Zum sensiblen Thema „Brustkrebs“ standen Experten in der OÖN-Redaktion am Donnerstag Rede und Antwort.
Keine Frau lässt sich gerne sagen, wie sie ihren Körper zu berühren und zu betasten hat – schon gar nicht, wenn es um die eigene Brust geht. Doch gerade diese zutiefst weibliche Körperregion ist anfällig für Krebs. Monatliche Selbstuntersuchung ab 20 Jahren, halbjährliche Kontrolle durch den Arzt und später zusätzlich Mammographien ermöglichen oft Früherkennung und Heilung, können Leben retten.
„Die Brustkrebsvorsorge ist heute eine der wichtigsten Präventionsmaßnahmen für Frauen“, sagt die Linzer Vizebürgermeisterin Christiana Dolezal. „Durch Vermeidung ungesunder Lebensgewohnheiten wie Rauchen, vermehrter Alkoholkonsum, Übergewicht und Bewegungsmangel kann das Brustkrebsrisiko deutlich gesenkt werden“, erklärt Gesundheitslandesrätin Silvia Stöger.
Antworten zum Thema Brustkrebsvorsorge gaben Univ.-Doz. Peter Schrenk (Leiter des Brustkompetenzzentrums im AKH Linz) und Oberärztin Gertraud Tschurtschenthaler (Internistin und Onkologin im KH der Barmherzigen Schwestern Linz):
Sollen sich wirklich alle Frauen selbst untersuchen? Ja, denn Brustkrebs kann jede Frau treffen, auch wenn sie noch ganz jung oder schon sehr alt ist. (Anleitungen zur Selbstuntersuchung und Tastseminare gibt’s bei der Krebshilfe).
Ab wann und wie oft ist eine Mammographie notwendig?
Eine Basismammographie sollte zwischen 35. und 40. Lebensjahr gemacht werden. Die Krebshilfe empfiehlt Mammographien danach in längstens zweijährigem Abstand.
Was tun, wenn Krankheitsfälle in der Familie (Großmutter, Mutter, Tante ...) bekannt sind?
Wenn eine Mutter z. B. mit 37 Jahren an Brustkrebs erkrankt ist, sollte die erste Mammographie bei der Tochter zehn Jahre früher, in diesem Fall mit 27 Jahren, erfolgen.
Welche Methode ist zur Diagnose am besten: Mammographie, Ultraschall oder Magnetresonanztomographie?
Keines der Diagnoseverfahren ist „am besten“, sie ergänzen einander. Der Radiologe kann abschätzen, welche Untersuchungen notwendig sind.
Geht das Thema Brustkrebs nur Frauen an?
Nein, zirka drei von hundert Brustkrebs-Patienten sind männlich.
Dürfen und/oder sollen Krebspatienten komplementäre Behandlungsmethoden in Anspruch nehmen?
Komplementärmedizin darf niemals Ersatz für die vom Arzt individuell zusammengestellte Krebstherapie sein. Sie kann diese aber ergänzen (eine entsprechende Broschüre gibt es bei der Krebshilfe). Immer sollte der behandelnde Arzt über komplementäre Behandlungen informiert werden, um unerwünschte Wechselwirkungen auszuschließen. So kann z. B. die hochdosierte Gabe von Vitaminen während einer Strahlentherapie oder Chemotherapie Probleme bereiten.
Was tun, wenn jemand bei der Diagnose eines Spezialisten unsicher ist?
Jede Patientin hat das Recht und die Möglichkeit, eine zweite Meinung einzuholen.
Wer hilft, mit der Diagnose Krebs besser fertig zu werden?
In 14 über das ganze Bundesland verteilten Beratungsstellen bietet die Krebshilfe OÖ z.B. kostenlos psychologische Beratung an (Adressen und Telefonnummern bei der Krebshilfe). (dh)
Info:
www.krebshilfe.net, Krebshilfe OÖ: Tel. 0732/777756-1,
beratung@krebshilfe-ooe.at, zum Downloaden oder gratis zu bestellen: Broschüren „Frauen und Krebs“, „Brustkrebs“, „Komplementärmedizin“ sowie „Duschkarte – Anleitung zur Selbstuntersuchung der weiblichen Brust“
OÖnachrichten vom 05.11.2008