Stark- die Mistel vom ApfelbaumMisteln sind Schmarotzerpflanzen. Durch ihren Wirtsbaum bekommt sie die typische Prägung, aus der die klinische Anwendung abgeleitet wird. Die schonendste Immunregulation wird der Tannenmistel zugeschrieben. "Sie eignet sich besonders für geschwächte Patienten", erklärt die Misteltherapeutin Jutta Hellan, die an der onkologischen Ambulanz am AKH Wien Krebspatienten über komplementärmedizinische Therapien berät und Kurse für Ärzte abhält. Misteln vom Apfelbaum haben die stärkste Immunstimulation, die Kiefer liegt in der Mitte.
Mistelkuren - wertvolle ErgänzungHellan, die seit den 1970er- Jahren Krebspatienten mit Misteln behandelt, möchte auf dieses Hilfsmittel nicht mehr verzichten. "Mistelkuren sind für die Patienten eine unglaublich wertvolle Ergänzung, sie wirken appetitanregend, schmerzlindernd und antidepressiv." Im Besonderen gelte dies für ausbehandelte Patienten in der Palliativtherapie, denen die Mistelextrakte eine Verbesserung ihrer Lebensqualität ermöglichen, wenn keine anderen Hilfsmittel mehr zur Verfügung stehen.
Keine Wunder erwartenWunder können Misteln jedoch keine vollbringen. "Ich habe noch keine Spontanremission bei fortgeschrittenem Krebs gesehen", erklärt Hellan. "Doch sie können den Krankheitsverlauf stabilisieren."
Kassen und KostenIm Vorjahr haben die österreichischen Krankenkassen für knapp mehr als 20.000 Verschreibungen die Kosten übernommen. Dafür wurden 1,1 Millionen Euro ausgegeben. Nach dem aktuellen Erstattungs-Codex kostet die Einzeltherapie pro Patient und Monat je nach Präparat etwa 80 Euro. "Das ist ein wirklich lächerlicher Preis, wenn Sie das beispielsweise mit einer der modernen Antikörpertherapien vergleichen", sagt Hellan. "Die Brustkrebsmittel Herceptin kostet die Kassen pro Jahr und Patient beispielsweise mehr als 80.000 Euro."
Unklare StudienDennoch ist es für Patienten nicht einfach, die Kosten für die Misteltherapie von den Kassen ersetzt zu bekommen. Während die Wiener oder Oberösterreichische Gebietskrankenkasse Mistel freundlich ist, ist die Haltung speziell in Kärnten, Tirol oder Burgenland eher restriktiv.
Ursache dafür ist die unklare Beweislage für die Nützlichkeit der Misteltherapie. Zwar gibt es eine Reihe von Studien, solche, die die Kriterien der Evidenzbasierten Medizin erfüllen, aber nur ganz wenige.
Studie aus PekingEine der besseren dieser Studien wurde kürzlich an der Guang-An-Men-Klinik in Peking durchgeführt. 224 Patienten mit Brust-, Eierstock- oder Lungenkrebs bekamen entweder ein Misteltherapie-Präparat oder ein in der chinesischen Medizin übliches Stärkungsmittel. Dabei zeigte die Mistelgruppe im Vergleich eine signifikant verbesserte Lebensqualität. Gleichzeitig wurden weniger schwere Nebenwirkungen der Chemotherapie registriert. Die Nebenwirkungen der Misteltherapie selbst - lokale Entzündungsreaktionen und Fieber - waren hingegen gering und gingen rasch vorüber.
Quelle:
http://derstandard.at/?url=/?id=2656427