Medizin Darmkrebs: Qualitätsunterschiede im Stuhlbluttest
http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=35290 Heidelberg – Die modernen immunchemischen Tests sind bei der Suche nach okkultem Blut im Stuhl dem guajakbasierten Standardtest teilweise deutlich überlegen, wie eine Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums in den Annals of Internal Medicine (2009; 150: 162-169) zeigt.
Beim Guajak-Test werden Blutspuren im Stuhl mit einer Wasserstoffperoxid-Lösung nachgewiesen. Der Häm-Rest des Hämoglobins wirkt wie eine Peroxidase, mit deren Hilfe das Wasserstoffperoxid Guajakonsäure im Gujakharz zu Guajakblau oxidiert. Ein Farbumschlag zeigt eine positive Reaktion an.
So krude dieser Test in Zeiten moderner immunologischer Nachweismethoden anmutet, so ist der Guajak-Test doch eine evidenzbasierte Methode zur Darmkrebsfrüherkennung (auch wenn er der Koloskopie deutlich unterlegen ist), und er ist der einzige Stuhlbluttest, für den eine Senkung der Darmkrebssterblichkeit in randomisierten Studien belegt sind.
Das schließt natürlich nicht aus, dass andere Tests besser sind. Und die Studie der Arbeitsgruppe um Hermann Brenner am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg liefert hier sicherlich willkommene Vergleichsdaten.
In 20 gastroenterologischen Praxen wurde bei 1 319 Patienten vor der Koloskopie ein Guajak-Test und sechs immunchemischen Tests durchgeführt. Die Testkarte für den Guajak-Test hatten die Patienten zu Hause bestrichen. Für die anderen Tests hatten sie eine Stuhlprobe mitgebracht. Diese wurden eingefroren und an die Testlabors weitergeleitet.
Die immunchemischen Tests setzen in der Regel spezifische Antikörper gegen Blutbestandteile ein. Sie vermeiden dadurch falschpositive Ergebnisse, zu denen es beim Guajak-Test kommen kann, wenn der Patienten (nicht ausreichend gekochtes) Fleisch gegessen hat. Auch das Risiko von falschnegativen Tests, die beim Guajak-Test nach Einnahme von Vitamin C auftreten, könnte vermindert sein.
Das Ziel des Screenings ist allerdings nicht der Nachweis von okkultem Blut im Stuhl, sondern die Früherkennung jener Patienten, die fortgeschrittene Adenome haben, die Ausgangspunkt von Kolorektalkarzinomen sind und deshalb entfernt werden müssen.
In dieser Aufgabe waren die immunchemischen Tests besser als der Guajak-Test, was die Sensitivität betrifft. Sie betrug beim Guajak-Test 9 Prozent, bei den beiden besten immunchemischen Tests aber 25 und 27 Prozent. In der Spezifität war der Guajak-Test mit 96 Prozent den beiden Tests (97 und 93 Prozent) gleichwertig.
Die anderen vier untersuchten Tests schnitten schlechter ab, was nach Ansicht der Autoren zeigt, dass jeder einzelne Test vor seiner Einführung sorgfältig an Patienten evaluiert werden sollte. © rme/aerzteblatt.de
zum Thema
* Abstract der Studie
* Zusammenfassung für Patienten
* Pressemitteilung des DKFZ