Brennpunkt Bildgebung: Verbesserte Chancen in der Krebsbehandlung durch Hybrid Imaging
Wien (OTS) - 29. Februar 2012.
Unter Hybrid Imaging versteht man die Kombination zweier Methoden,
die Schnittbilder des menschlichen Körpers erzeugen, in einem
einzigen Gerät. In der Regel handelt es sich dabei um eine
radiologische und eine nuklearmedizinische Methode, welche einander
hinsichtlich der Information, die sie über krankhafte Veränderungen
liefern, ergänzen.
Bedeutende technische Entwicklungen in der Bildgebung
Die derzeit am weitesten verbreitete Technik ist die Kombination von
Positronen-Emissionstomographie (PET) und Computertomographie (CT) in
Form eines PET/CT Hybridgerätes. Die PET bietet dabei "funktionelle"
Information, z.B. über den Stoffwechsel eines Tumors, wohingegen die
CT detaillierte anatomische Information liefert. Ein ähnliches, aber
weniger weit verbreitetes Hybridverfahren ist die Kombination der
Einzelphotonen-Emissionstomographie (SPECT) mit der CT in einem
SPECT/CT-Hybridgerät, welche über eine geringere räumliche Auflösung
und über Kameras mit geringerer Sensitivität verfügt.
Ganz neu auf dem Markt ist die PET/MRT, also die Kombination von PET
und Magnetresonanztomographie. Bei dieser Kombination gab es lange
Zeit technische Schwierigkeiten in Hinblick auf die Realisierung
eines Hybridgerätes, da wesentliche Bestandteile des PET-Gerätes (die
sog. Photodetektoren) zu empfindlich gegenüber dem starken Magnetfeld
des MRT-Gerätes waren. Erst vor kurzem gelang ein technischer
Durchbruch, sodass PET/MRT-Geräte nun auf dem Markt erhältlich sind.
Die Anschaffung eines solchen PET/MRT-Gerätes ist auch seitens der
Medizinischen Universität Wien geplant, wodurch Wien zu einem der
ersten Standorte weltweit werden würde.
Onkologie profitiert am meisten
"Hauptanwendungsgebiet ist zweifellos die onkologische Bildgebung,
also die Erkennung bösartiger Tumoren und ihrer Metastasen
(Streuherde). Die Hybridverfahren eignen sich praktisch für das
gesamte Spektrum bösartiger Tumorerkrankungen - darunter Lungenkrebs,
Dickdarmkrebs, Gebärmutterkrebs und Hautkrebs - mit nur sehr wenigen
Ausnahmen.
Abseits der onkologischen Bildgebung gibt es auch neurologische
Anwendungen, etwa bei Alzheimer-Patienten. Auch bei der Beurteilung
der Funktionsfähigkeit des Herzmuskelgewebes, etwa nach einem
Herzinfarkt, erzielen die Hybridmethoden bessere Ergebnisse als die
Einzelmethoden", beschreibt Dozent Marius Mayerhöfer, Facharzt für
Radiologie an der Universitätsklinik für Radiodiagnostik und dem
PET/CT-Zentrum in Wien, die breiten Anwendungsmöglichkeiten des
Hybrid Imagings.
Vor allem Patienten mit bösartigen Tumoren profitieren von der
Fähigkeit der Hybridverfahren, frühzeitig Aussagen über die
Wirksamkeit der Behandlung, z.B. einer Chemotherapie, treffen zu
können. Bleiben beispielsweise Zelldichte (indirekt erfasst über die
Beweglichkeit der Wassermoleküle in der sog. diffusionsgewichteten
MRT) und Stoffwechselaktivität (in der PET) eines Tumors trotz
mehrwöchiger Therapie unverändert hoch, oder nehmen sie sogar zu, so
wird der betreuende Onkologe das Behandlungsschema intensivieren oder
verändern. Nehmen Zelldichte und Stoffwechselaktivität hingegen
deutlich ab, so kann die Dauer der Therapie aufgrund des guten
Ansprechens möglicherweise verkürzt werden.
In Bezug auf die Strahlenbelastung sieht Doz. Mayerhöfer die Hybrid
Methoden ebenfalls im Vorteil: "Eine Ganzkörper-PET/CT führt
gegenüber einer herkömmlichen CT, welche denselben Körperabschnitt
abdeckt, zu einer um ca. 1/3 höheren Strahlenbelastung. Diese
Strahlenbelastung ist jedoch angesichts der großen Vorteile für die
Beurteilung des Krankheitsverlaufes als relativ zu sehen. Die PET/MRT
wird im Vergleich zur PET/CT eine deutlich niedrigere Strahlendosis
mit sich bringen, da der MRT-Teil gänzlich ohne (Röntgen-)Strahlung
auskommt."
Verbesserte Möglichkeiten auch bei Herzerkrankungen
Auch in der Herzbildgebung haben sowohl PET/CT als auch PET/MRT ihre
Anwendungsgebiete. In beiden Fällen kann mittels PET eingeschränkt
funktionsfähiges Herzmuskelgewebe, welches aufgrund von Verengungen
der Herzkranzgefäße unzureichend durchblutet ist, identifiziert und
von nicht mehr funktionsfähigem Infarktgewebe unterschieden werden.
Die MRT erlaubt nach Verabreichung von Kontrastmittel ähnliche
Aussagen - die PET/MRT bietet somit diesbezüglich eine doppelte
Sicherheit. Zusätzlich erlaubt die MRT eine Beurteilung der
Herzklappen, wohingegen die CT vor allem für die Beurteilung der
Herzkranzgefäße geeignet ist.
Kombination PET & MRT mit großem Zukunftspotential
Die PET/MRT-Hybridtechnik ist ohne Zweifel die wichtigste technische
Innovation der letzten Jahre. Die sogenannte diffusionsgewichtete
MR-Technik erlaubt beispielsweise Rückschlüsse auf die Zelldichte des
Tumorgewebes, die sog. MR-Spektroskopie ermöglicht eine biochemische
Analyse des Tumors.
Im PET-Bereich liegt der wissenschaftliche Fokus in erster Linie auf
der Entdeckung und klinischen Anwendung neuer Radiopharmaka. Durch
letztere kann mit der PET nicht nur der Stoffwechsel der Tumore
beurteilt werden, sondern es können z.B. auch spezielle Rezeptoren
auf den Tumorzellen nachgewiesen werden, welche ihr Wachstum
regulieren.
Es ist diese einzigartige Kombination aus neuen PET- und
MRT-Techniken, die es ermöglicht, Tumore nicht nur zu entdecken,
sondern diese auch näher charakterisieren zu können, was wiederum für
die Therapieplanung von großer Bedeutung ist.
Auch Doz. Mayerhöfer sieht auf dem Gebiet des Hybrid Imagings noch
großes Entwicklungspotential: "Einerseits wird die Spezifität der
PET-Radiopharmaka zweifellos weiter ansteigen, d.h. es werden
Radiopharmaka entwickelt, die nur in bestimmten Tumorarten
anreichern. Andererseits werden neue MR-Techniken, die im Gegensatz
zur herkömmlichen MRT nicht auf dem Wasserstoffgehalt von Geweben,
sondern auf anderen Elementen wie Kohlenstoff oder Helium beruhen und
dadurch einen noch höheren Kontrast bieten (z.B. die sog.
"hyperpolarisierte" MR-Bildgebung), das Gebiet weiter
revolutionieren."
Zusammenarbeit der Disziplinen generiert Wissenszuwachs
Die Auswertung der Hybrid-Bilddaten erfolgt idealerweise gemeinsam
durch Radiologen und Nuklearmediziner. Dies ermöglicht eine optimale
Befundqualität und führt bei Experten aus beiden Fächern zu einem
deutlichen Wissenszuwachs, da sie voneinander lernen. Mit zunehmender
Verbreitung der Hybridgeräte werden die beiden Fächer noch enger
zusammenrücken.
Ab 1. März tagen in Wien über 20.000 Radiologen
Beim 24. Europäischen Radiologenkongress (European Congress of
Radiology/ECR) vom 1. bis 5. März 2012 im Austria Center in Wien
werden auch heuer wieder Spezialisten aus dem Bereich der
medizinischen Bildgebung ihr Fachwissen auf den verschiedensten
Gebieten austauschen, und die neuesten Erkenntnisse der Forschung
präsentieren.
Der ECR ist die Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für
Radiologie (European Society of Radiology/ESR), welche weltweit über
56.000 Radiologen vertritt. Mit mehr als 20.000 Teilnehmern aus der
ganzen Welt ist der ECR einer der größten medizinischen Kongresse
weltweit; zusätzlich bietet er die größte Industrieausstellung in
Europa, bei der auf über 26.000 m2 rund 300 internationale Firmen die
neuesten Produkte der Medizintechnik anbieten.
Bildmaterial unter
www.myESR.org/pressRückfragehinweis:
Julia Patuzzi, David Zizka
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