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Von: Werner Kommer [mailto:w_kommer@yahoo.com]
Gesendet: Samstag, 14. April 2012 21:46
An: Erlacher Dietmar;
manfred.neuberger@meduniwien.ac.atCc:
nichtraucherschutz@aon.atBetreff: Deutscher Kardiologie- Kongress 2012 - Untersuchung über pos. Auswirkung des Nichtraucherschutzes in Bremen
Sehr geehrter Hr. Prof. Neuberger, Hr. Erlacher und Hr. Rockenbauer !
Ich komme gerade aus Mannheim zurück, wo ich an der jährlichen Jahrestagung der deutschen kardiologischen Gesellschaft beiwohnte. Es gab hunderte Voträge über Herzerkrankungen, Herzkatheter-Interventionen und Herzrhythmusstörungen, aber auch über kardiale Risikofaktoren - wie hohe Blutfette und Bluthochdruck. Das Rauchen wurde zwar immer wieder bei der Besprechung von Fallgeschichten erwähnt, aber raten Sie einmal, wieviele Vorträge über das Rauchen bei der Fachtagung der größten europäischen kardiologischen Gesellschaft über Rauchentwöhnung gehalten wurde ? Nicht einmal einer.
Dafür fand sich wenigstens ein einzelner guter Vortrag über die positiven Aspekte des Nichtraucherschutzes, wo im Umland von Bremen nachgewiesen werden konnte, dass transmurale Herzinfarkte (also die ganze Wand betreffende Herzinfarkte, im kardiologischen Jargon "STEMI" genannt im Gegensatz zu den "NSTEMI", das sind die früher als Enzyminfarkte bezeichneten "kleineren" Infarkte) zurückgingen. So erlitten den zwei Jahren nach Einführung des Nichtraucherschutzgesetzes nur 726 Nichtraucher einen solchen Herzinfarkt (STEMI) erlitten, während es in den beiden Jahren zuvor noch 940 Nichtraucher gewesen waren.
Die Details des Abstracts - vielleicht auch für Hrn. Rockenbauer und seine Nichtraucherzeitung (übrigens besten Dank dafür !) - sende ich Ihnen hier mit.
Mit freundlichen Grüßen,
Dr. Werner Kommer
Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie
Bachgasse 15
A-2120 Wolkersdorf
Tel.: 06991/ 403 88 01
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Clin Res Cardiol 101, Suppl 1, April 2012
V1226 - Einfluss des Nichtraucherschutzgesetzes auf die Inzidenz von ST-Hebungsinfarkten: Benefit vor allem bei Nichtrauchern?
J. Schmucker1, H. Wienbergen1, S. Seide1, A. Fach1, E. Fiehn1, R. Hambrecht1
1Klinik für Kardiologie und Angiologie, Klinikum Links der Weser gGmbH, Bremen;
Hintergrund: Ziel der Studie war es zu prüfen, inwieweit die Umsetzung des Nichtraucherschutzgesetzes (NRSG) Einfluß auf die Inzidenz von Myokardinfarkten ausübt. Dafür wurde vor und nach Inkraftreten des Nichtraucherschutzgesetzes (NRSG) in Bremen und Niedersachen Ende 2007 die Häufigkeit von STEMIs bei Rauchern und Nichtrauchern analysiert.
Methodik: Im Bremer STEMI-Register werden seit 2006 zentral alle Daten von STEMI-Patienten aus der Hansestadt Bremen und dem Umland (Einzugsbereich ca. 800 000 Einwohner) aufgenommen. In dieser Studie wurden die Parameter Aufnahmedatum, Alter, Geschlecht und Nikotinkonsum aus dem STEMI-Register von 2006 bis 2009 ausgewertet und in ihrem zeitlichen Verlauf analysiert.
Ergebnisse: Zwischen 2006 und 2009 wurden insgesamt 2883 Patienten mit STEMI im Bremer Herzzentrum behandelt. Dabei zeigt sich ein Rückgang der gemittelten monatlichen STEMIs (von 65±12 STEMI/Mo im Jahr 2006 auf 55±10 STEMI/Mo im Jahr 2009, -16%, p=0.04 2009 vs. 2006). Wenn man die Jahre vor und nach dem Inkrafttreten des NRSG vergleicht so zeigt sich ein ähnlicher Rückgang (2006/2007: 64.7±11 STEMI/Mo auf 2008/2009: 55±10 STEMI/Mo, -14%, p<0.01). Wenn man jedoch die zum Aufnahmezeitpunkt aktiven Raucher (2006-2009: 1217 Patienten, 42% der Gesamt-STEMIs) betrachtet, so zeigt sich kein Rückgang im direkten Vergleich (2006/2007:25.5±6 STEMI/Mo auf 2008/2009: 25.1±6 STEMI/Mo, p=0.82). Nur die Nichtraucher (2006-2009: 1666 Patienten, 58% der Gesamt-STEMIs) profitieren statistisch vom NRSG (2006/2007: 39.1±8 STEMI/Mo auf 2008/2009: 30.1±7 STEMI/Mo, -23%, p<0.01). Die jüngeren Nichtraucher (bis 65 Jahre) profitieren im besonderen Maße vom NRSG (2006-2007: 13.7±4 STEMI/Mo vs. 2008-2009: 10.1±4 STEMI/Mo, -26%, p<0.01).
Jahre STEMIS [n] Mittl. Alter Weiblich Raucher[n] Nichtraucher[n] Nichtrauch. bis 65 J[n]
2006/2007 1553 64±12 29% 613(39%) 940(61%) 329(21%)
2008/2009 1330 63±12 27% 604(45%) 726(55%) 242(18%)
Signifikanz <0.01 0.3 0.3 <0.01 <0.01 <0.01
Diskussion: Der Rückgang der Inzidenz von STEMIs in Bremen und Umland über einen Zeitraum von vier Jahren scheint zumindest teilweise durch das Inkraftreten des Nichtraucherschutzgesetzes (NRSG) Ende 2007 erklärbar. Insbesondere jüngere Nichtraucher weisen einen deutlichen Rückgang der Inzidenz von STEMIs auf. Dieses Ergebnis deutet daraufhin hin, daß das NRSG inbesondere Nichtraucher vor dem schädlichen Einfluß des Passivrauchens schützt.
Clin Res Cardiol 101, Suppl 1, April 2012
Zitierung mit Vortrags- oder Posternummer s.o.
DOI 10.1007/s00392-012-1100-6