Autor Thema: Immucothel - Immunocyanin  (Gelesen 2480 mal)

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Immucothel - Immunocyanin
« am: 24. März 2007, 03:01 »
Abhandlung aus der Onlinezeitung dieser URL "Die Harnblase", Ausgabe 2 / 2005
( www.harnblasenkrebs.de/Patienten/Zeitung...rnblase2-05.pdf )

Rezidivprophylaxe durch Immunocyanin/Immucothel

DER NUTZEN VON IMMUNOCYANIN BEIM OBERFLÄCHLICHEN HARNBLASENKARZINOM

Seit einigen Jahren gibt es für die Patienten, bei denen die Instillationstherapie mit z.B. Mitomycin oder BCG erfolglos war oder sich eine Unverträglichkeit zeigte eine Alternativ- Therapiemöglichkeit mit dem Wirkstoff Immunocyanin. In Österreich seit Jahren in Verwendung, ist dieses Medikament in Deutschland noch nicht zugelassen und deshalb auch nicht in der Roten Liste (Medikamentenliste Deutschlands) aufgeführt, obwohl die Therapie bei entsprechender Indikation in Einzelfällen durchaus verschreibungsfähig ist und bei einer entsprechenden Begründung des Urologen auch von den Krankenkassen übernommen wird (Wirtschaftlichkeitsgebot gem.§§ 12 Abs. 1,70 Abs. 1 SGB V ) Insbesondere muss der Einsatz zweckmäßig und notwendig sein. Das liegt insbesondere dann vor, wenn andere Instillationstherapien erfolglos waren oder wegen Unverträglichkeit abgebrochen werden mussten und immer wieder Op’s wegen der
Rezidivneubildungen erforderlich sind, bzw. die Gefahr besteht, dass ein Rezidivtumor in ein ungünstigeres Stadium eintritt.
Die Therapie mit Immunocyanin (Produktname: Immucothel®), dauert insgesamt ein Jahr, ähnlich der Therapie mit BCG, hat aber weitaus weniger
Nebenwirkungen.
Hier ein Vorschlag eines Begründungsschreibens für
den behandelnden Urologen gegenüber der Krankenkasse:

BEGRÜNDUNG FÜR DEN NUTZEN VON
IMMUCOTHEL® BEIM OBERFLÄCHLICHEN
HARNBLASENKARZINOM.
Zur Vorlage bei Krankenkassen Immucothel® enthält als wirksamen Bestandteil Immunocyanin, eine stabile Modifikation des Blutfarbstoffes Keyhole-Limpet Hemocyanin (KLH) der Meeresschnecke Megathura crenulata.

Präklinische Untersuchungen:
Immucothel® führte in tierexperimentellen und präklinischen Untersuchungen nach Instillation in die Harnblase zu einer Aktivierung von Makrophagen und T-Lymphozyten sowie der humoralen Immunreaktion. In der obersten Schicht des Blasenepitels kommt es zu einem signifikanten Anstieg von T-Helferzellen, einem Anstieg des CD4/CD( Quotienten, einer vermehrten Ausschüttung von Interferon-? und anderen Zytokinen
Die Zytokine Interleukin-1? und ? werden nach Immucothel®-Instillation vermehrt im Urin ausgeschieden, was eine starke Makrophagenaktivierung anzeigt. (Kuppel 1984, Munder 1986, Recker et al.1989, Linn et al. 1997, Jurincic et al 1989. Jurincic-Winkler et al. 1995).
Das Glycoprotein KLH enthält Gal (?1- 3) - Gal NAC haltige Oligosaccharide.
Diese Struktur entspricht dem Thomsen-Friedenreich Antigen, das auf Blasenkarzinomzellen, nicht aber auf normalem Blasenepitel, vermehrt frei exprimiert. (Wirguin et al. 1995).
So entsteht durch die Immunisierung der T - Lymphozyten mit KLH eine spezifi sche Immunantwort gegen Blasenkarzinomzellen.

Klinische Untersuchungen:
Oberflächliche Blasentumoren (pTa, pT1, G1-G2) haben nach transuretraler Resektion (TUR) eine hohe Rezidivrate von bis über 70%. Zur Reduktion der Rezidivrate werden Instillationen von Adriamycin oder Mitomycin C, Thiotepa oder BCG über einen Zeitraum von einem Jahr postoperativ durchgeführt.
Die Intravesikale Chemotherapie wurde in insgesamt 17 Studien an 2.331 Patienten untersucht. Dabei ergab sich ein Vorteil für Adriamycin (16-83% Rezidive in 12-65 Monaten) Ethoglucid
(30-61% Rezidive in 17-29 Monaten) Mytomycin C (7 81% Rezidive in 6- 60 Monaten) und Thiotepa (24-65% Rezidive in 24-60 Monaten).
Alle adjuvanten Therapien waren aber besser als die TUR allein (Lamm et al. 1992, Rübben et al. 1997, Rübben et al. 1990, Otero-Mauricio et al. 1992).
Nebenwirkungen der intravesikalen Chemotherapie sind schwere Chemo- zystitis bei 20-38% der Patienten (Rübben et al. 1990, Otero-Mauricio et al. 1992).
Eine Verbesserung der Rezidivprophylaxe stellt dem gegenüber die Instillationsbehandlung mit BCG dar. Es kam zu einer Reduktion der Rezidive um 20-30 % gegenüber TUR und um 19-41% gegenüber Chemotherapie nach TUR.
Nach BCG beträgt die Rezidivhäufi gkeit 11-75% bei 6 67 Monaten nach Beobachtung (Rübben et al. 1997). Nebenwirkungen dieser Therapie sind in bis zu 91 Zystitis, häufi g hochgradig, in 40% Fieber, 3% BCG Sepsis mit insgesamt bisher 8 Todesfällen nach BCG-Instillation (Orihuela et al.1987, Izes et al. 1993, Lammetal. 1992).

Instillationsbehandlung mit Immucothel®:
Bereits 1974 (Olsson et al. 1974) wurde eine Wirksamkeit von subcutan verabreichten KLH auf Blasentumoren beschrieben.
Die bisher durchgeführten prospektiv randomisierten Studien mit Immucothel® zeigen eine statistisch signifi kante Überlegenheit gegenüber Mytomycin C (Jurincic et al. 1988 ), eine gleich gute Wirkung wie Ethoglucid (Flamm et al. 1990, Flamm et al. 1991, Flamm et al. 1994). Die Wirkung von Immucothel® ist vergleichbar mit der von BCG (Kälble et al. 1991).
Die Nebenwirkungen von Immucothel® an 572 dokumentierten Patienten sind Grad I Fieber bei 3%, Zystitis bei 6% sowie vereinzelt (< 1%) Druckgefühl, Schmerzen, Harndrang sowie erhöhte -?GT und GPT.

Zusammenfassung:
Die Instillationsprophylaxe des oberfl ächlichen Hamblasenkarzinoms ist heute eine anerkannte adjuvante Methode mit dem Ziel der Verhinderung von Rezidiven nach TUR. In Anbetracht der etwa gleichen Wirkung sollte die Nebenwirkungsrate den Ausschlag für den Einsatz von Immucothel® geben.
Gerade die unter Chemotherapie und BCG regelmäßig auftretende, schwere Zystitis ist für die Patienten im höchsten Maße belastend, zumal die Behandlung insgesamt ein Jahr dauert.
Außerdem sollte man bedenken, dass Zytostatika, die in die Blase instilliert werden, unverstoffwechselt in die Umgebung abgegeben werden.
Immerhin sind Zytostatika mutagene und damit krebserregende Substanzen.
BCG ist ein Lebend-Impfstoff, der potentiell infektiös ist.
Immucothel® hat diese unerwünschten Eigenschaften nicht und sollte deshalb den Vorrang vor anderen Stoffen haben.
In Holland ist Immucothel® seit 1998 für die Indikation von oberfl ächlichen Blasenkarzinomen zugelassen, in Österreich seit 2002.

Literatur:
• Klippel KF: Unspezifi sche intraläsionale Immuntherapie
beim Blasenkarzinom. In: Huland H, Klosterhalfen
(Hrsg): Therapie und Rezidivprophylaxe oberfl ächlicher
Harnblasenkarzinome. Georg Thieme, Stuttgart/New York
1984.

• Munder PG: Studies on the antitumoral effects of keyhole-
limpet hemocyanin (KLH) in-vitro and in-vivo. Present Status
of non-toxic concepts in cancer. Proc. Int. Symposium
Nonnweiler/Trier 1986.

• Recker F, Rübben H: Variation of the immunsystem by
cyclosporin and keyhole-limpet hemocyanin. Are there
effects on chemically induces bladder carcinoma? Urol. Int,
1989;. 44:77-80.
• Linn JF, Rübben H: keyhole limpet hemocyanin
immunotherapie for chemically induced bladder cancer:
systemic verses topical administration. Brit.J. Urol. 1997;
80:158.

• Jurincic CD, Stöcker W, Klippel KF, Markl
J): Immunhistochemische Untersuchung von
Harnblasenbiopsien nach Immunotherapie des
oberfl ächlichen Harnblasenkarzinoms mit Keyhole-
Limpet Hemocyanin (KLH). In: Stiefel T, Borcher H (Hrsg)
Immucothel Workshop II, Avignon 1988, biosynposia
Stuttgart 1989; 45-55.

• Jurincic-Winkler CD, Gallali H, Alvarez-Mon M et al.:
Urinory interlokin 1?-levels are increased by intraversical
instillation with keyhole-limpet hemocyanin and patients with
superfi cial transitional cell carcinoma of the bladder. Eur.
Urol. 1995; 28: 334-339.

• Wirguin I, Suturkova-Milosevic L, Briani C et al.:
Keyhole-limpet hemocyanin contains Gal (?1-3)-Gal NAC
determinants that are cross-reactive with T-antigen. Cancer
Immunol. Immunotherapie 1995; 40:307-310.

• Lamm DL, Griffi th G, Pettit LL et al.: Current perspectives
on diagnoses and treatment of superfi cial bladder cancer.
Urology 1992; 39:301-308.

• Rübben H. Deutz F, Hofstädter F et al.: Treatment of low
and high risk superfi cial bladder tumors (SBT). In: Frohmüller
HGW, Wirth MP (eds): Current Status and future trends.
Wiley-Liss Inc. New York 1990.

• Rübben H, Otto T: Harnblasenkarzmome. In: Rübben H
(ed): Uroonkologie Springer Berlin, Heidelberg, New York
1997.

• Otero-Mauricio G, Franco-Manzano R, Ardanza-Trevijano
A et al: Immunocyanina endovesical en el tratamiento des
los tumores superfi ciales de vegiga. Estudio comparativo
frente a onco-tiotepa. Manuskript 1992.

• Olsson CA, Chute R, Rao N; Immunologie reduction of
bladder cancer recurrance rate. J.Urol. 1974; III: 173-176.

• Orihuela E, Herr HW, Pinsky CM et al: Toxicity of
intravesical BCG and ist management in patiens with
superfi cial bladder tumors. Cancer 1987, 60: 326-333.

• Izes JK, Bihrle W, Thomas CB: Corticosteroid-associated
fatal mycobacterial sepsis occuring 3 years after instillation
of intravesical bacillus Calmette-Guerin. J. Urol. 1993; 150:
1498-1500.

• Lamm DL, Van der Meijden APM, Morales A et al.:
Incidence and treatment of complications of bacillus
Calmette-Guerin intravesical therapy and superfi cial bladder
cancer. J. Urol; 1992; 147: 596-600

Jutta

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Blasenkrebs: Immucothel, die Alternative für Mitomycin oder BCG?
« Antwort #1 am: 23. März 2008, 14:57 »
Von Anfang an, oder bei jenen Blasenkrebspatienten die Mitomycin oder BCG nicht vertragen,
ist Immucothel ein seit vielen Jahren verwendetes Mittel zur Instillation.
Jetzt begann eine Studie in Wien! Wäre das was für dich .......?


Hämocyanin gegen Rezidive bei Blasenkrebs
Neue Studie begonnenen

Die Behandlungserfolge bei der Vermeidung von Blasenkrebs-
Rezidiven, die weltweit mit der Gabe von Hämocyanin (IMMUCOTHEL®)
erzielt wurden, haben die Österreichische Gesellschaft für Urologie zu
einer weiteren Studie ermutigt. Dies berichtete Dr. Michael Scholz,
Kaiser-Franz-Josef-Spital, Wien, am Rande des diesjährigen Kongresses
der European Association of Urology in Berlin. Auf einer Veranstaltung
der biosyn Arzneimittel GmbH sagte er Ende März, in der Studie, der
die zuständige Ethikkommission bereits ihr Placet gegeben hat, werde
an bis zu 57 Patienten mit oberflächlichem Harnblasenkarzinom
untersucht, wie sich die Tumorgröße unter der Immunocyanin-Therapie
verändert (Marker-Läsion-Studie).

Schon auf gesicherte Ergebnisse konnte Professor Donald L. Lamm,
Phoenix (USA), verweisen. Er zitierte acht klinische Studien mit
insgesamt 393 Patienten. Die Rezidivrate in den Kontrollgruppen
(Chemotherapie, BCG) der herkömmlich behandelten Patienten lag bei 41
Prozent, während sie in der Hämocyanin-Gruppe nur 26 Prozent
erreichte. "Diese Ergebnisse sind beeindruckend, aber die künftige
Hämocyanin-Therapie beim oberflächlichen Harnblasenkarzinom dürfte
weit eindrucksvoller werden", prognostizierte der Wissenschaftlicher.

IMMUCOTHEL® (Hämocyanin) ist seit Jahren in zahlreichen Ländern,
darunter die Niederlande und Österreich, zur Rezidivprophylaxe
zugelassen. Es hat sich bei der Behandlung von Blasenkrebs als
wirksame Alternative zu Zytostatika erwiesen. Blasenkrebs macht
weltweit etwa drei Prozent aller bösartigen Tumore aus und kommt bei
Männern doppelt so häufig vor wie bei Frauen. Bei Hämocyanin handelt
es sich um ein natürliches Eiweiß, das mit einem aufwändigen Verfahren
aus der Hämolymphe einer Meeresschnecke gewonnen wird.

Um die häufig auftretenden Rezidive zu vermeiden, werden nach der
transurethralen Resektion des Tumors per Instillation Zytostatika oder
Hämocyanine in die Blase eingebracht. Hämocyanine führen dabei zu
einer ausgeprägten Anregung der Immunabwehr, die sich in der Folge
gegen verbliebene Tumorzellen richtet.

Für Rückfragen:
biosyn Arzneimittel GmbH, Pressestelle, Schorndorfer Straße 32, 70734
Fellbach, Tel. 0711-57532-35, Fax: 0711-57532-668, E-Mail:
presse@biosyn.de.
« Letzte Änderung: 23. März 2008, 14:59 von Jutta »

Richi

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Blasenkrebs: Immucothel - Immunocyanin - Hämocyanin
« Antwort #2 am: 08. Juni 2008, 11:05 »
Hämocyanin gegen Rezidive bei Blasenkrebs

Neue Studie startete

Die Behandlungserfolge bei der Vermeidung von Blasenkrebs-
Rezidiven, die weltweit mit der Gabe von Hämocyanin (IMMUCOTHEL®)
erzielt wurden, haben die Österreichische Gesellschaft für Urologie zu
einer weiteren Studie ermutigt. Dies berichtete Dr. Michael Scholz,
Kaiser-Franz-Josef-Spital, Wien,
am Rande des diesjährigen Kongresses der European Association of Urology in Berlin. Auf einer Veranstaltung der biosyn Arzneimittel GmbH sagte er Ende März(2007 oder 2008?), in der Studie, der die zuständige Ethikkommission bereits ihr Placet gegeben hat, werde an bis zu 57 Patienten mit oberflächlichem Harnblasenkarzinom untersucht, wie sich die Tumorgröße unter der Immunocyanin-Therapie verändert (Marker-Läsion-Studie).

Schon auf gesicherte Ergebnisse konnte Professor Donald L. Lamm,
Phoenix (USA), verweisen. Er zitierte acht klinische Studien mit
insgesamt 393 Patienten.

Die Rezidivrate in den Kontrollgruppen (Chemotherapie, BCG) der herkömmlich behandelten Patienten lag bei 41 Prozent, während sie in der Hämocyanin-Gruppe nur 26 Prozent erreichte.

 "Diese Ergebnisse sind beeindruckend, aber die künftige Hämocyanin-Therapie beim oberflächlichen Harnblasenkarzinom dürfte weit eindrucksvoller werden", prognostizierte der Wissenschaftlicher.

IMMUCOTHEL® (Hämocyanin) ist seit Jahren in zahlreichen Ländern,
darunter die Niederlande und Österreich, zur Rezidivprophylaxe
zugelassen. Es hat sich bei der Behandlung von Blasenkrebs als
wirksame Alternative zu Zytostatika erwiesen. Blasenkrebs macht
weltweit etwa drei Prozent aller bösartigen Tumore aus und kommt bei
Männern doppelt so häufig vor wie bei Frauen. Bei Hämocyanin handelt
es sich um ein natürliches Eiweiß, das mit einem aufwändigen Verfahren
aus der Hämolymphe einer Meeresschnecke gewonnen wird.

Um die häufig auftretenden Rezidive zu vermeiden, werden nach der
transurethralen Resektion des Tumors per Instillation Zytostatika oder
Hämocyanine in die Blase eingebracht. Hämocyanine führen dabei zu
einer ausgeprägten Anregung der Immunabwehr, die sich in der Folge gegen verbliebene Tumorzellen richtet.

Für Rückfragen:
biosyn Arzneimittel GmbH, Pressestelle, Schorndorfer Straße 32, 70734
Fellbach, Tel. 0711-57532-35, Fax: 0711-57532-668, E-Mail:
presse@biosyn.de.

« Letzte Änderung: 08. Juni 2008, 11:49 von Richi »

Dietmar E.

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Blasenkrebs: Immucothel - Immunocyanin
« Antwort #3 am: 09. Januar 2009, 18:31 »
20.05.2006

Mit dem Hinweis auf Immucothel greifst Du ein momentan recht heißes Eisen auf.

Einem Arzneimittel, welches seit 1997 in den Niederlanden und seit 2002 in Österreich zugelassen ist und erhebliche Erfolge im Kampf gegen die Rezidivung von Krebszellen nachweisen kann, verweigert man hier die Zulassung mit der Begründung "mangels ausreichender Arzneimittelprüfung und belegter therapeutischer Wirksamkeit"

Für mich ist die Begründung der Ablehnung nicht nachvollziehbar, da ich die Meinung vertrete, jedes Arzneimittel, welches hilft, diese verdammte Krankheit zu lindern oder zu besiegen, sollte die Chance bekommen, eingesetzt zu werden, vor allem dann, wenn die Wirkung ( ohne bzw.mit nur geringen Nebenwirkungen ) im benachbarten Ausland seit Jahren erwiesen wurde.

Hier wird - wieder einmal - der "deutsche Michel" vor das öffentliche Interesse gestellt und es werden - wieder einmal - die Interessen der Pharmaindustrie gegen ein "nichtdeutsches Medikament" untermauert.

Aber wahrscheinlich bin ich als Laie ja auch nicht in der Lage, die Situation richtig aus "deutschem Blickwinkel" zu beurteilen.

Trotzdem, ein fahler Nachgeschmack bleibt......


Kurzinformation:
Der vorliegende Rechtsstreit ging um die Kostenübernahme für eine Therapie mit dem Arzneimittel Immucothel®, das die Rezidivrate bei Harnblasen-Karzinomen verringern soll und hierfür seit 1997 in den Niederlanden zugelassen ist. Die Zulassung in Deutschland wurde Anfang 1997 versagt; hiergegen ist ein Verwaltungsrechtsstreit anhängig. -
Der Kläger wurde zuletzt im Januar 1998 wegen eines Harnblasen-Karzinoms operiert. Seinen im Mai 1998 gestellten Antrag auf Übernahme der Kosten für eine Therapie mit Immucothel® lehnte die Beklagte (Krankenkasse) wegen fehlender arzneimittelrechtlicher Zulassung ab. Die auf Erstattung gerichtete Klage (Behandlungskosten von Juli 1998 bis Juli 1999) ist in erster und zweiter Instanz ohne Erfolg geblieben.

Das Bundessozialgericht entschied dazu (hier Text-Auszug):
"Eine innerstaatlich wirksame Arzneimittelzulassung war für das beim Kläger angewandte Mittel Immucothel zum Zeitpunkt der Behandlung 1998/99 gemäß § 73 Abs 1 iVm § 21 Abs 1 Satz 1 AMG erforderlich, aber nicht erteilt worden. Bei diesem Präparat handelt es sich nach Herstellerangaben um ein industriell gefertigtes, zur Chemotherapie mit dem Ziel der Verringerung der Rezidivrate von oberflächlichen Harnblasen-Karzinomen nachoperativer Tumor-Entfernung vorgesehenes Präparat, das durch die Harnröhre in die Blase eingebracht wird (sog Instillationstherapie), wo es dann zur Anregung der Immunabwehr führen soll. Es ist ein Fertigarzneimittel iS von § 4 Abs 1 AMG, für das die Voraussetzungen des § 21 Abs 1 Satz 1 AMG gelten, die es jedoch nicht erfüllt. Weder hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte als zuständige Bundesoberbehörde dafür eine Arzneimittelzulassung erteilt (§ 21 Abs 1 Satz 1 Alt 1 AMG), noch haben iS von § 21 Abs 1 Satz 1 Alt 2, § 37 Abs 1 AMG die Kommission der EG oder der Rat der EU das In-Verkehr-Bringen des Mittels genehmigt. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat die Zulassung in Deutschland vielmehr sogar aus zwingenden Gründen nach § 25 Abs 2 AMG versagt.
Die in den Niederlanden 1997 erteilte Arzneimittelzulassung für Immucothel entfaltet nicht zugleich auch entsprechende Rechtswirkungen für Deutschland." ( . . . )
--------------
Zur ausführlichen Urteilsbegründung und Argumentation siehe Volltext !
-----------------
Textquelle: Bundessozialgericht (BSG)
veröffentlicht vom BSG und hier eingestellt am 06.10.2004 - MDS/ko

Wer sich intensiver mit der Urteilsbegründung befassen will, hier die URL :

http://infomed.mds-ev.de/sindbad.nsf/0/da239eb9791f0a62c1256f25003c3a80/$FI
LE/BSG_B1KR21-02R.pdf


Schönes Wochenende wünscht
Eckhard


24.10.2007
Gast, ggf. Rosemarie:
Ich habe erst jetzt den hochinteressanten Anfang des threads (alle Achtung vor den beiden Autoren!) entdeckt und möchte noch etwas ergänzen:

Haupt-Vorteil von BCG gegenüber Mitomycin in der adjuvanten Instillationstherapie soll die MINDERUNG der PROGRESSIONSRATE (fortschreitendes staging/grading T/G) sein.
Bei der SENKUNG der REZIDIVRATE soll die LANGZEIT-MITOMYCINTHERAPIE einer KURZZEITIGEN BCG-BEHANDLUNG ÜBERLEGEN sein.

Ich schreibe das deshalb so vorsichtig, weil Studien äußerst unterschiedliche, manchmal sogar gegensätzliche Ergebnisse vorweisen können. (Beispielsweise habe ich 6 Studien gefunden, welche die Senkung der Rezidivrate durch BCG-Behandlung untersuchen und dabei eine Schwankung von 7-57% herausbringen!!!)

Einen m. E. sehr guten Überblick zum Thema
oberflächliches Blasenkarzinom gibt:
http://www.adjutum.at/Bilder/Urologie/U_.../2006/U_Mai.pdf
(merkwürdigerweise kommt man mit dem link auf die letzte Seite des Artikels, bitte also zurückblättern.)
"Zu meiner Zeit gab es Dinge, die tat man, und Dinge, die man nicht tat, ja, es gab sogar eine korrekte Art, Dinge zu tun, die man nicht tat." (Sir Peter Ustinov)