Frankreich erstattet die Kosten für die Impfung gegen humane Papillomviren mit dem HPV-Vierfachimpfstoff
Die französischen Behörden bekennen sich deutlich dazu, Frauen schnell einen besseren Schutz vor Gebärmutterhalskrebs und weiteren HPV-bedingten Erkrankungen im Genitalbereich zu ermöglichen
Das nationale Sozialversicherungssystem in Frankreich erstattet jetzt die Kosten für die Impfung von 14-jährigen Mädchen gegen humane Papillomviren mit dem HPV-Vierfachimpfstoff sowie ein Catch-up-Impfprogramm für Jugendliche und junge Frauen im Alter von 15 bis 23 Jahren(1). Damit soll der Schutz vor Gebärmutterhalskrebs und weiteren HPV-bedingten Erkrankungen im Genitalbereich verbessert werden.
Im Rahmen der Verleihung des Prix Galien für den HPV-Vierfachimpfstoff vor wenigen Tagen wandte sich die französische Gesundheitsministerin Roselyne Bachelot an die anwesenden Mediziner:
"Ich zähle auf die Ärzteschaft, die Impfung mit dem HPV-Vierfachimpfstoff als Möglichkeit zu nutzen, die Bedeutung präventiver Maßnahmen zu unterstreichen." Didier Hoch, der Präsident von Sanofi Pasteur MSD, kommentierte die Entscheidung: "Wir begrüßen die rasche Entscheidung Frankreichs und freuen uns, dass der HPV-Vierfachimpfstoff jetzt in den meisten Ländern genauso schnell verfügbar wird wie klassische Medikamente. Es ist das erste Mal, dass dies bei einem Impfstoff der Fall ist. Wir beginnen damit ganz offensichtlich eine neue Ära der Prävention". Die Entscheidung für die Kostenerstattung wurde weniger als vier Monate nachdem der Hohe Rat für öffentliche Hygiene in Frankreich (Conseil Superieur d'Hygiene Publique de France, CSHPF) die Impfung gegen die vier HPV-Typen 6, 11, 16, 18 zum Schutz vor präkanzerösen und kanzerösen Läsionen der Zervix sowie vor Genitalwarzen empfohlen hat, getroffen. Der CSHPF empfahl eine allgemeine Impfung 14-jähriger Mädchen und befürwortete außerdem, die Impfung auch Mädchen und jungen Frauen im Alter von 15 bis 23 Jahren anzubieten, die noch keinen Geschlechtsverkehr hatten oder ihre sexuelle Aktivität erst vor höchstens einem Jahr aufgenommen haben. Gleichzeitig unterstrich der CSHPF die Wichtigkeit, weiterhin regelmäßig Untersuchungen zur Krebsfrüherkennung wahrzunehmen(2). Dr. Joseph Monsonego, Gynäkologe und medizinischer Direktor des Alfred-Fournier-Instituts in Paris, sagte: "Die Entscheidung, die Kosten für die Impfung von jungen Mädchen und Frauen mit dem HPV-Vierfachimpfstoff zu erstatten, bestätigt die Auffassung, dass die Impfung frühzeitig durchgeführt werden muss. Sie spiegelt auch das große öffentliche Interesse wider, Schutz nicht nur vor Gebärmutterhalskrebs, sondern auch vor weiteren HPV-bedingten Erkrankungen im Genitalbereich zu bieten." Der HPV-Vierfachimpfstoff ist der einzige HPV-Impfstoff, der gegen die vier Virustypen 6, 11, 16 und 18 gerichtet ist, die den größten Teil der durch humane Papillomviren bedingten Erkrankungen im Genitalbereich verursachen. Der HPV-Vierfachimpfstoff bietet einen breiteren und früheren Nutzen, der über die Prävention von Gebär¬mutterhalskrebs hinausgeht. Der Nutzen ist weitreichender, da dieser HPV-Vierfachimpfstoff Schutz sowohl vor Läsionen der Zervix und der Vulva, als auch vor Genitalwarzen bietet. Und der Nutzen wird frühzeitig spürbar, da ein Großteil dieser Läsionen - insbesondere frühe Läsionen der Zervix und Genitalwarzen - sich viel rascher entwickelt als Gebärmutterhalskrebs und häufig schon innerhalb weniger Monate nach Infektion mit den Viren auftritt.
Hinweise zur Veröffentlichung
Neun europäische Länder (Österreich, Deutschland, Italien, Frankreich, Norwegen, Luxemburg, Belgien, die Schweiz und Großbritannien) haben bereits eine Routineimpfung junger Mädchen gegen humane Papillomviren empfohlen, häufig verbunden mit Catch-up-Programmen für ältere Mädchen und junge Frauen. In Deutschland werden die Kosten der Impfung gegen humane Papillomviren seit Dezember 2006 von vielen Krankenkassen, die gemeinsam ca. 70 % der Bevölkerung abdecken, vollständig erstattet. Die übrigen Krankenkassen werden voraussichtlich bald folgen. In Schweden wurde der HPV-Vierfachimpfstoff als erster Impfstoff überhaupt in das nationale Subventionsprogramm für verschreibungspflichtige Medikamente aufgenommen, das eine Kostenerstattung garantiert. In Italien hat die erste Region mit der Umsetzung eines staatlich finanzierten Impfprogramms begonnen. Andere Regionen werden voraussichtlich bald folgen. Ähnliche Empfehlungen und Entscheidungen bezüglich der Kostenerstattung wurden in den USA, in Kanada und in Australien ausgesprochen. Der HPV-Vierfachimpfstoff wurde in 77 Ländern zugelassen (in vielen Fällen im Rahmen eines beschleunigten Zulassungsverfahrens). In zahlreichen weiteren Ländern auf der ganzen Welt sind derzeit Zulassungsverfahren bei den zuständigen Behörden anhängig.
Weitere Informationen zum HPV-Vierfachimpfstoff
In klinischen Studien, an denen mehr als 20.000 Frauen teilnahmen, bot der Impfstoff dauerhaft einen bis zu 100%igen Schutz vor Zervixkarzinomen, vor präkanzerösen und potenziell präkanzerösen Läsionen der Zervix, vor präkanzerösen Läsionen der Vulva sowie vor Genitalwarzen, die durch die HPV-Typen 6, 11, 16 und 18 hervorgerufen werden(3,4,5,6). In groß angelegten klinischen Studien bot der HPV-Vierfachimpfstoff auch Schutz vor präkanzerösen und potenziell präkanzerösen Läsionen der Zervix, die durch weitere Virustypen hervorgerufen werden, gegen die der Impfstoff nicht direkt gerichtet ist. Diese Virustypen verursachen mehr als 10 % der Zervixkarzinome und einen wesentlichen Teil der präkanzerösen und der potenziell präkanzerösen Läsionen der Zervix. Die Daten wurden vor kurzem bei der Europäischen Arzneimittelagentur (EMEA) eingereicht, um die Zulassung entsprechend zu erweitern.
Die epidemiologische Bedeutung von Gebärmutterhalskrebs und anderen HPV-bedingten Erkrankungen
Trotz Krebsfrüherkennungsuntersuchungen bleibt Gebärmutterhalskrebs in Europa(*) nach Brustkrebs die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache junger Frauen (15 bis 44 Jahre)(7). Jedes Jahr wird bei rund 33.500 Frauen ein Zervixkarzinom diagnostiziert, und 15.000 Frauen sterben an dieser Erkrankung(

. Außerdem werden bei hunderttausenden Frauen Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs oder weitere HPV-bedingte Erkrankungen im Genitalbereich diagnostiziert. Zu diesen Erkrankungen zählen präkanzeröse und potenziell präkanzeröse Läsionen der Zervix(9,10,11), Vulva- und Vaginal¬karzinome(12,13,14), präkanzeröse Läsionen der Vulva und der Vagina(15,16,17,18) sowie Genitalwarzen(19).
(*)EU-Mitgliedstaaten (außer Rumänien und Bulgarien) plus Island,
Norwegen und die Schweiz
EU-Indikation für den HPV-Vierfachimpfstoff
Gemäß der für die EU erteilten Zulassung kann dieser rekombinante, adsorbierte Impfstoff gegen die Typen 6, 11, 16 und 18 des humanen Papillomvirus, Kindern und Jugendlichen im Alter von 9 bis 15 Jahren sowie Frauen von 16 bis 26 Jahren verabreicht werden. Die Indikation beruht auf dem Nachweis der Wirksamkeit des Impfstoffes bei erwachsenen Frauen von 16 bis 26 Jahren und dem Nachweis der Immunogenität der Impfung bei Kindern und Jugendlichen beiderlei Geschlechts von 9 bis 15 Jahren. Der Impfstoff ist zugelassen zur Prävention von Zervixkarzinomen, hochgradigen Dysplasien der Zervix CIN 2/3 (präkanzeröse Läsionen der Zervix), hochgradigen dysplastischen Läsionen der Vulva VIN 2/3 (präkanzeröse vulväre Läsionen) und äußeren Genitalwarzen (Condylomata acuminata), die durch humane Papillomviren der Typen 6, 11, 16 bzw. 18 verursacht werden.