller Störungen führt. Die Wissenschaftler des Instituts
für Klinische, Diagnostische und Differentielle Psychologie um Jürgen
Hoyer
http://tu-dresden.de haben gezeigt, dass sexuelle Dysfunktionen von
angstgestörten und depressiven Patienten zurückgehen, auch wenn sie gar
nicht direkt behandelt wurden. Die Ergebnisse der Untersuchungen wurden
im Fachmagazin "Sexual and Relationship Therapy" veröffentlicht.
"Fast zwei Drittel der knapp 500 Patienten, die sich an der
Institutsambulanz wegen Angststörungen oder Depressionen behandeln
ließen, haben vor Behandlungsbeginn über verschiedene sexuelle Probleme
geklagt", so Hoyer gegenüber pressetext. Wenn die psychologischen
Störungen mit Verhaltenstherapie behandelt wurden, berichtete etwa die
Hälfte der Patienten über eine deutliche Besserung ihrer Probleme", so
der Forscher. Dazu gehörten etwa generelles sexuelles Interesse,
Erektions- und Orgasmusfähigkeit. Das mache deutlich, dass bei einer
Vielzahl von sexuellen Störungen auch psychosomatische Tendenzen eine
wichtige Rolle spielen, meint der Forscher.
Körperliche Ursachen können aber auch nicht ausgeschlossen werden: Rein
wissenschaftlich sei es wichtig anzuerkennen, dass es einige klar
umrissene organische Störungen gibt, die zu sexuellen Problemen führen.
Dazu gehöre etwa Diabetes oder starkes Übergewicht. "Bei solchen
Problemen wird eine Psychotherapie allein ganz sicher nicht den
gewünschten Erfolg bringen." Ein Teil der Patienten berichtete, dass die
sexuellen Probleme weiterhin vorlagen. "Wir schlagen deshalb vor,
sexuellen Dysfunktionen als Begleiterscheinung anderer psychologischer
Krankheiten generell mehr Aufmerksamkeit zu schenken, nicht zuletzt um
besser beurteilen zu können, in welchen Fällen eine zusätzliche
sexualtherapeutische oder medizinische Behandlung notwendig ist", so der
Forscher.
"Daher ist es sehr wichtig eine vernünftige Diagnostik bei sexuellen
Störungen durchzuführen, um sicherzustellen, ob es sich um organische
Störungen oder psychosomatische Erkrankungen handelt, meint Hoyer. "Wir
leben in einer Zeit, in der wir permanent Bombardements sexueller Reize
ausgeliefert sind und in der die Thematik Störungen offen anzusprechen
jedoch vermieden wird." Es sei nicht evident, ob es beispielsweise an der
generell gestiegenen Qualität von Intimbeziehungen erfolgreich
therapierter Patienten liegt, dass es ihnen nun generell leichter fällt,
zum Orgasmus zu gelangen oder eher an der positiveren Lebensanschauung
der ehemaligen Klienten.
"Tatsächlich sprechen wir auch von einer nicht zu vernachlässigenden
Anzahl von Patienten, bei denen diese Symptome nach einer erfolgreichen
Therapie unvermindert vorlagen", betont Hoyer. "Patienten sollten in
Zukunft noch stärker ermutigt werden, auch Probleme mit der Sexualität
offen anzusprechen, denn wo sonst können sie erwarten, dass mit ihren
Problemen vertraulich und professionell umgegangen wird, als beim
Psychotherapeuten", erklärt der Wissenschaftler abschließend im
pressetext-Interview. (Ende)