Österreichischer Bundesverband für Psychotherapie / 24.11.2008
Menschen mit psychischen Problemen brauchen Hilfe durch Psychotherapie - Vage Absichtserklärungen reichen nicht! Anmerkung: Wir Krebspatienten fordern Psychotherapie auf Krankenschen,
aber ohne "wenn und aber"! Wien (OTS) - Große Versprechungen in Wahlkampfzeiten und zwar von
allen politischen Parteien! Und nun ist es um die
Psychotherapie-Finanzierung wieder gespenstisch still. Die
Regierungsverhandlungen schreiten fort, aber von einer
Psychotherapiereform ist nichts zu hören.
Das Parlament beschloss 1992 Psychotherapie auf Krankenschein. Der
Beschluss ist bis heute nicht umgesetzt. Die Kassen sind spätestens
seit 2000 nicht mehr bereit, über einen Gesamtvertrag zu verhandeln.
Nur wenn klare Aufträge aus der Politik erfolgen, wird sich an diesem
Stillstand etwas ändern können.
Rund 50.000 Personen sind derzeit in Psychotherapie. Die Hälfte
dieser Personen zahlt Psychotherapie privat und bekommt dafür den
seit 1992 eingefrorenen Zuschuss von 21,80 Euro. Psychotherapie
kostet aber pro Behandlung etwa 70 Euro
(Anm.: und mehr!).
Die Anzahl der PatientInnen stagniert seit einigen Jahren, weil
viele sich Psychotherapie nicht leisten können. Menschliche Tragödien
und materieller volkswirtschaftlicher Schaden sind die Folge.
Psychische Krankheiten nehmen zu
Die WHO geht davon aus, dass Depressionen bis zum Jahr 2020 zur
Volkskrankheit Nummer eins werden. Psychische Erkrankungen stehen
schon heute als Ursache für Krankenstandstage an erster und bei
Frühpensionierungen an zweiter Stelle. Sie sind ein enormer
volkswirtschaftlicher Kostenfaktor.
Zunehmender psychosozialer Stress am Arbeitsplatz, in den Familien
und in der Gesellschaft führen zu ansteigenden psychischen Störungen,
vor allem Depressionen, Angststörungen, Somatisierungsstörungen,
Suchterkrankungen und Persönlichkeitsstörungen.
Psychotherapie ist wirksam und treffsicher
Psychotherapie ist finanziell besonders treffsicher und kann
kostenintensive Chronifizierungen, Krisen und die Risiken
körperlicher Folgeerkrankungen verhindern oder abschwächen.
Behandlung mit Medikamenten nimmt schon bei ganz jungen Kindern enorm
zu
Der Hauptverband der Sozialversicherungsträger präsentierte
unlängst bei einer Tagung alarmierende Fakten. Der
Psychopharmaka-Konsum steigt enorm an, und das sogar bei Kindern im
Altern zwischen 5 und 8 Jahren. Gerade bei psychischen Problemen von
jungen Kindern könnte stattdessen mit Psychotherapie rasch und sehr
wirkungsvoll geholfen werden!
Psychotherapie auf Kassenkosten muss wieder warten?
Der ÖBVP hat für die Koalitionsverhandlungen ein neues
Gesamtvertragskonzept vorgelegt, das sehr treffsicher und effizient
sein könnte! Das haben sogar KassenvertreterInnen zugestanden.
Unser Konzept für die Psychotherapie-Bedürftigen
- Der Ausbau der psychotherapeutischen Versorgung soll weiteren
30.000 PatientInnen zugute kommen, so dass sofort 82.000
PatientInnen Psychotherapie in Anspruch nehmen können. Das ist
etwa 1 % der Bevölkerung. Der Bedarf liegt mindestens doppelt so
hoch, deshalb ist ein stufenweiser Ausbau geplant.
- Psychotherapie auf Kassenkosten für alle, die unter besonders
starken Beeinträchtigungen leiden (Qualifizierte Diagnostik nach
DSM-IV).
- 80 Prozent Rückerstattung vom Vertragstarif, das sind etwa 45
Euro pro Stunde, für alle, die von WahlpsychotherapeutInnen
behandelt werden.
- 50 Prozent Psychotherapie mit Kostenerstattung und 50 Prozent
vollfinanzierte Psychotherapie erfordern nach diesem Konzept die
Bereitstellung von weiteren 40 Millionen Euro für die
Psychotherapie. Das wären insgesamt Ausgaben für die
Psychotherapie in der Höhe von 85 Mill. Euro. Das sind nur 0,5
Prozent der Gesundheitsausgaben in Österreich. (Vergleichsweise
hat Deutschland 10 Mal so viele Einwohner wie Österreich und
gibt 20 Mal so viel für Psychotherapie aus!)
Psychisch Kranke weiterhin diskriminiert und benachteiligt?
Die Kassen haben neue rechtliche Konstruktionen eingeführt, die
sogenannten Vereinslösungen, die das ASVG umgehen, und damit die
Rechte der psychisch kranken BeitragszahlerInnen auf Psychotherapie
einschränken. Die kontingentierten vollfinanzierten
Psychotherapiestunden sind viel zu wenig und decken nur einen
Bruchteil des tatsächlichen Bedarfs ab.
Die Kassen reden sich aber darauf aus, sie würden die
"Sachleistungsvorsorge" ohnehin ausbauen. Dass noch sehr viel mehr
Menschen Psychotherapie dringend brauchen und die Hälfte der
PatientInnen tief in die eigene Tasche greifen muss, wird dabei
einfach ignoriert.
Das Thema Psychotherapie darf nun nicht mehr länger zwischen den
Krankenkassen und den politischen EntscheidungsträgerInnen auf die
lange Bank geschoben werden! Die Regierungsverhandlungen sind die
große Chance, die Psychotherapie in Österreich zum Wohl der
PatientInnen konkret zu regeln.
Nach 17 Jahren provisorischer Versorgung und Stillstand werden die
PatientInnen nicht länger warten. Der Berufsverband der
PsychotherapeutInnen wird die psychisch Kranken unterstützen, damit
sie zu ihrem Recht auf leistbare psychotherapeutische Behandlung
kommen.
Rückfragehinweis:
Dr. Eva Mückstein
ÖBVP-Präsidentin
0676 6004676
eva.mueckstein@aon.at *** OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER
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