Autor Thema: Neue Therapien bei Blasenkrebs  (Gelesen 3352 mal)

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Dietmar E.

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Neue Therapien bei Blasenkrebs
« am: 12. Januar 2009, 02:11 »
Wurde schon jemand mit Sunitinib bzw. Sorafenib behandelt?


A Phase II Study of Sunitinib in Metastatic Transitional Cell Carcinoma of the Urothelium
[Protocol 06-081]

Full Title :
    PHASE II STUDY OF SUNITINIB IN METASTATIC TRANSITIONAL CELL CARCINOMA OF THE UROTHELIUM

Purpose :

    Transitional cell carcinoma of the bladder is the second most common genitourinary cancer in the United States. While many patients initially respond to chemotherapy, the duration of the response is often short, especially in patients with metastatic cancer. Researchers are therefore seeking more effective treatments for this disease.

    Sunitinib (Sutent®) is a drug ........
http://www.mskcc.org/mskcc/html/2270.cfm?IRBNO=06-081


Eine andere Studie ..............

A Phase II Trial of Gemcitabine and Cisplatin plus Sorafenib in Chemotherapy-naïve Patients with Locally Advanced or Metastatic Urothelial Carcinoma
[Protocol 07-168]

Full Title :
    PHASE II STUDY OF GEMCITABINE AND CISPLATIN (GC) PLUS SORAFENIB IN CHEMOTHERAPY-NAIVE PATIENTS WITH LOCALLY ADVANCED OR METASTATIC UROTHELIAL CARCINOMA

Purpose :

    Urothelial tumors include those arising in the bladder, urethra, ureter, or kidney. Gemcitabine and cisplatin are an effective and standard drug combination used to treat locally advanced and metastatic urothelial cancers. However, these drugs do not shrink tumors in all patients, and when they do, it is generally for a limited amount of time. This has led scientists to look for different ways to treat these cancers.

    New drugs have been developed
« Letzte Änderung: 12. Januar 2009, 02:32 von Dietmar E. »
"Zu meiner Zeit gab es Dinge, die tat man, und Dinge, die man nicht tat, ja, es gab sogar eine korrekte Art, Dinge zu tun, die man nicht tat." (Sir Peter Ustinov)

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Blasenkrebs: Instillationstherapie der Blase
« Antwort #1 am: 17. August 2009, 15:25 »
27.05.2009

Instillationstherapie der Blase: aktuelle Konzepte

Einer der bemerkenswerten Aspekte an der urologischen Arbeit ist die Vielfalt an diagnostischen und therapeutischen Techniken. Während wir uns offen chirurgische, laparoskopische oder endologische Verfahren mit anderen Disziplinen teilen, ist die endovesikale Therapie mit Sicherheit ein urologisches Spezifikum.

Unter den topischen medikamentösen Therapien der Harnblase sind drei Indikationen hervorzuheben, deren therapeutischer Nutzen nachgewiesen ist:

1) Die postoperative Chemoprophylaxe nach transurethraler Resektion (TUR) eines TaT1-Urothel-CAs der Harnblase.
2) Die Bacillus-Calmette-Guérin(BCG)-Therapie beim nicht muskelinvasivem Urothel-CA der Harnblase.
3) Die intravesikale Therapie bei Bladder-Pain-Syndrom/interstitieller Zystitis (BPS/IC).

Ad 1: postoperative Chemoprophylaxe nach TUR

In einer Metaanalyse von 7 randomisierten Studien (n=1.476; medianer Follow-up 3,4 Jahre) wurde klar festgestellt, dass eine postoperative Instillation nach TUR mit Mitomycin C, Epirubicin oder Doxorubicin das Wiederauftreten des Karzinoms in absoluten Zahlen um 12%, im Vergleich der Odds-Ratio (OR) um 39% senkt. Diese Ergebnisse treffen sowohl auf singuläre als auch multiple Tumoren zu (Sylvester et al, J Urol 2004). Die erwähnten Therapeutika gelten als gleich effektiv.

Der Effekt im Sinne einer Senkung der Rezidivrate innerhalb der ersten zwei Jahre, jedoch nicht der Progressionsrate (!) dürfte sowohl in einer Eradikation von frei zirkulierenden Tumorzellen nach TUR als auch in einer ablativen Chemotherapie an der Resektionsstelle zu erklären sein. In allen Studien wurde die Therapie innerhalb von spätestens 24 Stunden verabreicht, empfohlen wird jedoch nach Möglichkeit eine Therapie innerhalb von 6 Stunden nach TUR.

Die Empfehlung gemäß den Guidelines der EAU lautet daher, dass jeder Patient nach TUR eines (gemäß der Einschätzung des Operateurs) nicht muskelinvasiven Blasentumors ohne Verdacht auf intraoperative Blasenperforation eine postoperative Chemotherapie erhalten soll (Babjuk et al, Guidelines EAU 2008). Dies gilt sowohl für Erstbefunde als auch für rezidivierende Tumoren.

Ad 2: BCG-Therapie beim nicht muskelinvasiven Urothel-CA

Grundsätzlich besteht die Indikation zur Bacillus-Calmette-Guérin(BCG)-Therapie beim nicht muskelinvasiven Urothel-CA der Harnblase mit hohem (und eventuell intermediärem) Rezidiv- und Progressionsrisiko. Da BCG den natürlichen Verlauf von niedrigmalignen Tumoren nicht beeinflusst, gilt hier die Therapie, die eine unter Umständen signifikante Toxizität mit sich bringt, als Übertherapie. Die EAU empfiehlt eine Risikostratifikation anhand eines EORTC-Risikokalkulators ( www.eortc.be/tools/bladdercalculator ), welcher folgende Faktoren umfasst: Anzahl der Tumore, Tumorgröße, Rezidiv innerhalb eines Jahres, T-Stadium, Carcinoma in situ (CIS) und Grading (WHO 1973). Als Richtlinie gelten pT1G3-Tumore sowie CIS als unabdingbare Behandlungsindikation. In der Therapie können derzeit alle am Markt befindlichen BCG-Stämme als gleichwertig angesehen werden. Im Unterschied zur postoperativen Chemotherapie wurde bei BCG-Instillation in zwei Metaanalysen gezeigt, dass BCG auch das Progressionsrisiko signifikant reduzieren kann (Sylvester et al, J Urol 2002, Böhle et al, Urology 2004). Die Reduktion von 27%–37% (alle Studien vs. Studien mit Maintenance-Schema) wurde sowohl bei TaT1-Tumoren als auch bei CIS gezeigt, wobei in der überwiegenden Mehrzahl der inkludierten randomisierten Studien (20/24) ein Maintenanceprotokoll verwendet wurde. Daher gilt es heutzutage als unbestrittener Standard, dass eine Erhaltungstherapie nach der Induktion mit BCG-Instillation 6x wöchentlich durchgeführt wird. Ein einheitliches Maintenanceschema existiert derzeit nicht, bereits beschriebene Therapien reichen von 10 Instillationen in 18 Wochen bis zu 30 Instillationen in 36 Monaten. Aufgrund von immunologischen Überlegungen empfiehlt die EAU jedoch ein zumindest 3-malig-wöchentliches Schema in variablen Abständen für 1 Jahr. Jedenfalls ist das Erhaltungsschema auch stark von der Toxizität abhängig, da in den bisher durchgeführten Studien die Drop-out-Rate durchwegs hoch war.

Ein Ansatz zur Reduktion der therapiebezogenen Nebenwirkungen ist die Verringerung der BCG-Dosis. Bei Nicht-Hochrisiko-Patienten erscheint es möglich, die Dosis auf bis zu 1/3 der Standarddosis zu minimieren. Eine Alternative zur BCG-Therapie ist bei Patienten mit BCG-Unverträglichkeit eventuell eine Instillationstherapie mit Keyhole Limpet Hemocyanin (KLH). Es ist jedoch anzumerken, dass aufgrund der geringen Daten diese Therapieform in den internationalen Guidelines nicht indiziert wird. Vielversprechende Daten existieren auch zu Gemcitabine als Alternative zu BCG, eine Anwendung außerhalb von Studienprotokollen ist jedoch derzeit nicht empfohlen. Kontraindikationen einer BCG-Instillation sind TUR innerhalb von 2 Wochen, Hämaturie, Bakteriurie (optionale KI), schwere lokale oder systemische Nebenwirkungen und Verdacht auf Blasen/Harnröhrenverletzungen (z.B. bei traumatischer Katheterisierung). Als Therapieversager gilt jeglicher Befund eines muskelinvasiven Tumors sowie High-Grade-Rezidive innerhalb von 3–6 Monaten oder unter laufender Therapie. Grundsätzlich muss bei jeglicher Form des High-Risk-, nicht muskelinvasiven Urothel-CAs auch individuell die Indikation einer frühen Zystektomie bedacht und mit dem Patienten diskutiert werden. Als Follow-up-Schema wird derzeit ein 3-monatiges Zystoskopieintervall bei Hochrisikopatienten bis zu 2 Jahren, ein 4-monatiges Intervall im dritten Jahr und dann ein halbjährliches Intervall bis zu 5 Jahren empfohlen. Zusätzlich ist eine jährliche Kontrolle des oberen Harntraktes notwendig. Eine Zytologie sollte optional speziell bei CIS-Patienten durchgeführt werden. Andere Blasentumormarker sind derzeit noch nicht im Routinebetrieb eingeführt und können daher die Zystoskopie als Goldstandard weder ergänzen noch ersetzen.

Ad 3: intravesikale Therapie bei BPS/IC

Als weitere Domäne der intravesikalen Therapieformen muss die Behandlung des Bladder-Pain-Syndroms/der interstitiellen Zystitis (BPS/IC) angesehen werden. Hierbei handelt es sich im Unterschied zum Urothel-CA der Harnblase um eine Erkrankung mit nicht einheitlich fassbarer Definition. Im Folgenden wird die Erkrankung mit dem Leitsymp-tom eines chronischen pelvinen/suprasymphysären, blasenbezogenen Schmerzes mit fakultativ verstärktem Harndrang und erhöhter Miktionsfrequenz bei Ausschluss von verwechselbaren Erkrankungen (Tab.) gemäß einem Vorschlag der European Society for the Study of IC/Painful Bladder Syndrome (ESSIC) definiert. Therapeutische Ansätze liegen in verhaltenstherapeutischen Empfehlungen, oraler Medikation, neuromodulatorischen Therapien, intravesikalen medikamentösen Therapien bis hin zu operativen Ansätzen. Im Folgenden wird lediglich auf intravesikale Therapien eingegangen, die in kontrollierten Studien beschrieben wurden (Quellen: EAU-Guidelines on chronic pelvic pain 2008, Cochrane Database 2007, ESSIC-Homepage 2009). Als sporadisch oder methodologisch unzureichend beschriebene Therapieansätze werden gemäß den EAU-Guidelines die Verabreichung von Lokalanästhetika, Heparin, Hyaluronsäure, Chondroitinsulphat sowie die Harn-Alkalisierung genannt.

Pentosanpolysulphat (PPS): ein heparinähnliches, semisynthetisches Glykoprotein zur Wiederherstellung der Glyko-saminoglykan(GAG)-Schicht mit durchblutungsfördernder, antiinflammatorischer, mastzellstabilisierender Wirkung. Wurde aufgrund der geringen oralen Bioverfügbarkeit bei 20 Patienten placebokontrolliert untersucht. Schema: 300mg PPS in 50ml 0,9% NaCl zwei- bis dreimal wöchentlich für 3 Monate.

Dimethylsulphoxid (DMSO): fett- und wasserlösliches Lösungsmittel. Gilt als analgetisch, antiinflammatorisch und muskelrelaxierend wirksam und als Radikalfänger. Wurde klinisch bei 33 Patienten im kontrollierten Crossover-Design untersucht. Schema: 50ml 50%ige DMSO-Lösung 1x wöchentlich (nicht länger als 20 Minuten) über 8 Wochen. Gemäß den EAU-Guidelines derzeit als Standardtherapie anzusehen. Häufigste Behandlungsform in den USA.

BCG: wurde in mehreren kontrollierten Studien untersucht und wird gemäß den EAU-Guidelines nicht als Routinetherapie empfohlen. Gemäß der Cochrane Database „Intravesical treatment of BPS/IC“ jedoch eine von 2 Therapien mit nachgewiesenem Effekt.

Resiniferatoxin: wurde als Therapeutikum in verschiedenen Regimen in kleinen Serien beschrieben. Die größte kontrollierte Untersuchung bei 163 Patienten mit BPS/IC zeigte keine signifikante Wirksamkeit nach Einmalgabe über einen Beobachtungszeitraum von 12 Wochen.

Oxybutinin: wird in den EAU-Guidelines nicht erwähnt, laut der Analyse Cochrane-Untersuchung jedoch eine von 2 Behandlungen mit Wirksamkeit. Untersucht wurde diese Therapieform an 33 Patientinnen, die gleichzeitig ein Blasentraining absolvierten.

Autor:
Priv.-Doz. Dr. Anton Ponholzer, Univ.-Doz. Dr. Stephan Madersbacher, Abt. f. Urologie u. Andrologie, SMZ Ost, Wien

uro090214

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Neue Therapien bei Blasenkrebs: Kurkumin, Kurkuma
« Antwort #2 am: 03. September 2009, 14:25 »

Auch in den USA sucht man nach besseren Mitteln zur Instillationstherapie:

Curcumin potentiates the antitumor effects of gemcitabine in an orthotopic model of human bladder cancer through suppression of proliferative and angiogenic biomarkers - Abstract

http://www.urotoday.com/index.php?option=com_content&task=view_ua&id=2224212

" ...... Kurkumin, ein Bestandteil des Kurkuma longa (auch genannt Gelbwurz), ist ein solches Mittel, das gezeigt worden ist, um die Bahnen zu unterdrücken, die mit Onkogenese, einschließlich Zellenüberleben, starke Verbreitung, Invasion und Angiogenesis verbunden werden. Wir forschten, ob Kurkumin Potenzial hat, die gegenwärtige Therapie für Blasenkrebs, zu verbessern ..."

Dabei geht es um ein Produkt aus Kurkuma, welches erst beim letzten Onkologiekongress in Wien von Prof. Dr. Leo Auerbach als "überhaupt zulunftsweisendes Nahrungsergänzungsmittel gegen Krebs" bezeichnet wurde.
Entsprechende (welche?) Einnahme für Krebspatienten empfehlenswert.


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Zytostatikum Vinflunin (Javlor®) bei fortgeschrittenem oder metastasiertem Harnblasenkrebs, 2009

http://www.medknowledge.de/neu/med/jahr/2009/IV-2009-35-vinflunin.htm

    *

      Neue-Medikamente-Index
    *

      Nachtrag

Vorläufige PZ-Bewertung: Schrittinnovation

"Seit November 2009 ist mit Vinflunin ein weiteres Vinca-Alkaloid auf dem Markt (Javlor® 25 mg/ml Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung, Pierre Fabre Pharma). Es ist zugelassen zur Monotherapie bei Patienten mit fortgeschrittenem oder metastasiertem Übergangszellkarzinom des Urothels. Diese Krebsart befällt die Schleimhaut der Harnblase und des Harntrakts. Vinflunin gilt als Zweitlinientherapie, wenn die Patienten auf eine Platin-haltige Therapie (nicht mehr) ansprechen. Vinflunin ist ein bifluorinierter Mikrotubulin-Inhibitor, der durch chemische Modifikation des Vincagerüsts in superazidem Medium hergestellt wird. Wie andere Vinca-Alkaloide bindet der Arzneistoff an das Zellprotein Tubulin, verhindert damit die Polymerisation zu Mikrotubuli und inhibiert letztlich die Zellteilung. Die Apoptose der Zelle wird eingeleitet..." Mehr bei PZ...
Literatur

    *

      EMEA-Informationen über Vinflunin (Javlor)

Für vollständige Auflistung der Nebenwirkungen, Konraindikationen und Gegenanzeigen siehe Beipackzettel und Fachinformation des Herstellers.

    * Medikamente-Preisvergleich

Datum: 10.12.2009

Nachtrag

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Stillstand bei Therapiemöglichkeiten von Blasenkrebs?
« Antwort #4 am: 28. Februar 2010, 01:56 »
Neue Erkenntnisse beim Harnblasenkrebs

Die maximale Wirksamkeit konventioneller Chemotherapie scheint erreicht, unter den Targeted Therapies hat sich aber noch kein vielversprechender Kandidat gefunden. Dennoch wurden beim ASCO 2009 einige interessante Erkenntnisse zum Harnblasenkarzinom präsentiert.

Die Inzidenz des Urothelkarzinoms (UC) der Harnblase hat sich in den letzten fünf Jahren nicht verändert und wird in Europa auf etwa 10.440 Fälle im Jahr geschätzt. Etwa 30 Prozent der Harnblasenkarzinome sind bereits zum Zeitpunkt der Diagnosestellung muskelinvasiv. Je nach pathologischem Stadium des Primärtumors und des Lymphknotenstatus rezidivieren etwa die Hälfte dieser Tumore nach radikaler Zystektomie. 30 Prozent werden mit einem Lokalrezidiv im kleinen Becken auffällig, meistens werden jedoch Fernmetastasen diagnostiziert. Zehn bis 15 Prozent der Patienten sind bereits zum Zeitpunkt der Diagnosestellung metastasiert.

Standard-Erstlinientherapie für „fitte“ Patienten

Das UC gilt grundsätzlich als Chemotherapie-sensitiver Tumor. Cisplatinhältige Kombinationschemotherapie mit MVAC (Methotrexat, Vinblastin, Adriamycin und Cisplatin), Gemcitabine/Cisplatin (GC) und Hochdosis (HD) MVAC plus GCSF sind der Therapiestandard für Patienten, die „fit“ für Cisplatin sind (EAU Guidelines 2009). Die Standardbehandlung des muskelinvasiven Harnblasenkarzinoms ist die radikale Zystektomie. Damit liegt allerdings das Fünf-Jahres-Überleben, für alle Tumorstadien zusammen, nur bei etwa 50 Prozent. Deshalb bestehen seit den 80er Jahren intensive Bemühungen, dieses unbefriedigende Ergebnis mithilfe perioperativer Chemotherapie zu verbessern. Prognostische und prädiktive Faktoren wurden und werden gesucht und geprüft, um das Ausmaß der Übertherapie im perioperativen Setting zu verringern und jene Patienten zu identifizieren, die von adjuvanter oder neoadjuvanter Chemotherapie wirklich profitieren. Dazu gehören klinische, pathologische, molekularpathologische, zytogenetische Faktoren, Microarrays etc.

Prädiktive Faktoren

Neben gut etablierten klinisch-pathologischen Faktoren wie dem Performance Status (PS) und Vorhandensein viszeraler Metastasen, die den natürlichen Verlauf des Tumors widerspiegeln, gibt es prädiktive Faktoren, die nicht nur die Prognose, sondern auch die Sensitivität des Tumors gegenüber verschiedenen Therapeutika vorhersagen könnten. Dazu gehören unter vielen anderen der p53-Mutationsstatus, die Multidrug-Resistance-Gene-(MDR 1)-Expression und die Excision Repair Cross Complementing 1 (ERCC1) m-RNA-Expression. Letztere spielt eine wichtige Rolle für die Cisplatinresistenz. In einem Abstract der spanischen Gruppe (Abstract 5025) von M. Guix et al. wurden ERCC1-Gen-Expression-Levels mit dem Überleben nach cisplatinhältiger Chemotherapie assoziiert. ERCC 1 war bei 60 Prozent der Patienten komplett negativ. Diese Bestätigungsstudie einer zuvor publizierten Arbeit mit nun für den Alltag einfacherer immunhistochemie ergab, dass das mediane krankheitsspezifische Überleben jener Patienten mit negativer ERCC 1-Färbung signifikant länger war (12,6 vs. 8,6 Monate), als wenn ERCC 1 positiv zeichnete. Somit wurde die immunhistochemische Methode bestätigt. Eine korrelative Studie läuft derzeit an histologischem Material aus einer großen EORTC-Studie, in der GC vs. Paclitaxel/GC verglichen wurde (EORTC-TR 30987). MDR1-mRNA-Levels beeinflusssen den Metabolismus von Zytostatika. In einer Arbeit von A.C. Hoffman et al. (Abstract 5026) wurden 221 histologische Präparate von Patienten, die in der Studie adjuvante Chemotherapie erhalten hatten (Cisplatin/Methotrexat vs. MVEC, Lehmann, JCO 2005), bezüglich der MDR1 und ERCC-1-Expression (RT-PCR) untersucht. Hohe MDR1-Expression korrelierte signifikant mit kürzerem PFS und OS, MDR1 selbst auch signifikant mit der ERCC-1-Expression. Die Hypothese, dass MDR1-Expression zur Selektion von Patienten, die von adjuvanter Chemotherapie profitieren könnten, beiträgt, muss prospektiv untersucht werden. Die lange erwarteten Ergebnisse einer Studie von W. Stadler et al. zur Rolle des p53-Mutationsstatus und adjuvanter Chemotherapie des Harnblasenkarzinoms (MVAC) wurden ebenfalls heuer erstmals präsentiert (Abstract 5017). Präklinische und retrospektive klinische Studien wiesen darauf hin, dass mutiertes p53 mit einer schlechten Prognose assoziiert ist und diese Patienten von adjuvanter cisplatinhältiger Chemotherapie profitieren würden. Eine spanische Metaanalyse hatte keine Klarheit bezüglich der Bedeutung von p53-Mutationen beim UC gebracht. Die logistisch aufwändige Studie von Stadler et al. wurde nach 110 Patienten und einer vorgeplanten Interimsanalyse frühzeitig geschlossen, weil sich der erwartete Vorteil für die p53-mutierten Patienten nicht demonstrieren ließ. Das OS der Patienten war unabhängig von adjuvanter Chemotherapie und p53-Mutationsstatus. Das heißt, dass für mutiertes p53 weder ein prognostischer noch prädiktiver Wert nachgewiesen werden konnte. Zusammenfassung: Retrospektive Biomarkerstudien müssen immer prospektiv überprüft werden.
TABELLE: http://www.uro.at/dynasite.cfm?dsmid=77679&dspaid=827275

Die Grenzen der konventionellen Chemotherapie

Mit cisplatinhältiger Standardchemotherapie erreichen wir heute beim UC eine Responserate (ORR) von etwa 50 Prozent, komplette Remissionen (CR) in zehn bis 20 Prozent der Fälle und ein medianes OS von 13 bis 15 Monaten. 10 bis 15 Prozent der Patienten aus randomisierten Phase- III-Studien waren nach fünf Jahren noch am Leben, und sogar 20 Prozent, wenn primär keine viszeralen Metastasen vorlagen. Das heißt, dass es durchaus Langzeitüberlebende nach cisplatinhältiger Chemotherapie eines metastasierten UC gibt. Diese Therapieergebnisse gilt es natürlich zu übertreffen, zu verbessern. Dies gelang bisher weder durch Dosisintensifikation, „Dose-dense“-Protokolle oder moderne Triplet-Therapie. Im Abstract 5071 zeigten A.O. Siefker-Radtke et al. aus dem M.D. Anderson Cancer Center in einem Phase-IIrandomisierten Studienprotokoll, wie mit nur 120 Patienten vier verschiedene Chemotherapieregime selektiert und getestet werden konnten. Folgende Kombinationen wurden integriert: Ifosfamid (I)/Doxorubicin/Gemcitabine (G), I/Paclitaxel (P)/Cisplatin (C), GC als Standardarm und C/G/I. Wenn mit der ersten, durch Randomisierung zugeteilten Chemotherapiekombination die ORR >40 Prozent nach sechs Wochen und >90 Prozent nach weiteren sechs Wochen (overall success=OSX) war, wurde weiterbehandelt. Wenn das nicht der Fall war, wurde weiter randomisiert (zweite Randomisierung ) in einem von den drei übrigen Kombinationen u.s.w. Das interessanteste Ergebnis dieser Arbeit war nicht die Wirksamkeit der einzelnen Chemotherapiekombinationen, sondern dass 35 von 120 Patienten nach Chemotherapie operiert wurden. Fand diese operative Konsolidierung nach einem OSX statt, waren 42 Prozent dieser Patienten nach fünf Jahren noch am Leben. Ohne OSX waren es nur zehn Prozent. Weiters lebten die 41 Patienten mit OSX im Median 51 Monate. Insgesamt scheint die Wirksamkeit der konventionellen Chemotherapie tatsächlich ihr Maximum erreicht zu haben („we squeezed it out“, J. Bellmunt, discussion). Wie auch in anderen Tumorentitäten wird beim UC der Harnblase auf neue Substanzen und zielgerichtete Therapien, alleine oder in Kombination mit Chemotherapie, gehofft. Die bisherigen Daten zu neuen Substanzen beim Harnblasenkarzinom sind ernüchternd. Zu Bevacizumab gab es neben präklinischen Studien, die die Aktivität der Substanz und Wirkungsverstärkung von Chemotherapie bei anderen Tumorzelllinien belegen, lediglich einen Case Report und die klinischen Daten von anderen Tumorentitäten. Weiters wurde eine erhöhte Vascular- Endothelial-Growth-Factor-(VEGF)-Expression mit einer schlechten Prognose beim UC assoziiert. Dementsprechend wurde eine Phase-II-Studie mit GC plus Bevacizumab von der Hoosier-Oncology Group am heurigen ASCO präsentiert (Abstract 5018). Der primäre Endpunkt der Studie war das Progression Free Survival (PFS). Eingeschlossen wurden Patienten mit UC, gutem PS und guter Nierenfunktion. Die Dosierung der Kombination: Cisplatin 70mg/m2 i.v. d1; Gemcitabine 1250mg/m2 i.v. d1,8; Bevacizumab (Beva) 15mg/kg i.v. d1 alle 21 Tage. In dieser einarmigen Studie sollte eine 33-Prozent-Verbesserung des PFS von erwarteten 7,5 Monaten mit GC auf 11,25 Monate mit GC/Beva gezeigt werden. Die Kombination zeigte eine unerwartet hohe Toxizität. Bei median sechs Zyklen und 30 Prozent von Patienten, die in den geplanten Beva-Erhaltungsteil kamen, erhielten 60 Prozent eine Dosisreduktion, 42 Prozent mussten die Therapie abbrechen, 21 Prozent davon wegen tiefer Venenthrombosen (DVT) und Pulmonalembolien (PE). Diese Toxizität von Bevacizumab ist im Prinzip bekannt, bei anderen Tumorentitäten jedoch deutlich seltener anzutreffen, mit etwa drei bis 19 Prozent bei Mamma-, Lungen- und Kolorektalkarzinom. Der erste Studienendpunkt wurde mit einem PFS von nur 8,2 Monaten nicht erreicht.

Zusammenfassung: Die Kombination von Bevacizumab/Cisplatin/Gemcitabine war toxisch, das PFS nur 8,2 Monate, und der erste Studienendpunkt wurde nicht erreicht. Das OS von 19,1 Monaten war länger als unter GC in randomisierten Phase-III-Studien erwartet, könnte jedoch ein Phänomen der positiven Patientenselektion in einer Phase-II-Studie sein.


Priv.-Doz. Dr. Maria De Santis
3. Medizinische Abteilung Zentrum für Onkologie und Hämatologie und ACR-ITR Vienna / CEADDP Kaiser Franz Josef Spital – SMZ Süd, Wien
© MMA, CliniCum urologie 3/2009