Fortschritt in der Brustkrebs-Forschung
Eine österreichische Studie über eine neue Therapie mit einem Osteoporose-Mittel sorgt weltweit für Aufsehen.
Frau Das Risiko, neuerlich an Brustkrebs zu erkranken, konnte durch die neue Therapie um mehr als ein Drittel gesenkt werden.
Österreichische Ärzte machen Schlagzeilen: Donnerstag berichteten das New England Journal of Medicine – die angesehenste Medizin-Fachzeitschrift – und die New York Times über die Ergebnisse der "Studie 12" der Österreichischen Studiengruppe für Brust- und Dickdarmkrebs (ABCSG): Ein Osteoporose-Medikament (Zoledronsäure) kann bei jüngeren Frauen mit einem hormonabhängigen Brustkrebs nach der Operation das Risiko eines Wiederauftretens senken – und zwar um 36 Prozent gegenüber der üblichen Standardtherapie. Auch die Sterblichkeit wird gesenkt. An dieser Studie unter der Leitung des Chirurgen Univ.-Prof. Michael Gnant von der MedUni Wien haben 62 heimische Zentren teilgenommen. 1803 Frauen wurden drei Jahre lang behandelt (sie erhielten sieben Infusionen mit dem Medikament) und danach zwei Jahre beobachtet. "Diese Studie ist ein Grund für echten Enthusiasmus", sagt ein Krebs-Spezialist der US-Mayo-Klinik in der New York Times.
600 US-Berichte
Bereits Juni 2008 gab es ein Aufsehen, als die Daten beim weltgrößten Krebskongress in Chicago erstmals präsentiert wurden. "Seither erschienen 600 Berichte nur in US-Medien, etwa ABC Evening News, CNBC, CNN, CBS und USA Today", so Brigitte Grobbauer von der Studiengruppe.
Gnant sieht die "wahre Bedeutung" der Studie darin, dass erstmals gezeigt wurde, dass "schlafende" Tumorzellen erfolgreich attackiert werden können.
"Diese schlafenden Zellen verstecken sich im Knochenmark. Mit der Zoledronsäure scheint es gelungen zu sein, das Kleinklima in diesen Bereichen des Knochenmarks so zu beeinflussen, dass die Tumorausbreitung auf verschiedene Weise – etwa durch die Hemmung des Wachstums von kleinen Blutgefäßen – erschwert wird. Der exakte Wirkmechanismus ist noch nicht geklärt."
Möglicherweise könnte in einigen Jahren dieses Konzept auch gegen andere Krebserkrankungen (z.B. der Prostata) angewandt werden – Studien laufen bereits.
"Wir empfehlen diese neue Therapie derzeit bereits für jüngere Patientinnen mit hormonempfindlichem Brustkrebs, weil es dazu die Daten gibt", sagt Gnant. An vielen Spitälern werde sie teilweise auch schon angewandt. "Über die Wirksamkeit bei älteren Patientinnen gibt es zwar erste gute Hinweise, harte Studiendaten werden aber erst in einem Jahr vorliegen."
Auch zahlreiche Kollegen Gnants äußerten sich Donnerstag gegenüber dem KURIER euphorisch: "Das ist ein ganz wichtiger Schritt vorwärts, auch wenn noch weitere Studien nötig sind", sagt etwa Univ.-Prof. Christoph Zielinski, Onkologe an der Wiener MedUni.
Artikel vom 12.02.2009 18:22 | KURIER | J. Gebhard und E. Mauritz